Sein 18. großer Titel Federer besiegt Nadal im Australian-Open-Finale

, aktualisiert am 29.01.2017 - 15:17 Uhr
Er hat's gepackt: Roger Federer besiegt Rafael Nadal. Foto: dpa

Roger Federer und Rafael Nadal haben auch im reifen Tennis-Alter noch einmal ein starkes Finale bei den Australian Open gezeigt - mit dem besseren Ende für den Schweizer. Die Partie hielt vor allem zum Ende hin alles, was sich die Fans von ihr erhofft hatten.

 

Melbourne - Nach einer Nervenschlacht hat Roger Federer den epischen Klassiker von Melbourne gewonnen und seinen 18. Grand-Slam-Titel geholt. Der Altmeister aus der Schweiz setzte sich im Finale der Australian Open mit 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3 gegen seinen Dauerrivalen Rafael Nadal (Spanien/Nr. 9) durch und feierte seinen ersten Major-Coup seit Juli 2012 in Wimbledon.

Nach 3:38 Stunden verwandelte Federer in seinem 100. Spiel bei den Australian Open seinen zweiten Matchball, nachdem er im letzten Satz bereits mit einem Break und 1:3 zurückgelegen hatte. Erst nach einer Challenge und seinem insgesamt 73. Winner stand der Triumph letztlich fest.

Bei Federer flossen danach Tränen. "Ich könnte nicht glücklicher sein. Das ist ein perfektes Comeback", sagte er und erwies sich als gewohnt großer Sportler: "Schade, dass es kein Unentschieden gibt. Ich würde am liebsten den Erfolg mit Rafa teilen." Federer ist mit 35 Jahren und 174 Tagen der älteste Grand-Slam-Champion seit dem Australier Ken Rosewall 1972 und der zweitälteste überhaupt in der Open Era.

Nadal war sichtlich enttäuscht, hatte aber nur Lob für Federer übrig. "Was er geleistet hat, ist erstaunlich. Nach einer langen Pause so zurückzukommen, ist toll", sagte der Linkshänder. Der Weltranglisten-17. Federer, der die vergangene Saison wegen einer Knie-Verletzung bereits im Juli beenden musste, kassierte für seinen fünften Australian-Open-Erfolg seit 2004 umgerechnet rund 2,6 Millionen Euro.

Damit durchbrach der siebenmalige Wimbledongewinner als zweiter Spieler nach Novak Djokovic (Serbien) die 100-Millionen-Dollar-Schallmauer an Preisgeldern. Der einstige US-Open-Sieger Andy Roddick hatte das Duell im Melbourne Park im Vorfeld sogar als "epischstes und wichtigstes Tennis-Match aller Zeiten" bezeichnet.

Federer, der zum AC/DC-Klassiker "Thunderstruck" in die Rod-Laver-Arena eingelaufen war, hatte den besseren Start. Unmittelbar nach einem Racketwechsel nahm er Nadal den Aufschlag zum 4:3 ab - wenig später holte sich Federer mit seinem vierten Ass den Auftaktsatz.

Im ersten Grand-Slam-Finale zwischen den beiden Fanlieblingen seit Juni 2011 gelang Nadal aber umgehend ein Doppelbreak, von dem sich der Schweizer zunächst nicht erholte. Doch bezeichnend für seine Nervenstärke, dass der "FedExpress" sämtliche drei Breakbälle zu Beginn des dritten Durchgangs mit Assen abwehrte und auch danach fast immer dominierte, wenn er ans Netz rückte.

Doch der Spanier kämpfte sich mit Hilfe seiner druckvollen Grundlinienschläge zurück und erzwang den Entscheidungssatz. Federer nahm eine medizinische Auszeit in den Stadion-Katakomben. Doch das bewahrte ihn nicht vor dem schnellen Aufschlagverlust.

Wahl zwischen Stones und Beatles

Aber der Maestro schlug zurück, nahm Nadal den Aufschlag zum 5:3 ab und wehrte danach noch einmal zwei Breakbälle ab. Für Federer, der im Viertelfinale den ungesetzten Mischa Zverev (Hamburg) bezwungen hatte, war es erst der zwölfte Sieg im 35. Duell mit Nadal.

Der 30-jährige Linkshänder aus Manacor muss damit weiter auf seinen insgesamt 15. Major-Titel warten, den letzten hatte der Sandplatzkönig im Juli 2014 bei den French Open gewonnen. Federer hatte sich vorher als "größter Fan" von Nadal geoutet und gesagt: "Rafa hat Schläge, die sonst niemand hat. Das macht ihn einzigartig und speziell", sagte der Vater von zwei Zwillingspärchen. Der "ultimative Klassiker" zwischen den "Giganten des Spiels" (Herald Sun) hatte die Massen schon vorher elektrisiert.

Auf der einen Seite der stilsichere Maestro, der mit der Leichtigkeit einer Feder über den Platz schwebt. Ihm gegenüber der trotz seines immer lichter werdenden Haarschopfs noch knabenhaft wirkende "Rafa", der Tennis mit Leib und so viel Seele arbeitet.

Australiens Ikone Pat Cash hatte gar einen kleinen Glaubenskrieg aus dem Duell gemacht und in einer Glosse geschrieben: "Es ist wie damals, als man zwischen den Stones und den Beatles wählen musste. Aber warum sagen wir nicht einfach, dass beide einfach großartig sind", schrieb der Wimbledonsieger von 1987.

 

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