Spanisches Dorf Castrillo Matajudios stimmt ab "Tötet Juden" - weg mit dem antisemitischen Namen!

Castrillo Matajudios: Ein Davidstern im Wappen - denn der Ort wurde von Juden gegründet. Foto: dpa

Zeitgleich mit der Europwahl stimmten alle 52 Einwohner eines spanischen Dorfs über eine Änderung des judenfeindlichen Ortsnamens ab

 

Madrid - – Ein spanisches Dorf hat den Termin der Europawahl zum Anlass genommen, um sich von einer schweren Bürde zu befreien: Der Ort Castrillo Matajudios stimmte am Sonntag nicht nur über das Europaparlament ab, sondern auch über eine Namensänderung.

Denn Castrillo Matajudios heißt auf deutsch: Castrillo Tötet Juden. Bürgermeister Lorenzo Rodríguez machte sogar seine politische Zukunft von dem Votum abhängig: Sollten die 56 Einwohner nicht mehrheitlich für die Namensänderung stimmen, werde er abtreten.

"Wenn Sie irgendwo hinreisen, müssen Sie das immer erklären." Außerdem habe der Name für eine von den Juden gegründete Gemeinde keinen Sinn. "Wir haben einen Davidstern im Wappen", sagte Rodríguez.

Die jüdischen Gründerväter seien bis 1492 geblieben, bis sie von der Inquisition vertrieben worden seien. Nach Ansicht von Experten wie dem Archäologen Angel Palomino waren es die Nachfahren der Juden, die zum römisch-katholischen Glauben konvertiert mit dem Namen Castrillo Matajudios ein Zeugnis ihrer neuen Glaubensstärke ablegen wollten.

Die Einwohner des Dorfes in der Nähe von Burgos hatten nun die Wahl zwischen dem alten Namen oder einer winzigen Änderung: Statt Matajudios würden sie künftig in Motajudios oder Mota de Judios wohnen, was Judenhügel bedeutet – denn die Ursiedlung lag auf einem Hügel.