Seit Alkoholverbot Ein Zufluchtsort für die Trinker vom Hauptbahnhof

Das "D3" ist nach der Adresse Dachauer Straße 3 benannt. Foto: Bernd Wackerbauer

Das ganztägige Alkoholverbot hat viele Obdachlose vertrieben. Seit zehn Wochen sammeln sie sich im Begegnungszentrum D3, ein paar Meter weiter. Dort wird ihnen auf verschiedene Arten geholfen.

 

Einige Männer spielen Schach an einem der langgezogenen Holztische. Andere wärmen sich die Hände an Teetassen, unterhalten sich auf Ungarisch, Bulgarisch, Rumänisch. Zwei haben sich, die Augen geschlossen, zum Ausruhen hingelegt in die Nischen, die in die milchverglasten Schaufenster eingebaut sind.

Die Gesichter sind unrasiert, Hosen, Pullis, Jacken fleckig. Dass es sich um Wohnungslose handelt, sieht man nicht auf Anhieb, aber man kann drauf kommen.

Zufluchtsort nach Alkoholverbot am Hauptbahnhof

Das Begegnungszentrum D3, benannt nach der Adresse an der Dachauer Straße 3, versammelt nur ein paar Meter vom Hauptbahnhof entfernt im Gebäude der Caritas all die Menschen, die das 24-Stunden-Alkoholverbot, das der Stadtrat letzten Sommer beschlossen hat, vor dem Bahnhof vertrieben hat.

An die zehn Wochen ist das D3 nun offen, und es sieht so aus, als würde es die Mehrzahl der betroffenen Suchtkranken erreichen. Deutlich über 100 Menschen (18 Prozent Frauen, 70 Prozent Migranten) kommen täglich her, berichtet Einrichtungsleiter Winfried Gehensel.

Bier und Wein sind erlaubt

Sie können hier duschen, ihre Wäsche waschen, bekommen heißes Wasser für Kaffee, Tee oder Suppen und dürfen selbst mitgebrachtes Bier und Wein konsumieren (Schnaps und Drogen sind verboten). Und sie erfahren, bei welchen Beratungsstellen sie Unterstützung bei der Wohnungs- und Jobsuche oder anderen Problemen bekommen können.

Sieben Mitarbeiter betreuen die Menschen (drei Sozialarbeiter werden noch gesucht). Es ist Personal, das der Katholische Männerfürsorgeverein, der Sozialdienst katholischer Frauen, In Via, und die Bahnhofsmission gemeinsam stellen. 1,4 Millionen Euro lässt sich die Stadt München dieses Modellprojekt im Jahr kosten, sagt Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD). Dazu kommen rund 60.000 Euro jährlich, die die Caritas als Träger investiert.

Helfer und Spenden sind willkommen

Wer hier ankommt, bringt neben einem Alkoholproblem oft auch soziale und psychische Folgeerscheinungen mit. "In jeden Fall immer eine komplexe Lebensgeschichte", sagt Caritasdirektor Georg Falterbaum, "sowas kann jeden treffen, auch Akademiker, die auch zu unseren Gästen zählen."


Das D3 kann noch Helfer (wie Dolmetscher) brauchen, auch Spenden (wie Brettspiele, Brotzeiten, Kleidung oder Tütensuppen) werden gern angenommen. Kontakt: winfried.gehensel@caritasmuenchen.de; Tel.: 551 69-0

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