Spuren im Schnee Drei Wölfe im Bayerischen Wald vermutet

Im Bayerischen Wald wird derzeit ein Wolfstrio vermutet - Spuren im Schnee verrieten die Tiere. Foto: Swen Pförtner/dpa

Spuren im Schnee haben sie verraten: Durch den Bayerischen Wald stapfen derzeit wohl drei Wölfe. Ob sie mit den in Tschechien nachgewiesenen Artgenossen verwandt sind, steht frühestens in ein paar Monaten fest.

 

Durch den Schnee im Bayerischen Wald schleichen wohl mittlerweile drei Wölfe. Das teilte die Nationalparkverwaltung am Donnerstag in Grafenau nach der Analyse von Spuren mit. Zuvor hatte die "Passauer Neue Presse" darüber berichtet.

"Anhand von Fotoaufnahmen kann man Wölfe nicht unterscheiden", sagte der Leiter des Monitorings im Nationalpark, Marco Heurich. Daher seien Urinproben, Kot und Haare der Tiere eingesammelt worden; sie würden nun bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt/Main untersucht. "Mit den Ergebnissen der Genanalyse können wir genauere Angaben machen." Wegen der vielen Wölfe bundesweit sei aber erst in einigen Monaten mit Details zu rechnen.

Sieben Wölfe in Tschechien

Im nahen Tschechien, im Nationalpark Šumava, wurden zuletzt sieben Tiere gefilmt. Heurich vermutet, dass das Trio aus dem Bayerischen Wald zu diesem Rudel gehören könnte. "Wir konnten die Drei bisher nicht eindeutig identifizieren", erklärte der Wildtierökologe. Er geht davon aus, dass alle bisher im Falkenstein-Rachel-Gebiet gefilmten Tiere womöglich grenzüberschreitend unterwegs waren.

Seit 2006 werden in Bayern immer wieder Wölfe nachgewiesen - in der Regel Jungtiere auf der Durchreise. Standorttreue Wolfspaare gibt es nach Angaben des Artenschutzexperten des Bundes Naturschutz, Uwe Friedel, nur im oberfränkischen Landkreis Bayreuth, auf dem oberpfälzischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr im Landkreis Neustadt an der Waldnaab, ein Tier in der Rhön sowie die im Nationalpark Bayerischer Wald. Bundesweit betrachtet leben in Bayern nur recht wenige Wölfe.

Im Bayerischen Wald sei 2017 erstmals Wolfsnachwuchs nachgewiesen worden, sagte Heurich. Ein Rüde aus dem alpinen Raum und eine Fähe aus Westpolen hätten vier Jungtiere gezeugt.

Immer mehr Wölfe kehren nach Deutschland zurück

In den letzten Monaten haben sich Sichtungen von Wölfen in Bayern und ganz Deutschland stetig gemehrt. Insgesamt 105 Wolfsrudel sollen laut Bundesamt für Naturschutz derzeit in Deutschland unterwegs sein, für das Frühjahr 2020 prognostiziert der Deutsche Jagdverband etwa 1.800 Tiere in der Bundesrepublik. Im Dezember beschloss der Bundestag eine Neuregelung, die dem Schutz von Nutztieren dienen soll: Der Abschuss eines Wolfes soll auch möglich sein, wenn unklar ist, welchere Wolf genau zum Beispiel eine Schafsherde angegriffen hat.

Doch der Wolf ist nicht das einzige Raubtier, das seinen Weg nach Bayern gefunden hat: Im letzten Jahr wurde in den bayerischen Alpen ein Bär vermutet. Erst fotografierte eine Touristin dessen Losung, wenig später tappte das Jungtier in Reutte in Tirol in eine Fotofalle. Das letzte Mal, dass ein Bär in Bayern gesichtet wurde, war 2006: Der "Problembär", dem der Name "Bruno" gegeben wurde, streifte damals mehrere Wochen lang in Bayern umher und riss mehrere Nutztiere. Er wurde schließlich – entgegen heftiger Proteste – zum Abschuss freigegeben und am 26. Juni 2006 in der Nähe des Spitzingsees erlegt.

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