Sepp Maier gratuliert in der AZ Oliver Kahn wird 50: "Er ist viel ruhiger geworden"

Lange ein Gespann beim Nationalteam (Bild) und beim FC Bayern: Sepp Maier und Oliver Kahn. Foto: dpa

Oliver Kahn wird 50: In der AZ gratuliert Sepp Maier seinem früheren Schützling und erklärt, warum er der perfekte Vorstandsboss wäre. "Wenn Olli eine Arbeit anfängt, dann macht er sie perfekt."

 

AZ: Herr Maier, an diesem Samstag feiert Oliver Kahn seinen 50. Geburtstag. Werden Sie ihm gratulieren?
Sepp Maier:
Ja klar, seit der Olli zum FC Bayern gekommen ist, bekommt er von mir jedes Jahr Glückwünsche. Der 50. ist ja auch was ganz Besonderes, die erste Hälfte seines Lebens ist nun wahrscheinlich endgültig vorbei, und ich muss sagen: sie war sehr erfolgreich. Und die zweite Hälfte kann noch erfolgreicher werden, sollte er jetzt beim FC Bayern einsteigen. Eines wünsche ich ihm vor allem: dass er gesund bleibt!

Haben Sie noch regelmäßig Kontakt zu Olli Kahn?
Wir sehen uns öfters beim Golfen oder bei Veranstaltungen des FC Bayern. Ich muss sagen, dass er ruhiger geworden ist, umgänglicher im Vergleich zu früher. Er hat jetzt nicht mehr den Druck wie als Spieler. Wobei wir uns auch früher gut verstanden haben, in den guten wie in den schlechten Zeiten. Wenn er jetzt Vorstandsvorsitzender beim FC Bayern wird, dann werde ich wieder Torwarttrainer. (lacht)

Sepp Maiers erster Eindruck von Kahn war "nicht so berauschend"

Sie kennen Kahn, seit er 1994 als Torwart zum FC Bayern gewechselt ist. Wie war damals als Torwarttrainer Ihr erster Eindruck von ihm?
Nicht so berauschend, wenn ich ehrlich bin. Er hatte unbestritten Talent, aber uns war beiden klar, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Darum hat er auch so eifrig trainiert, damit er erreichen konnte, was er sich vorgenommen hatte. Und das hat er auch erreicht.

War er wirklich so von Ehrgeiz zerfressen, wie man von außen ja doch immer den Eindruck hatte?
Zerfressen war er nicht, aber er hat das halt ein bisschen ernst genommen. Heute ist er lockerer, aber früher hat er nur den Fußball gesehen. Den Fußball und seine Ziele, die er erreichen möchte. Er hat sich da ein bisschen reingebohrt in seinen Ehrgeiz. Ich selber war auch ehrgeizig in meiner aktiven Zeit, aber ich hab’ das alles mit Humor genommen. Das hat der Olli nicht, das ist der große Unterschied zwischen uns beiden. Aber in all den Jahren haben wir doch auch Vieles mit Spaß und Freude erreicht.

Einer der Höhepunkte von Kahns Karriere war der Champions-League-Sieg 2001. Wie erinnern Sie sich daran?
Im Finale gegen Valencia hat er die entscheidenden Elfmeter gehalten, dafür war er auch drin im Tor. Jeder Spieler in der Mannschaft musste seinen Teil zum Sieg leisten, und er hat den größten Teil beigetragen. Anschließend sind wir in eine Diskothek, die der FC Bayern extra angemietet hatte. Das war vielleicht ein Rumgeziehe, bis in den Morgen. Zum Schlafen sind wir nicht gekommen.

Sie haben mit Kahn aber nicht nur Erfolge gefeiert, sondern auch einige Niederschläge wegstecken müssen. Bei der WM 2002 spielte Kahn ein überragendes Turnier, patzte aber ausgerechnet im Finale gegen Brasilien. Wie haben Sie ihn danach wieder aufgebaut?
Das hat schon eine Zeit gedauert. Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen, weil ich ja wusste, wie es sich anfühlt, wenn man als Torwart einen Fehler macht. Ich hatte aber das Glück, dass es mir nie in einem wichtigen Spiel passiert ist. Er hat ja damals mit einem Bänderriss im Finger weitergespielt, insofern war der Fehler die Folge daraus.

2006 hätte er seinen Fehler bei der Heim-WM in Deutschland wieder gutmachen können, wurde aber von Teamchef Jürgen Klinsmann vor dem Turnier zum Ersatzspieler degradiert. Sind Sie immer noch sauer über diese Entscheidung?
Warum sollte ich sauer sein, ich bin ja nicht nachtragend. Wir haben es nicht richtig gefunden, was der Klinsmann gemacht hat, es war auch nicht schön von ihm – aber Schwamm drüber, das ist Vergangenheit. Aus, fertig.

Kahn hat die damalige Entscheidung gegen ihn sicher sehr hart getroffen.
Wissen Sie, das war ja keine Entscheidung von heute auf morgen, sondern über Wochen und Monate. Man hat es zwar nie geglaubt, aber man hat es kommen sehen, insofern konnte sich der Olli schon länger drauf einstellen. Sicherlich war es für ihn eine große Enttäuschung, aber was sollte er machen?

Hat es Sie überrascht, dass er damals trotzdem als Ersatzmann zur WM mitgefahren ist und nicht einfach hingeschmissen hat?
Das wäre für ihn schwierig gewesen. Die Nationalspieler hatten damals bereits so viele Werbeverträge, er hätte gar nicht hinwerfen können. Man muss auch sehen, dass da ein Haufen Geld dranhing. Welcher Spieler schenkt schon so viel Geld her?

Auf Oliver Kahn sei immer Verlass

Wenn Sie noch einmal resümieren: Was zeichnet den Menschen Oliver Kahn aus?
Der Olli ist ein Mensch, der alles nicht zu 100 Prozent, sondern zu 150 Prozent macht. Auf ihn ist unwahrscheinlich Verlass. Wenn er eine Arbeit anfängt, dann macht er sie perfekt.

Wäre er für Sie also die ideale Besetzung als Vorstandsboss beim FC Bayern?
Wenn der FC Bayern auf seinem Level bleiben will oder noch weiterkommen will, dann müssen solche Leute wie Oliver Kahn in die Vorstandschaft. Wenn er möchte. Und danach schaut es ja aktuell aus.

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