Sein privatestes Interview Hubert Aiwanger: "Ich bin eher nicht so übertrieben romantisch"

Hubert Aiwanger mit seiner Lebensgefährtin Tanja Schweiger. Foto: imago/HMB-Media

Als stellvertretender Ministerpräsident von Bayern und Wirtschaftsminister ist Hubert Aiwanger (49, Freie Wähler) gerade in der Corona-Krise viel beschäftigt. Doch abseits der Politik, den vielen Meetings und Pressekonferenzen ist Aiwanger auch ein liebevoller Familienvater. Wie tickt der 49-Jährige privat?

 

Hubert Aiwanger lebt mit seiner Lebensgefährtin Tanja Schweiger (42, Landrätin Landkreis Regensburg) und den fbeiden gemeinsamen Kindern Laurenz (7) und Adrian (3) in der Nähe von Regensburg. Viel mehr ist bislang kaum aus seinem Privatleben bekannt. Der Bundesvorsitzende der Freien Wähler gibt exklusiv in der AZ Einblicke in seine Welt fernab der Arbeit als Krisenmanager der bayerischen Wirtschaft in Corona-Zeiten. 

AZ: Wie viele Stunden am Tag sind Sie Familienvater?
AIWANGER: Wenn ich es runterbreche, sind es wohl durchschnittlich ein bis zwei Stunden täglich, mehr bleibt häufig nicht. Als Politiker sind es eben zehn bis 15 Stunden täglich. Es kommt aber auch mal vor, dass ich einen halben Tag bei den Kindern sein kann. Am Wochenende sind es sogar mal ganze Tage.

Haben Sie heute schon was von den Kindern gehört?
Ja, klar. Ich war in der Früh noch zu Hause und habe den Kleinen in den Kindergarten gebracht. Auch dem Großen habe ich, bevor er zur Schule ging, das Frühstück gemacht und mich mit ihm beschäftigt. Ich versuche, wenigstens jeden zweiten Tag morgens da zu sein.

Da zu sein ist das eine, kümmern Sie sich auch um die Erziehung?
Das geht automatisch mit. Alles, was man den Kindern vorlebt und wie man mit ihnen umgeht, ist ja schon Erziehung.

Hubert Aiwanger ist nicht streng zu seinen Söhnen

Machen Sie mit Ihrem Sohn Hausaufgaben?
In der Regel hat er diese abends schon erledigt, er macht das überwiegend schon selbst. Hin und wieder schau ich ihm dabei aber schon über die Schulter. Da ich Corona-bedingt nicht so viele Abendtermine hatte, habe ich öfter drübergeschaut als sonst. Da ging's zuletzt um Addition, aber auch um Naturthemen wie den Löwenzahn.

Sind Sie ein strenger Vater?
Nein, eher nicht. Ich versuche, mit den Kindern gute Stimmung zu haben in der knappen Zeit. Ich habe lieber Freude als ständig zu schimpfen. Ob ich der perfekte Erzieher bin, das weiß man erst später oder nie. Ich will meinen beiden Söhnen die Lebensfreude und Freiheit lassen, ihnen einfach den Weg zeigen.

Helfen Sie Ihrer Partnerin im Haushalt?
Das gehört dazu – vom gelegentlichen Geschirrspüler-Ausräumen mit den Kindern bis hin zu einem kleinen Gericht, das ich selbst koche. Aber natürlich könnte es immer noch ein bisschen mehr sein.

Sie machen's aber nicht gern?
Ich bin jetzt nicht der perfekte Hausmann und würde mich auch nicht darauf reduzieren lassen, aber ich mache es eben unaufgeregt mit. Wenn ich abends heimkomme, kommt es schon vor, dass ich noch ein Gericht zubereite, gerne Wild.

Sie brutzeln also richtig am Herd?
Ja, das ist nicht so schwierig. Ich mache nicht mehrere Beilagen dazu, sondern beispielsweise Fleisch, ein Rührei oder Ähnliches.

Tanja Schweiger und Hubert Aiwanger: Beziehung, aber keine Ehe

Bislang ist's ein Geheimnis: Seit wann sind Sie eigentlich mit Ihrer Lebensgefährtin zusammen?
Wir haben uns schon vor der Landtagswahl 2008 kennengelernt.

Warum haben Sie es bis 2012 geheim gehalten?
Das hat sich einfach so ergeben – politisch und privat. Ich wollte es anfangs auch nicht groß an die Glocke hängen, weil wir auch in derselben Fraktion waren. Wenn man eine Beziehung hat, dann ist das nicht ganz so einfach in der Politik, wenn man selbst der Fraktionsvorsitzende ist.

Gab es DEN einen magischen Moment, in dem es gefunkt hatte?
Im Detail sagt man so was nicht öffentlich. (lacht)

Das sagt Aiwanger über Hochzeit und Heiratsantrag

Sie sind unverheiratet. Gehört in Ihrem konservativen Kreis nicht auch das Ehe-Bündnis dazu?
Ich nehme die Dinge pragmatisch. Mit dem Heiraten kann das jeder halten, wie er will. Ich will mir auch keine gesellschaftlichen Erwartungshaltungen aufzwingen lassen. Ich habe zwar viele Prinzipien, aber etwas nur zu tun, weil es erwartet wird, das löst bei mir oft eher den gegenteiligen Reflex aus.

Haben Sie Angst vor der Ehe?
Nein, ich habe nie Angst vor etwas Ernstem gehabt. Ich bin eher derjenige, der ernst macht, wenn es auch nötig ist. Und wenn es nicht nötig ist, dann braucht's das auch nicht unbedingt.

Wann wird's denn ernst? Wann stehen Sie vor dem Traualtar?
Dazu gibt es keine konkreten Pläne.

Die Corona-Zeit wäre doch ideal. Im kleinen Rahmen…
Man könnte sich herausreden und sagen, dass wir nicht größer einladen durften. Dann wird's auch billiger. (lacht) Nein, jetzt mal ganz ehrlich: Das passt so, wie es ist. Meine Lebenspartnerin sieht das genauso und ist durch ihren Beruf als Landrätin auch sehr viel unterwegs.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie Ihr Heiratsantrag aussehen würde?
Mei, da gibt's tausend Möglichkeiten, daran sollte es nicht scheitern.

Vielleicht inmitten vieler roter Rosen?
Nein, das wäre mir zu albern. Ich bin eher nicht so übertrieben romantisch.

Was haben Sie Ihrer Lebensgefährtin zuletzt geschenkt?
Das war ein Ring zum Geburtstag.

Kommt ein drittes Kind?
Wenn es nach mir gehen würde und wir beide mehr Zeit für die Familie hätten, dann sehr gern. Es ist aber einfach zu schwierig, alles unterzubringen. Minister, Landrätin und mehrere Kinder sind zeitlich schwierig.

Schwiegereltern kümmern sich auch um die Kinder von Aiwanger

Wie managen Sie das Private? Wer springt da ein?
Ohne meine Schwiegereltern würde es tagsüber mit den beiden Kindern nicht laufen. Ich war schon immer dafür, die Eltern bei der Kinderbetreuung auch durch öffentliche Kinderbetreuung zu entlasten, weil ich eben weiß, dass es bei vielen Familien dringend notwendig ist.

Fahren Sie dieses Jahr in Urlaub?
Viel Zeit haben wir nicht, aber ein paar Tage in einem Familienhotel in Bayern werden drin sein. Sonst eben ein Wochenende bei meinen Eltern auf dem Bauernhof, Essen gehen, im Tiergarten oder mal mit den Kindern auf dem Hochsitz. Es muss nicht immer die halbe Weltreise sein.

Aiwanger fühlt sich manchmal missverstanden

Ein Politiker ist ja auch ein Mensch mit Gefühlen. Trifft Sie die Reaktionen auf Ihre Hendl- und Biergarten-Reden?
Es gehört zum Politiker-Dasein dazu, dass man auf die Schippe genommen wird. Es ist unvermeidlich, um überhaupt bekannt zu werden. Damit kam ich bundesweit in die Medien, Sachthemen interessieren leider oft nicht so. Die Alternative wäre gewesen, dass ich dort nicht stattgefunden hätte. In Ansätzen gilt: Schlechte Presse ist auch mal gute Presse. Letztendlich war die Wirkung für mich vorher nicht abzuschätzen gewesen.

Fühlen Sie sich manchmal missverstanden?
Ja, es ist durchaus so, dass oft die Hintergründe nicht beleuchtet werden. Bei der Hendl-Sache war es ein komplizierter Sachverhalt mit der Betriebsschließungsversicherung, den ich mit einem einprägsamen Bild erklärt habe. Auch beim Kumpeltisch im Biergarten stimmte der Inhalt. Und man sollte auch in der Politik etwas Humor verstehen.

So ist das Verhältnis zwischen Aiwanger und Söder

In der schwarz-orangen Koalition gibt's derzeit Knatsch. Verstehen Sie sich wenigstens privat mit Söder?
Ich habe mit ihm kein persönliches Problem und nehme ihn, wie er ist. Und er muss mit mir auskommen. Es bleibt uns auch nichts anderes übrig. Wir telefonieren und simsen sehr regelmäßig, wenn wir uns nicht treffen, aber eigentlich verstehen wir uns politisch fast blind. Das mag jetzt vielleicht überraschen.

Aber Sie haben ihn und die CSU öffentlich angegriffen.
Ja, aber das widerspricht dem ja nicht. Niemand kann erwarten, dass eine Regierung völlig ohne Meinungsverschiedenheiten funktioniert. Wichtig ist, dass man kompromissfähig ist.

Sie duzen sich. Ist es nicht verletzend, wenn Söder Sie dann öffentlich kaltstellt?
Kaltstellen ist übertrieben formuliert. Ich kann das alles einordnen und weiß damit umzugehen. Er ist als Ministerpräsident eben automatisch die wichtigere Figur. Ich wundere mich eh, wenn es beispielsweise heißt: "Aiwanger sieht neben Söder blass aus." Ja gut, er ist der potenzielle Kanzlerkandidat.

Wird Markus Söder Kanzlerkandidat?

Macht er es?
Es läuft aktuell auf Söder hinaus. Ich glaube aber fast, er weiß selbst nicht, ob er es machen soll oder nicht.

Was würden Sie ihm raten?
Ich würde es an seiner Stelle machen. Ich hätte es auch schon mehr durchblicken lassen, wenn ich wollte. Aber Söder weiß, dass er dann mehr im Feuer steht und genauestens analysiert wird. So hat er noch ein halbes Jahr mehr Ruhe. Da ist er politisch ausgebufft genug.

 

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