Sperre für Bayern-Star? Zoff um Franck Ribéry - Rummenigge: "Alles fifa-konform"

Michel Platini (l.) und Karl-Heinz Rummenigge. Foto: imago

Franck Ribéry hat seine Karriere in der französischen Nationalmannschaft für beendet erklärt. Die UEFA will dem Flügelflitzer dafür eine Strafe aufbrummen. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge widerspricht UEFA-Chef Michel Platini: Ribérys Rücktritt "fifa-konform".

 

München - Letztes Jahr waren sie noch ein Herz und eine Seele: der französische Uefa-Präsident Michel Platini und der beste Fußballer des Landes, Franck Ribéry. Im August wurde der Bayern-Star Europas Fußballer des Jahres, eine von der Uefa veranstaltete Ehrung. Ende Jahres dann, kurz vor Weihnachten, als die Bayern in Marokko die Klub-Weltmeisterschaft gewannen, erhielt Ribéry die Auszeichnung "Spieler des Turniers" - eine etwas zweifelhafte Entscheidung. Dennoch strahlte Ribéry bei der Schlüsselübergabe für den Neuwagen eines Sponsors - aus den Händen von Platini persönlich. Samt Umarmung.

Doch mittlerweile sind die Fronten verhärtet. Ribéry, der wegen einer komplizierten wie undurchsichtigen Rückenverletzung auf die WM in Brasilien verzichten musste, hatte im August seinen Abschied von der Nationalelf erklärt. Au revoir nach 81 Länderspielen.

"Ich möchte mich mehr meiner Familie widmen, mich ganz auf die Aufgaben beim FC Bayern konzentrieren und auch den vielen tollen jungen Spielern in der Nationalmannschaft den Platz überlassen", begründete der 31-Jährige seinen Entschluss. Was in Frankreich auf Unverständnis stieß - und das obwohl Ribéry in all den Jahren ein zwiegespaltenes Verhältnis zu seiner Heimat hatte, weil er immer wieder im Zentrum der Kritik an der "Equipe tricolore" stand.

"Wenn Trainer Didier Deschamps ihn einlädt, muss er zur Nationalmannschaft kommen. Das ist in den Fifa-Statuten festgelegt. Wenn er nicht kommt, wird er für drei Spiele mit Bayern München gesperrt", sagte Platini in "BamS". Der Uefa-Präsident weiter: "Es ist nicht die Entscheidung der Spieler, ob sie zur Nationalelf kommen. Das ist die Entscheidung der Trainer. Franck Ribéry kann nicht einfach selbst entscheiden, ob er für Frankreich spielt oder nicht."

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hat sich über die Warnung von UEFA-Präsident Michel Platini in Richtung Franck Ribéry verwundert gezeigt. "Es ist doch alles geklärt", sagte Rummenigge der "Bild". Der Offensivprofi habe die Situation bereits mit Nationaltrainer Didier Deschamps besprochen. "Er wird doch gar nicht mehr eingeladen! Alles in Ordnung und fifa-konform."

Doch ist ein Rücktritt eines Nationalspielers bindend oder nicht?

Rein rechtlich liegt der Fall, in dem Platini auf die Fifa-Statuten verweist, laut Artikel 3, Anhang 1 (Seite 33), folgendermaßen: "Jeder Spieler, der bei einem Verein registriert ist, ist grundsätzlich verpflichtet, einem Aufgebot für eine Auswahlmannschaft des Verbands des Landes Folge zu leisten, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt."

Die Regelungen zielen aber in erster Linie auf die generelle Abstellungspflicht der Vereine ab. Streng genommen müsste Ribéry laut Regelwerk tatsächlich einer Einladung für die Nationalmannschaft nachkommen. Unabhängig der Verpflichtungen laut Reglement dürfte ein Nationaltrainer aber nur wenig Freude an einem unwilligen Spieler haben.

Platini, der Frankreich 1984 mit neun Treffern zum ersten EM-Titel geführt hatte, versteht die Entscheidung Ribérys ohnehin nicht. Er ist Franzose, die EM findet 2016 in Frankreich statt, nicht in Polen. Da muss er doch spielen wollen. Muss er?

 

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