Sollte er seinen Vater töten? München: Mutter soll Sohn zu Mordversuch angestiftet haben

Hat sie ihren elfjährigen Sohn gegen den Vater aufgehetzt? Angelika S. mit ihren Anwälten. Foto: Sigi Müller

Prozess gegen eine 50-Jährige, die ihren Sohn dazu angestiftet haben soll, seinen Vater zu erschlagen. Die Familie steht zu ihr und verweigert die Aussage.

 

München - Der Fall kommt reichlich skurril daher, aber ist er wirklich nur das Produkt eines allzu fantasievollen Buben? Der heute 23-Jährige hat seine Mutter Angelika S. (50) jedenfalls ganz real auf die Anklagebank gebracht. Der Vorwurf: Anstiftung zum Mord.

Eine Grundlage der Anklage ist die Aussage des Sohns bei der Polizei. Demnach soll ihn die Mutter im Jahre 2008 angestiftet haben, den Vater beim Abendessen in der gemeinsamen Wohnung in Altomünster mit einer eineinhalb Kilo schweren Hantel zu erschlagen. Der Angriff scheiterte, der Vater erlitt zwar eine Schädelprellung und Schmerzen, konnte aber aufspringen und versuchen, seinen Sohn zu packen. Angelika S. reagierte, nahm das Kind laut Anklage in Schutz und stellte den Schlag als Versehen dar. Ihr Mann, der Polizist Horst S., gab sich damit zufrieden. Erst Jahre später kam der Fall doch zur Anzeige. Ein Vorgesetzter des Opfers hatte Wind von der Sache bekommen.

Wollte Angelika S. an die Lebensversicherung ihres Mannes?

Zum Prozessauftakt am Dienstag bestritt die dreifache Mutter die Vorwürfe und ließ erklären: "Ich habe niemals geplant, dass mein Sohn meinen Mann umbringt. Die damalige Aussage meines Sohnes ist ein Produkt seiner Fantasie."

Auch der 23-Jährige widerruft vor Gericht seine Aussage, ebenso der Ehemann. Ansonsten verweigert die ganze Familie – das Ehepaar hat noch zwei weitere erwachsene Kinder – am Dienstag die Aussage und nimmt einer nach dem anderen auf den Zuhörerbänken Platz. Ein mögliches Motiv hat die Staatsanwaltschaft aber gefunden. Die Ehe kriselte 2008. Angelika S. unterhielt eine außereheliche Beziehung. Angelika S. fehlten aber die Mittel, um sich zu trennen. Die Ermittler glauben, dass sie es auf die Lebensversicherung ihres Mannes über mindestens 60.000 Euro abgesehen hatte.

Die Familienverhältnisse waren schwierig

Deswegen habe sie den damals strafunmündigen Sohn überredet, zu versuchen, den Vater mit der Hantel zu töten. Angelika S. wollte nach der Verlesung ihrer Erklärung aber dazu nicht weiter Stellung nehmen. Auch zu den persönlichen Verhältnissen macht sie am Dienstag keine Angaben. Das würde sie zu sehr mitnehmen, außerdem habe sie ja schon alles dem Gutachter berichtet.

Der berichtet am Dienstag, dass die Frau zwei Affären hatte – eine davon über mehrere Jahre. Die Buben seien zudem extrem rebellisch gewesen, hätten den Vater abgelehnt, der sich wiederum zum Kontrollfreak entwickelt hätte. Letztendlich hätten sie sich aber immer wieder versöhnt. Angelika S. erklärte, dass das Paar inzwischen wieder glücklich zusammenlebe.

Das Urteil in dem Prozess soll am 24. Mai fallen.

 

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