Spaten-Löwenbräu 1.000 Prozent Mieterhöhung für Münchner Brauereien

Mitten in der Stadt: In der Marsstraße sitzt Spaten, nebenan Löwenbräu. Seit Herbst 2018 kostet der Standort jährlich sechs Millionen Euro mehr. Foto: imago/imagebroker

Spaten-Löwenbräu muss sechs Millionen Euro pro Jahr mehr zahlen. "Völlig gerechtfertigt", findet Unternehmer Kayser-Eichberg.

 

München - In München gibt es nichts, was es nicht gibt – schon gar nicht auf dem Miet-Markt. Wer gerade eine saftige Mieterhöhung von 15 Prozent bekommen hat und sich dachte, schlimmer kann es nicht kommen, der sollte diese Geschichte lesen. Denn in der Stadt des Miet-Wahnsinns kann es eben immer noch schlimmer kommen.

1.000 Prozent Mieterhöhung für Spaten-Brauerei

Aktuelles Beispiel: Die Spaten-Löwenbräu-Gruppe (ein gemeinsames Unternehmen der Traditions-Brauereien Spaten-Franziskaner-Bräu und Löwenbräu) bekam für ihr Areal in der Marsstraße eine Mieterhöhung, die kaum zu glauben ist. Aber wahr.

Nach AZ-Informationen muss die Spaten-Löwenbräu-Gruppe, die zum belgisch-brasilianischen Brau-Konzern Anheuser-Busch InBev (Jahresumsatz: 56,4 Milliarden Dollar; Platz 40 der weltweit größten Unternehmen) gehört, seit vergangenem Herbst 1.000 Prozent mehr Miete zahlen. 1-0-0-0. Prozent. Mehr.

Erhöhung bestätigt: Sechs Millionen Euro mehr Pacht pro Jahr

Kann das denn wirklich wahr sein? Nachfrage bei Jobst Kayser-Eichberg (78), der nicht nur einen klingenden Namen, sondern auch klingende Funktionen hat (u. a. Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Schörghuber Stiftung). Münchens smarter B(r)au-Pate mit der strahlend weißen Mähne ist Aufsichtsratsvorsitzender und ehemaliger geschäftsführender persönlich haftender Gesellschafter der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA, der die beiden Grundstücke in der Marsstraße gehören.

55.000 Quadratmeter groß ist das Spaten-Grundstück, 25.000 Quadratmeter die Löwenbräu-Fläche. Kayser-Eichberg gilt als Grandseigneur der Münchner Brauereien, der stets mehr weiß als er sagt. Der AZ bestätigt er allerdings die selbst für Münchner Verhältnisse ungewöhnlich hohe Mieterhöhung: "Seit dem 1. Oktober 2018 zahlt Anheuser-Busch InBev vertragsgemäß sechs Millionen Euro mehr Pacht pro Jahr."

Statt wie 14 Jahre lang jährlich 600.000 Euro, eine Summe, die Kayser-Eichberg als "sehr niedrig" bezeichnet, sind es jetzt also "etwas weniger" als 6,6 Millionen Euro pro Jahr. Der Vertrag läuft bis 2034.

Kein Umzug nach Langwied

Geschluckt hätte der Brau-Konzern nicht. "Es war ja ausgemacht, dass es eine deutliche Erhöhung geben wird", sagt Kayser-Eichberg der AZ. Und weiter: "Die Erhöhung ist völlig gerechtfertigt. Außerdem wollten sie mit der Brauerei nicht auf das Gelände nach Langwied ziehen, was auch zur Debatte gestanden ist. Wir hatten die Pläne entwickelt, doch InBev hat zum Schluss leider abgesagt."

Leider? "Auf 80.000 Quadratmetern in der Marsstraße hätten sehr viele Wohnungen entstehen können."

In Langwied, nahe dem Autobahnkreuz München-West, befinden sich nun die Konkurrenten Paulaner und Hacker-Pschorr, die von der Au weggezogen sind und zur Schörghuber-Gruppe gehören, die Kayser-Eichberg ebenfalls berät.

Kayser-Eichberg: "Nicht jeder Vermieter ist ein Miethai"

Der vierfache Familienvater möchte aber nicht als kaltblütiger und raffgieriger Miethai gesehen werden. Er sagt: "Eine alte Dame haben wir nach 50 Jahren noch nie aus ihrer Wohnung geworfen, so etwas tun wir nicht."

Der B(r)au-Pate möchte klar differenzieren: "Ständig liest oder hört man Schauermärchen des Miet-Wahnsinns, Vermieter werden gern als Verbrecher dargestellt. Es ist gerade in Mode, uns zu bashen, wie man heutzutage sagt. Doch Vermieter von Bestandswohnungen, die ordentlich arbeiten und über Jahrzehnte sehr humane Mieten aufrufen, haben überhaupt nichts zu tun mit den Vermietern neuer Eigentumswohnungen, die gefühlt jeden Preis aufrufen können – und den auch gezahlt bekommen."

Zur Mietpreisentwicklung meint er: "Natürlich gibt es extrem unerfreuliche Beispiele. Doch, wer die Mietpreise von Paris oder London kennt, der kann sich über die Münchner Mieten kaum aufregen."

Was würde er ändern, wenn er für einen Tag Oberbürgermeister in München wäre? Der gebürtige Oberstdorfer Jobst Kayser-Eichberg dazu: "Ich würde freie Flächen, die es in der Innenstadt durchaus gibt, anständig bebauen. Und ich würde mehr Wert darauf legen, nicht alle Vermieter über einen Kamm zu scheren."

Lesen Sie hier: "Augustiner"-Brauerei - Branchenblatt nennt Zahlen

Lesen Sie hier: Starkbierfeste 2019 - Wo man in München am besten feiern kann

 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading