Sie bleibt auf den Kosten sitzen In Münchner Hostel: Touristin fängt sich Bettwanzen ein!

Die Frau hat sich die Bettwanzen in einem Münchner Hostel eingefangen. (Symbolbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Arno Burgi/dpa, AZ-Montage

Eine Touristin fängt sich in einem Hostel in München Bettwanzen ein. Auf dem Schaden bleibt sie sitzen – die Stadt kann nichts tun.

 

München - Sie sind rötlich-braun, wenige Millimeter groß und saugen Blut; sie widerstehen Putzmitteln und können monatelang hungern: Bettwanzen. Krankheiten übertragen die Tiere zwar sehr selten. Die Folgen eines Befalls können dennoch erheblich sein. Das zeigt ein Fall in einem Münchner Hostel.

Laura Morgen heißt eigentlich anders. Als sie Anfang August für einen Schauspielkurs nach München fährt, weiß sie noch nicht, dass sich im Mehrbettzimmer ihres Hostels Bettwanzen eingenistet haben. Weiß nicht, dass das Problem sie in ihre Wohnung in Mittelfranken verfolgen wird. Und dass Beschwerden beim Betreiber und der Stadt München sie ratlos zurücklassen werden.

"Spuren von Wanzendreck" auf den Laken

Die 31-Jährige meldet den Befall zunächst dem Hostel. Ihr Gepäck wird daraufhin eingefroren, sie erhält ein neues Zimmer. Dort findet sie ebenfalls "Spuren von Wanzendreck" auf den Laken – was das Personal nicht weiter verwundert habe, wie sie sagt. Sie erfährt: Die anderen im Mehrbettzimmer wurden gar nicht über den Vorfall informiert. Begründung: Es hätte sich niemand beschwert.

Wenige Tage nach Morgens Rückkehr sei ihr Freund mit einem "eindeutigen Stichmuster" am Oberkörper aufgewacht. Morgen wendet sich an eine Kammerjägerin. Die findet zwei ausgewachsene Wanzen und drei Larven in der gemeinsamen Wohnung.

Häutungsreste, die für einen länger andauernden Befall sprechen würden, findet sie keine. Alles deutet auf einen Zusammenhang zwischen der München-Reise und den Wanzen in der Wohnung hin.

Der Freund als Wanzen-Köder in der Wohnung

Bei drei notwendigen Behandlungen erwarten Morgen nun Kosten in Höhe von 1.500 Euro. "Daran kann man arm werden", klagt sie. Zudem habe sie Neurodermitis und Asthma, vertrage die Pestizide nicht gut.

"Schädlingsbekämpfungsmittel, die zur Bettwanzenbekämpfung eingesetzt werden, enthalten in der Regel insektizide Wirkstoffe, die auch eine schädigende Wirkung auf die Umwelt und auf Nicht-Ziel-Organismen haben können", heißt es dazu in einer Broschüre des Umweltbundesamtes.

Doch es gibt auch soziale Wirkungen. "Man traut sich gar nicht mehr, jemanden einzuladen, vor allem niemanden, den man mag, oder zu anderen Menschen in die Wohnung zu gehen", sagt Morgen. Sie und ihr Sohn leben nun bei Morgens Eltern. Ihr Freund bleibe in der Wohnung. Als Köder.

Die 31-Jährige kontaktiert den Hostelbetreiber. Ihr Zimmer sei untersucht, jedoch kein Befall festgestellt worden, teilt man ihr mit; der Bericht der beauftragten Firma liegt der AZ vor.

Touristin bleibt auf Kosten sitzen

Morgen ruft bei dem Wiener Unternehmen an, erfolglos. Sie ist sauer. "Ich weiß doch, was ich gesehen habe. Jetzt versucht die Hotelkette, mich für dumm zu verkaufen. Auf meinen Kosten bleibe ich natürlich erst mal sitzen. Dass das meine Familie in den Ruin treibt, ist denen doch egal."

Das Problem: Bettwanzen sind nicht wie andere Schädlinge meldepflichtig. Hostels müssen einen Befall nicht öffentlich machen, es gibt keine Statistik. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums erklärt: "Da Bettwanzen selbst zwar unangenehm sind und ihre Stiche auch zu Folgeerkrankungen führen können, sie aber dennoch keine Krankheitserreger übertragen, fallen sie nicht unter die Definition des Gesundheitsschädlings nach dem Infektionsschutzgesetz."

Der Stadt, an die Morgen sich wendet, sind die Hände gebunden. Man dürfe keine unabhängige Untersuchung veranlassen, teilt das Referat für Arbeit und Wirtschaft ihr mit, sichert aber zu, den Betreiber um eine Stellungnahme zu bitten. Der AZ liegt der Mailverlauf vor.

"Natürlich haben wir Bettwanzen"

Häuften sich Beschwerden über bestimmte Hostels, würden diese von der Stadt nicht mehr an Gäste vermittelt, teilt das Amt der AZ mit. Namen nennt man keine, bestätigt aber: "Beschwerden über Bettwanzen kommen immer vor, allerdings kann München- Tourismus keinen Trend zu gehäuftem Auftreten erkennen."

Eine Anfrage bei der Berliner Hostelkette, in deren Münchner Filiale Morgen übernachtet hat, landet beim Chef. "Natürlich haben wir Bettwanzen – wie alle Hostels und Hotels", schreibt er, betont zugleich: "Bettwanzen haben nichts mit der Reinigung zu tun."

Das bestätigt der Taufkirchener Schädlingsbekämpfer Nikolai Biebl. In Hostels gebe es viele Versteckmöglichkeiten für Wanzen. Eine Behandlung könne länger dauern – und biete, bei aller Sorgfalt, keine Garantie. Der hohe Durchsatz an Gästen mache Hostels wanzenfreundlich. Vielreisende begünstigten zudem eine "Verschwimmung der Herkunftsbereiche", was die Wanzen widerstandsfähiger mache.

Hostelchef will nichts von Wanzen-Plage wissen

Das ändert nichts an dem sichtbaren Wanzenproblem in Morgens Hostel. Kotspuren sowie ein "nach Bittermandel riechender Duftstoff", der als "unangenehm" empfunden werden könne, seien Indizien für einen Befall, heißt es in der Broschüre des Umweltbundesamtes. Das deckt sich mit Morgens Schilderungen.

Von einer Plage in seiner Kette will der Hostelchef dennoch nichts wissen: "Wir haben in diesem Jahr deutlich weniger Fälle", schreibt er. Es sei gelungen, "neun von zehn Fälle vor dem Gast zu finden und zu behandeln. Daran arbeiten wir stets weiter".

Laura Morgen wird das wenig nutzen. Sie wird die Kosten für den Befall ihrer Wohnung vermutlich selbst tragen müssen. Denn dass die Wanzen tatsächlich aus dem Hostel stammen, das könne sie letztlich nicht beweisen, sagt sie. Kotspuren im Hostelzimmer hin oder her. Die Stadt, sagt sie darum, müsse Aufklärungsarbeit leisten. "Vor allem jetzt vor dem Oktoberfest, damit die Besucher wissen, mit welchen Langzeitfolgen sie rechnen müssen."

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