Staatsregierung will das Tier wieder ansiedeln Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Die Jochbergalm soll wolffrei bleiben, finden manche. Foto: Imago/Ralph Müller

Staatsregierung und Umweltschützer wollen das Tier, das nur im Märchen finstere Absichten verfolgt, wieder im Freistaat ansiedeln. Vor Ort aber machen Jagdverbände mobil.

 

München - Unlängst hat der Fund von vier abgetrennten Luchs-Vorderpfoten im Bayerischen Wald die Gemüter von Umwelt- und Naturschützern sowie Tierfreunden erregt. Ein anderer großer Beutegreifer hat es noch schwerer, in Bayern wieder heimisch zu werden: Nutztierhalter, Bauernverband, aber auch einige Landkreise und Gemeinden warnen immer noch derart eindringlich vor dem Wolf, dass dem Jäger der Griff zur Flinte nahegelegt wird.

Das jedoch wäre auch im Lande des vor fast genau neun Jahren getöteten Problembären Bruno strafbar. „Der Wolf ist besonders und streng geschützt“, so eine Sprecherin des Landesamts für Umwelt (LfU).

Wildbiologen argwöhnen freilich, dass sich Wolfs-Feinde schon länger über den Schutz des Wolfs hinwegsetzen. Denn obwohl der Freistaat von Wolfs-Populationen geradezu umzingelt ist, wird auch in großen Naturschutzgebieten wie dem Nationalpark Bayerischer Wald nur ganz vereinzelt ein Tier gesichtet.

Menschen könnten sich „vor Ort nicht mehr frei bewegen“

Der bayerische Ex-Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) rief Braunbär Bruno Anfang 2006 etwas voreilig noch ein fröhliches „Willkommen“ entgegen, der Wolf hingegen hat ein denkbar schlechtes Image. Auch jetzt noch kann man sich an Aushängen, die vom Bayerischen Bauernverband verantwortet werden, von der Gefährlichkeit und Schadensträchtigkeit des Rotkäppchen-Fressers überzeugen. So etwa auf der Jochbergalm bei Kochel am See, Treffpunkt vieler Wanderer.

Wenn der Wolf heimisch werde, heißt es in einem Flyer des Bauerverbands, werde die Nutztierhaltung unmöglich, so dass Menschen ihre Lebensgrundlage verlören. Schlimmer: Gevatter Isegrim sei eine Bedrohung für die Menschen, die sich „vor Ort nicht mehr frei bewegen“ könnten. Unterzeichnet ist die Wolfs-Warnung nicht nur von Landwirtschafts- und Jagdverbänden, sondern auch von den Landkreisen Berchtesgadener Land, Miesbach und Traunstein – immerhin auch untere staatliche Naturschutzbehörden – sowie etwa von den Gemeinden Oberaudorf und Fischbachau. Genau die, in denen Bruno sein Unwesen trieb. Pikant: Der Landkreis Miesbach wird nach dem Abtreten des skandalumwitterten CSU-Politikers Jakob Kreidl inzwischen von dem Grünen Wolfgang Rzehak regiert. Der distanzierte sich von der unter seinem Vorgänger eingeschlagenen Linie: „Hier wird der Wolf zum Monster stilisiert, was nicht der Wirklichkeit entspricht“, so Rzehak.

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Der Landesjagdverband geht auf Distanz zu den Wolfs-Warnungen

Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, in dessen Zuständigkeitsbereich Stimmung gegen den Wolf gemacht wird, hat die Anti-Wolf-Mobilmachung nicht unterschrieben. Auch beim Landesjagdverband geht man dazu auf Distanz.

Fachleuten stellen sich bei der gruseligen Analyse der selbst ernannten „Organisationen für eine intakte Kulturlandschaft“ die Nackenhaare auf. Seit 1951 sind in ganz Europa acht Menschen durch Wölfe zu Tode gekommen. Übrigens: Auch in Bayern existiert ein Entschädigungsprogramm für Landwirte, die Verluste durch den Wolf hinnehmen müssen.

 

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