Situation in der Innenstadt Münchner Einzelhandel kämpft wegen Corona

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Ganz langsam nimmt das Geschäft für die Händler der Innenstadt wieder Fahrt auf. Foto: imago images/Martin Hangen

Hohe Mieten für Läden könnten nach der Corona-Krise sinken. Bei den Büros sieht es laut Experten anders aus.

 

München - Erst kam die Furcht vor Corona, dann die Ausgangssperre und die Anordnung, viele Geschäfte zu schließen. Den Puls der Münchner Innenstadt hat das nachhaltig verlangsamt. Das zeigen die jüngsten Zahlen des Immobilienverbands Deutschland Süd (IVD), die deren Chef Stephan Kippes am Mittwoch vorgestellt hat.

Eine Statistik aus der Kaufingerstraße: Am Samstag, 7. März, wurden hier den ganzen Tag etwa 107.000 Passanten gezählt. Am 21. März, als die Ausgangssperre begann, brach die Frequenz ein: nur noch 1335 Passanten. Erst seit April steigt diese Zahl langsam wieder an – und schwankt stark.

Corona: Gute Online-Präsenzen federn Krise ab

Das wiederum habe natürlich "massive Umsatzeinbußen" bewirkt. Die genauen Zahlen fehlen derzeit. Doch: "Infolgedessen setzten viele Filialisten ihre Mietzahlungen aus oder versuchten das zumindest, teilweise auch solche, die nicht pandemiebedingt schließen mussten", so Kippes.

Die Geschäftsleute, die sich über die Jahre hinweg eine gute Online-Präsenz aufgebaut haben, konnten die Krise laut IVD bisher am besten abfedern, da viele Kunden nach dem Lockdown deutlich häufiger im Netz bestellten.

Dabei war die Lage vor Corona noch sehr vielversprechend. Investoren fanden Münchner Ladenflächen in Bestlage und auch im Umfeld bis hin zur Peripherie durchaus interessant. "Irgendwo muss man sein Geld ja parken", kommentiert das Stephan Kippes mit einem Schuss Ironie.

Grassierende Kurzarbeit sorgt für gedämpftere Mieten

Bis zu 2,2 Prozent Rendite warf so ein Münchner Investment bisher im Schnitt ab (bei Lager- und Einkaufshäusern). Das spiegelte sich auch in den Ladenmieten wider, die zwar ein wenig stagnierten. Aber: "Sie blieben auf einem sehr hohen, stabilen Niveau, bis einschließlich Februar", so Kippes. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr moderat, zwischen 1,8 und 2,4 Prozent, je nach Ladengröße.

Mietpreisrückgänge waren die absolute Ausnahme, die man "mit der Lupe suchen musste". So zahlt man in bester Innenstadtlage horrende Mietpreise für Ladenflächen: bis zu 410 Euro je Quadratmeter (bei einer Ladengröße bis zu 80 Quadratmeter, Schaufensterfront fünf Meter).

Was dazu gesagt werden muss: Dieser absolute Top-Preis hat sich bereits seit 2010 im Stadtkern etabliert. Doch durch Corona ist eben alles anders. Seit explosionsartig Kurzarbeit herrsche, gestalten sich die Mieten seit März und April deutlich gedämpfter.

"Es stellt sich die Frage, ob die bislang angesetzten hohen Mieten sicher und nachhaltig sind", so Kippes. Doch es gab auch Ausnahmen. Eigentümer von Büroflächen kamen bisher glimpflich durch die Krise. "Kaum Mietrückgänge", so Kippes.

Lesen Sie hier: So funktioniert die Mietpreisbremse

 

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