Spielt er gegen den Willen der Bayern? Abstellungs-Zoff um Lucas Hernández droht zu eskalieren

, aktualisiert am 11.10.2019 - 22:54 Uhr
Trotz Verletzung für die französische Nationalmannschaft nominiert: Lucas Hernandez. Foto: imago/Plusphoto

Der Streit um die Abstellung von Bayern-Star Lucas Hernández wird immer kurioser. Der französische Nationalverband erklärt den Defensivspieler für einsatzfähig, allerdings soll Hernández die Trainingseinheit am Donnerstag abgebrochen haben.

 

München - Der Abstellungs-Zoff um Lucas Hernández geht in die nächste Runde. Laut dem französischen Nationaltrainer stehe einem Einsatz des Bayern-Stars im EM-Qualifiaktionsspiel gegen Island  (11. Oktober) nichts im Wege: "Er ist ausreichend frei von dem, was er hatte. Er fühlt sich gut und steht für die Startelf des Spiels zur Verfügung", sagte Didier Deschamps auf der Pressekonferenz am Donnerstag.

Auch Lucas Hernández hatte sich am Mittwoch zum Verletzungsstreit selbst geäußert und sich dabei auf die Seite des französischen Nationalverbandes gestellt. "Ich fühle mich zu 100 Prozent fit. Wenn der Trainer mich von Anfang an aufstellen will, bin ich 100 Prozent bereit", erklärte der Bayern-Star gegenüber den französischen TV-Sendern M6 und RTL. "Ich hatte ein MRT und alles ist gut, das Hämatom ist weg."

In der Partie gegen Island am Freitagabend saß Hernández dann auch auf der Bank des Weltmeisters, wurde aber nicht eingewechselt. Am Montag folgt ein Heimspiel gegen die Türkei.

Hernández hat wohl Training abgebrochen

Anderer Meinung ist da Bayern-Arzt Müller-Wohlfahrt. Münchens Vereinsarzt hat eine Mail an die Franzosen geschrieben und dringend davor gewarnt, den Innenverteidiger nach seinen jüngsten Knieproblemen spielen oder unter Wettkampfbedingungen trainieren zu lassen. Viel zu groß sei die Gefahr einer erneuten Verletzung.

Zuerst hatten die "tz" darüber berichtet. Zudem habe der 23-Jährige offenbar die gestrige Trainingseinheit abgebrochen, da sich das "Knie währenddessen nicht gut anfühlte".

Der FC Bayern machte aus dem entstandenen Konflikt um die Nominierung kein Hehl. "Ich bin irritiert über das Verhalten des französischen Verbandes", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Hernández "hat eine Stressreaktion am Knie"

Der Rekordmeister hatte dem französischen Verband FFF am Samstagabend nach dem 1:2 gegen die TSG Hoffenheim mitgeteilt, dass Hernández aufgrund seiner Blessur in München bleiben müsse. "Lucas hat eine Stressreaktion am Knie", hatte Sportdirektor Hasan Salihamidzic gesagt, er werde "definitiv" nicht abreisen.

Die Franzosen hatten jedoch zuvor schon erkennen lassen, dass sie auf die Berufung für die EM-Qualifikationsspiele in Island und gegen die Türkei (11. und 14. Oktober) bestehen würden. Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps rechtfertigte die Anforderung des Defensiv-Asses am Montag nochmals.

Deschamps: Werden kein Risiko eingehen

"Wir stellen die Diagnose nicht infrage und wollen uns selbst ein Bild machen, aber wir spielen nicht heute, sondern erst am Freitag", sagte der Coach auf einer Pressekonferenz am Montag im Trainingslager in Clairefontaine. Der 50-Jährige versicherte zugleich, mit Hernández "keinerlei Risiko" eingehen zu wollen.

In einem Telefonat, berichtete Deschamps weiter, habe Münchens Trainer Niko Kovac aufgrund eigener Erfahrungen als kroatischer Nationaltrainer auch Verständnis für die Haltung der Franzosen geäußert. Der französische Verband kündigte auf Twitter die erste Trainingseinheit für Montagabend (17.30 Uhr) an – auf den Bildern war unter anderem auch Hernández zu sehen.

Rummenigge hätte mehr Verständnis erwartet

Obwohl die FIFA-Statuten das Vorgehen der Franzosen ermöglichen, sind die Verantwortlichen des FC Bayern verärgert. "Ich möchte darauf hinweisen", sagte Rummenigge, "dass Lucas Hernández aufgrund seiner Verletzung weder gegen Tottenham Hotspur noch gegen die TSG Hoffenheim im Kader stehen konnte".

Auch die "zitierte Aussage" von Deschamps, "wonach Hernández bereit sei, 'mit einem Bein zu spielen', hat uns doch sehr überrascht", ergänzte der Bayern-Boss. Der FC Bayern, führte Rummenigge aus, hätte "wegen des großen Risikos mehr Verständnis" vonseiten der Franzosen erwartet. Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bekräftigte: "Lucas Hernández kann bei den anstehenden Partien der französischen Nationalmannschaft nicht spielen, von daher macht auch eine Abstellung keinen Sinn."

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