Spannende Ausblicke Die schönsten Türme in München und ihre Geschichte

Unter ihm liegt die Stadt: Dietmar Holzapfel, Chef der Deutschen Eiche, hat von seiner Wohnung im The Seven einen wunderbaren Blick auf Münchens Türme und Kirchen. Foto: Daniel von Loeper

Wohnraum für Vögel, Planschbecken für Hunde: Münchens Türme bergen viele Überraschungen. Deutsche-Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel hat sich für die AZ umgesehen.

 

München - Selbst wenn eine moppeldicke Gewitterwolkenfront über den Himmel von München rollt, ist die Aussicht von der Dachterrasse der Deutschen Eiche noch wunderschön und spektakulär – von oben ist die Welt einfach am besten anzuschauen. Weil die Sorgen und Nöte kleiner aussehen, die Luft frischer ist und das Fußvolk weit weg – Letzteres war zumindest für viele Herrscher eine Grundmotivation, ihre Bauten so weit wie möglich Richtung Gott zu schrauben.

Es gibt natürlich auch noch viele andere Gründe, um hohe Türme zu bauen, zum Beispiel funktionale: Glockenspiele, deren Klang weit reichen soll, ein Wasserspeicher, der ein gewisses Gefälle braucht, ein Ausblick auf der Stadtmauer, von dem aus man weit sehen können musste. Dietmar Holzapfel kennt sie alle – die Gründe und die Türme dazu.

Denn sowohl von der Terrasse seines Hotels und Lokals kann er sie sehen, als auch aus seiner Wohnung im zwölften Stockwerk des Neubauturms und ehemaligen Heizwerks "The Seven". Darum enden seine öffentlichen Führungen durch die Deutsche Eiche auch immer auf deren Dach mit einem Turm-Vortrag – so auch an diesem Tag mit der AZ.

Der Klo-Turm am Rindermarkt

Der Löwenturm.

Der Löwenturm.    Foto: Sigi Müller

Eine öffentliche Toilettenanstalt ist er zwischenzeitlich gewesen, der 23 Meter hohe Backsteinturm am Rindermarkt – denn unter dem Löwenturm floss im 19. Jahrhundert noch der Angerbach, und darum lag das nahe.
Erbaut wurde der denkmalgeschützte Turm wahrscheinlich im 12. Jahrhundert – "fälschlicherweise wird er oft der alten Stadtmauer zugeschrieben", sagt Holzapfel, "aber die verlief eher woanders."

Betreten kann man ihn leider nicht. Im Innern finden sich Fresken mit Vögeln, Bäumen und Schriftzeichen aus dem 15. Jahrhundert.

Zwei grüne Zwiebeln am Luise-Kiesselbach-Platz

Heim und Kirche St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz.    Foto: S. Müller

Heim und Kirche St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz.    Foto: Sigi Müller

Das städtische Alten- und Pflegeheim St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz wurde 1927 fertig und ist heute ein Wahrzeichen Sendlings – "vor allem wegen der grünen Zwiebeltürmchen". Die Anlage mit Mansardendach, den statuenbekrönten Vorhallen und der Kirche mit den Glockentürmen ist ein Baudenkmal. Architekt war Hans Grässel, der unter anderem die Aussegnungshalle des Nordfriedhofs entworfen hat.

Aubinger Wasserturm: Schnelles Wachstum

Der Aubinger Wasserturm.    Foto: Sigi Müller

Der Aubinger Wasserturm.    Foto: Sigi Müller

Er erinnert zwar an einen mittelalterlichen Stadtturm, ist aber in Wirklichkeit bedeutend jünger: Der Aubinger Wasserturm wurde in den Jahren 1909/1910 erbaut, weil die damals selbstständige Gemeinde Aubing so schnell wuchs, dass sie eine komplexere Wasserversorgung brauchte und Brunnen gebohrt werden mussten.

Der 37 Meter hohe Turm steht unter Denkmalschutz, die oberen Stockwerke sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. 1954 ging das Wasserwerk vom Betrieb. Die Stadtwerke verkauften den Turm 2003, danach stand er lange leer, die geplanten Wohnungen entstanden nie. Heute kommt eine Kunstgalerie in Turm unter und das Wasserwart-Wohnhaus.

Das alte Rathaus und die Bomben

Der alte Rathausturm. F: S. Müller

Der alte Rathausturm. Foto: Sigi Müller

Schnaaarch, das Alte Rathaus kennt doch jeder! Und weiß wohl auch, dass die vier Stockwerke des gotischen Turms das Spielzeugmuseum beherbergen.
Aber auch, dass der 56 Meter hohe Turm umgebaut wurde und vorher etwas Anderes war? Nämlich das Talburgtor der ersten Stadtmauer Münchens.

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde es 1301 als porta inferior – unteres Tor. 1944 wurde der Turm von Bomben so schwer beschädigt, dass er abgerissen wurde – und 1972 im spätgotischen Stil wiedererrichtet.

Der Dom von Schwabing und seine Glocke

„Dom von Schwabing“.     Foto: AHert/wikipedia

"Dom von Schwabing".     Foto: AHert/wikipedia

Es fühlt sich immer etwas italienisch an, am Kaiserplatz. Kein Wunder: Vorbild für die Basilika Sankt Ursula, auch "Dom von Schwabing" genannt, waren für August Thiersch die Kirchen der Florentiner Früh-Renaissance.
1897 wurde sie geweiht – die ursprüngliche Schwabinger Pfarrkirche St. Sylvester war zu klein geworden.

Der freistehende Glockenturm ist 64 Meter hoch. Nur eine Bronzeglocke aus dem 19. Jahrhundert hat den Krieg überstanden, sie wurde ins heutige Geläut im Turm integriert.

Oskar-von-Miller-Gymnasium: Für immer Mittag

Der Turm des Oskar-von-Miller-Gymnasiums darf derzeit nicht betreten werden, er ist baufällig.	Foto: OvMG

Der Turm des Oskar-von-Miller-Gymnasiums darf derzeit nicht betreten werden, er ist baufällig.    Foto: OvMG

Momentan stehen die Zeiger aller Turmuhren auf Punkt 12, denn das Oskar-von-Miller-Gymnasium und das Maximiliansgymnasium werden für mindestens vier Jahre renoviert – bei zwei denkmalgeschützten Schulen mitten in Schwabing eine recht komplizierte Angelegenheit.

Es schauen aber viele Schwabinger und Schwabingerinnen immer noch nach oben, wenn sie am 1910 bis 1911 erbauten Gebäude vorbeigehen – denn neben dem Treppengiebel mit Dachreiter ist vor allem der 48 Meter hohe Turm des Oskar-von-Miller-Gymnasium ein weithin sichtbares Wahrzeichen. In ihm lebt – glaubt man einigen Anwohnern – ein Turmfalke.

Betreten darf man den Turm nicht, weil er über die Jahrzehnte baufällig geworden ist. Am damaligen Stadtrand entstand das Gebäude vor fast 100 Jahren – damals zogen in das neue Realgymnasium 650 Schüler ein.

Zwillingstürme der Ludwigskirche

Die Zwillingstürme.    Foto: Sigi Müller

Die Zwillingstürme der Kirche an der Ludwigstraße ragen jeweils 71 Meter in die Höhe. Auf sie verteilt sind sechs Glocken, benannt nach den Schutzpatronen des engsten Familienkreises Ludwigs I., der die Kirche ab 1829 für seine Prachtstraße errichten ließ.

Die Doppeltürme sind von weitem in der Maxvorstadt sichtbar, besonders natürlich von der Schellingstraße aus, deren Abschluss sie bildet. "Da staunen die Menschen vor allem immer über die schönen, bunten Dachschindeln", sagt Holzapfel. Das Dach wurde im Krieg zerstört und erst bei der letzten Sanierung nach der Jahrtausendwende stellte man das ursprüngliche Farbkonzept von Friedrich von Gärtner wieder her.

Hoch, höher, Heilig Kreuz

Die Kirche. F: Cmcmcm1/wikipedia

Die Kirche. F: Cmcmcm1/wikipedia

Bis der Olympiaturm gebaut wurde, der mit seinen 291 Metern in München so ziemlich alles überragt, war ein anderer Punkt die höchste Erhebung der Stadt", erzählt Dietmar Holzapfel. Und dieser Punkt war nicht die Frauenkirche – sondern die Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing.

Der Kirchturm ist nur 98 Meter hoch – aber die Kirche steht im Gegensatz zur Frauenkirche auf einer Erhebung. Heilig-Kreuz ist damit zwar nominal nicht größer, aber eben vom Meeresspiegel ausgehend höher.

Bis zur Turmkreuzspitze des Alten Peter

Das Neue Rathaus gesehen vom Alten Peter.		Foto: Sigi Müller

Der Alte Peter gesehen vom Neuen Rathaus.        Foto: Sigi Müller

Ohne den Alten Peter geht es natürlich nicht, immerhin handelt es sich bei Sankt Peter um die älteste Pfarrkirche Münchens: Urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1225 oder 1226.
Der Alte Peter ist 91 Meter hoch – gemessen bis zur Spitze des päpstlichen Turmkreuzes.

Die Aussichtsplattform befindet sich auf 56 Metern Höhe. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kirche bis auf einen Turmstumpf nahezu vollständig zerstört. Die Rekonstruktionsarbeiten dauerten bis zum Jahr 2000.

Ebenfalls im Bild: der Turm des Neuen Rathauses. Auf seiner Spitze in 85 Metern Höhe wacht das Münchner Kindl. "Das wurde nach dem Abbild des Volksschauspielers Ludwig Schmid-Wildy geschaffen", erzählt Dietmar Holzapfel, "denn dessen Vater war Bildhauer."

Fremde Hüte der Frauenkirche

Die Frauenkirche vom Marienplatz aus.	F.: dpa/Hörhager

Die Frauenkirche vom Marienplatz aus.    F.: dpa/Hörhager

Nach dem Vorbild des Jerusalemer Felsendoms wurden die zwei markanten "Welschen Hauben" ("welsch" = fremd) der Frauenkirche geplant. Aber erst 36 Jahre nach der Fertigstellung der Kirche 1488 setzte man sie auf, da zunächst das Geld fehlte und der Baumeister Jörg von Halspach starb.

Mit 98,57 Metern (Nord) und 98,45 Metern (Süd) sind die beiden Türme des Doms Zu Unserer Lieben Frau fast gleich hoch. In der Innenstadt darf nichts höher gebaut werden – "die höchste Erhebung der Stadt ist aber der Olympiaturm", sagt Holzapfel.

Die Spitze des Nordturms bildet den Nullpunkt im bayerischen Soldner Koordinatensystem, das von 1801 bis 1927 als Grundlage für die erste bayerische Landesvermessung eingesetzt wurde.
Wegen Sanierungsarbeiten ist der sonst zugängliche Südturm auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Spiegeltor am Isartor

Der Mittelturm vom Isartor wacht über den Rest.	Foto: Sigi Müller

Der Mittelturm vom Isartor wacht über den Rest.    Foto: Sigi Müller

Die meisten Geschichten erlebte wohl das Isartor, das Anfang des 14. Jahrhunderts entstand: Es ist das östlichste Stadttor der historischen Altstadt; der mehrgeschossige Torturm – fast 40 Meter hoch – "ist der einzig erhaltene eines Innentores", sagt Holzapfel. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Stadtrat schon den Abbruch beschlossen, König Ludwig I. wollte es erhalten. Die Uhr auf der Westseite des Turms läuft spiegelverkehrt.

Müllersches Volksbad: Badehaus nicht nur für Menschen

Das Müller’sche Volksbad an der Isar.	Foto: Sigi Müller

Das Müller’sche Volksbad an der Isar.    Foto: Sigi Müller

Der weiße Turm des Müller’schen Volksbads: Er ragt heraus aus dem gelben Gebäude, und doch fügt sich das neubarocke Jugendstil-Ensemble harmonisch zusammen.
"Das Volksbad war zu seiner Fertigstellung 1901 das modernste und teuerste Bad der Welt", erzählt Holzapfel.

So modern, dass es im Souterrain des Gebäudes sogar ein Schwimmbad für Hunde gab – leider ist es seit 1978 außer Betrieb. Im Uhrenturm des Müller’schen Volksbads befindet sich Reservewasser, das auch den Wasserdruck konstant hält.

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