So lief die Razzia ab Winzerer Fähndl: Nach dem Zapfenstreich kam die Polizei

Wie auf unserem Archivbild kontrolliert der Zoll immer wieder auf der Wiesn, etwa, ob schwarz gearbeitet wird. Foto: Daniel von Loeper

Mehrere Dutzend Beamte vom Zoll, der Steuerfahndung und der Polizei stellen das Zelt wegen der Putzfirma auf den Kopf.

 

München - Nach dem Zapfenstreich kamen die Fahnder zum Zug: Am Montagabend haben mehrere Dutzend Beamte das größte Festzelt auf der Wiesn komplett abgeriegelt, durchsucht und Unterlagen mitgenommen. Wir berichteten in unserem News-Blog von der Wiesn darüber. Das Ziel der Ermittlungen war aber nicht Wiesn-Wirt Peter Pongratz (71). „Er ist kein Beschuldigter. Es geht um einen Geschäftspartner von ihm“, bestätigte Oberstaatsanwältin Anne Leiding der AZ.
Es geht um den Verdacht der Schwarzarbeit und Verstößen gegen die Abgabenordnung – also Steuerhinterziehung. Die Behörden ermitteln gegen einen Mitarbeiter der „GS Gastro Service GmbH“, den Putzdienst, der seit Jahren im Zelt für die Reinigung zuständig ist. Der Verdacht: Das Unternehmen soll Sozialabgaben nicht korrekt versteuert haben.

Etwa 50 bis 60 bewaffnete Zollbeamte sowie Steuerfahnder und Polizisten der ersten Einsatzhundertschaft tauchten um 23.30 Uhr vor und in dem Zelt auf und froren die Lage ein, wie es im Fachjargon heißt. Die Beamten hatten einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss dabei. Die Polizisten leisteten lediglich Amtshilfe.


Ab diesem Zeitpunkt durfte erst einmal niemand mehr hinein und niemand mehr hinaus – um Fluchtversuche zu verhindern. Gäste waren um die Zeit aber bereits keine mehr im Winzerer Fähndl. Die Mitarbeiter der Security-Firma wurden im ersten Stock auf einem Balkon kontrolliert und befragt, unten die Mitarbeiter, die das Zelt mit 8450 Plätzen sauber halten.
Die Beamten befragten die Putzkräfte unter anderem, was sie verdienen und wie sie bezahlt werden. Auch Verträge wurden eingesehen. Ein Beschuldigter wurde festgenommen.

Die Razzia am Montagabend war ein Einsatz mit einem konkreten Tatverdacht. Die Fahnder der Finanzkontrolle Schwarzarbeit führen auf dem Oktoberfest aber auch verdachtsunabhängige Kontrollen durch.
„Wir versuchen jedes Jahr, möglichst viele unterschiedliche Gewerbe zu überprüfen“, sagt Marie Müller vom Hauptzollamt München. Dabei geht es um Delikte wie Schwarzarbeit, Scheinselbstständigkeit, nicht gezahlten Mindestlohn oder nicht gezahlte Sozialleistungen.
Überprüft werden das Personal der Wiesn-Wirte in den Zelten, bei anderen Gelegenheiten die Beschäftigten von Security-Diensten, Reinigungsfirmen oder Fahrgeschäften.

 

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