Seltene Einblicke ins Kulturzentrum Geheimnisse im Gasteig: So schaut's wirklich aus

In den insgesamt 1.500 Zimmern des Gasteigs kann man so manches Geheimnis entdecken - klicken Sie sich durch die Bilderstrecke. Foto: Petra Schramek/Sigi Müller/AZ-Archiv/AZ

Im Gasteig gibt es insgesamt 1.500 Räume – auf den 23.000 Quadratmetern haben sich auch etliche Geheimnisse versteckt. Die AZ hat sich einmal genauer in Münchens Kulturzentrum umgeschaut.

 

München - Über die Architektur von Münchens großem Kulturzentrum in der Rosenheimer Straße wird gestritten, seit es erbaut wurde: „Kulturbunker“, „Kulturjustizanstalt“ nennen manche den massigen Gasteig mit seinen roten Ziegeln. Die Architekten, nach deren Plänen das Kulturzentrum ab 1978 gebaut wurde, wollten damit einen historischen Bezug zu den Haidhauser Lehmbögen und -Höfen herstellen, die für das Stadtviertel prägend waren.

Was viele Münchner nicht vermuten: Im gesamten Gebäudekomplex befinden sich über 1.500 Räume. Zum Vergleich: Im Weißen Haus gibt es 132 Räume, im Münchner Rathaus über 400, der Buckingham Palace bringt es auf 775. Schließlich müssen in dem 23.000 Quadratmeter großen Kulturzentrum die Philharmoniker, die Volkshochschule, die Stadtbibliothek und die Hochschule für Musik und Theater Platz haben –und jährlich 750.000 Veranstaltungsbesucher.

In vier Jahren steht dem Gasteig eine Grundsanierung bevor – Zeit genug, in dem 1.500-Zimmer-Palast Orte zu entdecken, die man als normaler Konzertbesucher nicht zu Gesicht bekommt. In der Bilderstrecke erhalten Sie einen Blick hinter die Kulissen des Kulturzentrums.

Der Bühnen-Koordinator

Im Backstagebereich der Philharmonie befinden sich der Bühneneingang, der Chorprobensaal und die Künstlerzimmer, die eigentlich immer belegt sind. In einem kleinen Kämmerchen rechts von der Bühne sitzt der Inspizient. Er ist derjenige, der bei einer Aufführung alles koordiniert, den Tontechnikern und Beleuchtern ihre Signale gibt und die Konzerte an seinem Inspizientenpult verfolgt. An seinem Pult hat er via Videokamera Übersicht über alle Foyereingänge und die Philharmonie, die er zwar auch durch ein kleines Fenster beobachten kann, aber die Kamera zeigt deutlich mehr.

Der Bienen-Garten

Der Gasteig summt – zumindest in den warmen Monaten. Seit 2011 wohnen auf dem Dach Bienen, die zurzeit im Winterschlaf sind. Der Honig der Stadtbienen hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Landhonig: Weil große Felder fehlen, fliegen sie mehrere Blüten an, der Honig wird vielseitiger. Viele Gasteig-Besucher würden sicher gerne tauschen: Die Bienen genießen einen wunderschönen Blick über München.

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Die Technik-Zentrale

Zwei Stockwerke unter der Erde befindet sich die Technik-Zentrale des Gasteig: Hier findet man unter anderem riesige, computergesteuerte Lüftungsanlagen. Sie sind aufgeteilt auf die drei Gasteigbereiche: BI (Bibliothek), RV (ehemals Richard-Strauss-Konservatorium, heute Bereich der Musikhochschule und Volkshochschule) und PC (Philharmonie und Carl-Orff-Saal). Auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden reguliert.

Besonderheit: Die Luft wird von außen angesaugt, gefiltert und „gewaschen“, also durch einen Wassernebel in einem Luftwäscher geleitet, und erst dann in die Säle eingeblasen. Die Temperatur kann je nach Wunsch angepasst werden – Dirigent Christian Thielemann etwa wünschte es sich immer eher kühl, damit er nicht ins Schwitzen kommt.

Das Ton-Studio

Hinter einer abgedunkelten Glasscheibe an der linken Wand der Philharmonie (aus Zuschauersicht) befindet sich das Tonstudio. Der Leiter für Ton- und Medientechnik, Peter Brümmer (55), zeichnet hier seit 17 Jahren Konzerte auf, schneidet die Patzer raus und erstellt einen Mitschnitt, der zum Beispiel für eine CD-Veröffentlichung genutzt werden kann. „Die Einrichtung des jetzigen Tonstudios ist brandneu, verfügt über ein 9.1 Soundsystem und 3D-Sound“, erzählt Brümmer.

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Er kann damit in allen Sälen des Gasteig aufnehmen. Das Tonstudio-Equipment kann beim Umzug komplett mitgenommen und neu installiert werden. Für die Sanierung wünscht sich Brümmer einen gesonderten Aufnahmeraum für Bands und Orchester, der bisher fehlt.

Der Bücher-Bauch

Im Freihandbestand der Münchner Stadtbibliothek gibt es etwa 350 000 Medien, aus denen täglich 3000 Besucher auswählen können – das ist der Teil, den man sieht.

Im Magazin, also dem Archivbestand, der in vier Stockwerken unter der Erde gelagert wird, finden sich derzeit etwa 1,1 Millionen Medien. Das meiste davon sind Bücher, aber auch Noten sind hier gelagert.

Wenn ein Medium von unten nach oben – oder umgekehrt – transportiert werden soll, wird es in die roten Wägen des Schienensystems gepackt. Die Weichen sind so eingestellt, dass man an den Wägen nur die entsprechende Taste drücken muss, damit das Buch an die richtige Stelle transportiert wird – in den Lesesaal, die Ausgabe etc. Was man ebenfalls selten zu Gesicht kriegt: Wie sieht es eigentlich auf der anderen Seite der Bücherrückgabe aus? Normalerweise sieht man davon nur den Spalt, in den man die ausgeliehenen Bücher, DVDs oder CDs legt.

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Auf der anderen Seite kommen die Medien auf Laufbänder, die sie automatisch in die richtige Kiste transportieren. Geht man in die Garage, findet man dort die geparkten Bücherbusse – von den Bibliotheksmitarbeitern wird diese Aneinanderreihung liebevoll „Schlafplatz der Bücherbusse“ genannt. Der Bestand dieser fahrenden Bibliotheken entspricht einer kleinen Stadtteilbibliothek. Die Busse bringen bereits seit 1951 Bücher und andere Medien, besonders für Schulen und Kindertagesstätten, in Wohnviertel, die keine eigene Stadtteilbibliothek besitzen.

Das Letzte

Wer in das Foyer der Philharmonie geht, findet ihn in der Backsteinwand: den bronzefarbenen Schlussstein des Gasteig. Zumindest, wenn er nicht gerade von einem Plakat für die nächste Veranstaltung verdeckt wird. Natürlich ist es nicht wirklich der letzte im Gasteig verbaute Stein – er sollte aber prominent und auf Augenhöhe platziert werden.

 

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