Sechs Besuche, unzählige Anrufe Führerschein beantragen in München - eine Lebensaufgabe

Nach sechs Besuchen und unzähligen Anrufen in der Führerscheinstelle hat es nun – endlich! – geklappt: Susanne Krüger ist erleichtert. Foto: Daniel von Loeper

Stunden in der Warteschleife, obwohl keiner telefoniert, Termine mit Mitarbeitern, die es nicht gibt, Faxe im Jahr 2019: Was man mit der Führerscheinstelle alles erleben kann.

 

München - Am 3. April langt es Susanne Krüger endgültig. Sie setzt sich hin und schreibt einen Brief an KVR-Chef Thomas Böhle. "Hilfe!", steht darüber und: "Führerscheinbeantragung mit Eilauftrag. Nach fünf Besuchen bei der Führerscheinstelle, acht Tagen täglicher, zigfacher Telefonversuche und fast sechs Wochen später – noch immer kein Führerschein."

Expressgebühr: 19,55 Euro. Doch was heißt hier Express?

Im Februar hatte die Einrichtungsberaterin Susanne Krüger ihren Führerschein verloren. Sollte ja kein großes Problem sein, glaubte sie, einen neuen zu bekommen. Doch da täuschte sich Krüger. Und zwar gewaltig.

Am 25. Februar wird ihr von einem Mitarbeiter der Führerscheinstelle empfohlen, sich am kommenden Mittwoch um 6.15 Uhr in der Früh in der Garmischer Straße einzufinden und anzustellen, um dann um 7 Uhr bei Öffnung der Behörde einen Termin für denselben Tag zu bekommen.

Am 27. Februar steht Krüger dann tatsächlich um 6.15 Uhr an – und bekommt schließlich einen Termin für 7.55 Uhr. Da wird ihr gesagt, dass sie mit einem abgelaufenen Personalausweis keinen Führerschein bekomme – was ihr beim ersten Telefonat anders mitgeteilt worden war.

Am 13. März, Krüger hat inzwischen den neuen Personalausweis, steht sie wieder in der Garmischer Straße. Dort aber ist an diesem Tag ausnahmsweise kein Betrieb: "Innerbehördliche Versammlung."

14. März, "langsam gewöhnt man sich an das Vogelgezwitscher um 5 Uhr in der Früh", schreibt Krüger später in ihrer Chronologie an Böhle. Anstehen ab 6.15 Uhr, Termin um 7.45 Uhr. "Sie müssen sich übrigens unbedingt mal die Freude machen und sich dieses Szenario anschauen. A) wie Menschen anstehen, B) wie Menschen drängeln und C) wie Ihre Sicherheitskräfte zeitweise fragwürdige Haltungen annehmen können."

Termin mit Herrn W. Ist er krank – oder gibt es ihn gar nicht?

Den Führerschein zu beantragen gelingt allerdings wieder nicht. Der zuständigen Sachbearbeiterin fällt auf, dass ein Datenblatt von einer anderen Behörde aus dem hessischen Hanau fehlt. Ohne dieses könne keine Beantragung erfolgen. Mit einem "Eilantrag" könne Krüger den Führerschein zwar trotzdem beantragen, jedoch wäre er nicht in drei bis vier Tagen abholbereit, sondern werde mindestens zwei Wochen brauchen.

Die KVR-Mitarbeiterin sagt: "Ja, das Datenblatt muss erstmal aus Hanau kommen." Krüger ruft dort an; ihr wurde mitgeteilt, das fehlende Blatt werde sofort nach München gemailt.

"Von nun an versuchte ich täglich, bei der Führerscheinstelle anzurufen", sagt Krüger. Erfolglos. Dort sind immer alle Leitungen belegt.

Am 25. März reicht es ihr. Sie fährt wieder persönlich in die Garmischer Straße. Dort recherchiert man im Haus – und antwortet schließlich: "Der Abteilungsleiter sagt, das hängt noch irgendwo – da fehlt noch was."

Krüger, die eine Extra-Gebühr für den "Eilantrag" gezahlt hat, kann es nicht fassen: Ihr wird mitgeteilt, dass das Blatt aus Hanau statt per Mail per Fax hätte kommen müssen. "Wir leben wirklich im Jahr 2019 – und die Führerscheinstelle bearbeitet keine E-Mails. Das finde ich bemerkenswert." Auf ihre Frage, warum man nie durchkomme, bekommt sie die Antwort: "Bei uns gibt es gar niemanden, der Telefonate annimmt!"

Krüger schreibt Böhle: "Man wird praktisch seiner Zeit, Nerven und Geld beraubt, weil man stundenlang in der Telefonleitung bleibt und denkt, man kommt gleich dran. Großartig für jeden – dem langweilig ist und der sonst nichts zu tun hat."

Krüger hört auf anzurufen. Es hat ja eh keinen Sinn. Am 28. März fährt sie zum fünften Mal in die Garmischer Straße. Eine Dame notiert, dass Krüger angerufen werden will, wenn der Führerschein da ist. Aber es meldet sich niemand. Bis Krüger den Brief an Böhle schreibt – und die AZ nachhakt.

"Verkettung unglücklicher Umstände"

Das KVR bestreitet den Vorgang nicht und dementiert auch keines der von Krüger geschilderten Details. Es handle sich "um eine Verkettung unglücklicher Umstände", teilt ein Sprecher mit.

Böhle schreibt persönlich, es tue ihm "aufrichtig leid, dass Sie eine derartige Odyssee hinter sich haben". Er bitte "um Verzeihung für alle entstandenen Unannehmlichkeiten". Die Gebühr von 19,55 Euro für die "Expressbestellung" erstatte das KVR "natürlich zurück".

Schließlich bekommt Susanne Krüger doch noch einen Termin – und holt ihren Führerschein tatsächlich in der Garmischer Straße ab. Als die AZ fragt, ob dann endlich alles gut gegangen sei, fängt Susanne Krüger an zu lachen. Ihr sei am Empfang gesagt worden, Herr W. warte im zweiten Stock auf sie. Im zweiten Stock habe man zunächst gesagt "Hier gibt es keinen Herrn W.", als sie noch mal nachgefragt habe, hieß es, er sei krank. Schließlich bekommt sie irgendwie, irgendwann von irgendwem doch noch ihren Führerschein.

Von den Verbesserungen bei der Terminvergabe in den Bürgerbüros ist die Führerscheinstelle übrigens nicht betroffen. Offenbar geht man bei der Stadt davon aus, dass hier alles glatt läuft.

 

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