Schwerer Schlag für Kritiker Neue EU-Studie: Glyphosat nicht als krebserregend eingestuft

Die Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das den Wirkstoff Glyphosat enthält. Foto: Patrick Pleul/dpa

Ein neues Gutachten stuft das umstrittene Unkrautgift Glyphosat nicht als krebserregend ein. Das Urteil ist wegweisend innerhalb der Europäischen Union.

 

Helsinki - Umweltverbände laufen Sturm gegen den Unkrautvernichter Glyphosat. Erst recht, nachdem die EU-Kommission im vergangenen Sommer entschieden hatte, das Mittel bis Ende 2017 weiter zuzulassen - weil sich die EU-Länder nicht über ein Verbot oder eine Verlängerung einigen konnten. Glyphosat-Kritiker halten das Gift für krebserregend und fordern ein EU-weites Verbot.

Studie ist Grundlage für erneute Entscheidung über Glyphosat-Zulassung

Ein wichtiges neues Gutachten der europäischen Chemikalienagentur Echa in Helsinki kommt jetzt allerdings zu einem anderen Schluss. Es stuft den umstrittenen Unkrautvernichter nicht als krebserregend ein. Demnach erfüllen die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht die Kriterien, um Glyphosat als krebserregend zu bewerten. Die Experten stuften das umstrittene Mittel als eine Substanz ein, die die Augen ernsthaft schädige und giftig für Organismen im Wasser sei.

Die Einschätzung der Echa gilt als wichtig: Denn auf ihrer Grundlage soll erneut über eine Zulassung von Glyphosat innerhalb der EU entschieden werden. Die EU-Kommission erklärte am Mittwoch, sie habe die Bewertung zur Kenntnis genommen.

BUND sieht Glyphosat als Ursache für Artensterben

Die Umweltorganisation BUND forderte, die Zulassung des Unkrautvernichters zum Jahresende auslaufen zu lassen. "Eine weitere Verlängerung der Zulassung wäre fahrlässig", sagte Pestizidexpertin Heike Moldenhauer laut einer Mitteilung. Glyphosat sei nicht nur für Menschen gesundheitsgefährdend, sondern auch maßgeblich für das Artensterben in der Agrarlandschaft verantwortlich.

Eine europäische Bürgerinitiative, bei der Umweltorganisationen aus 13 Ländern mitmachen, will bis Ende Juni eine Million Stimmen gegen das Unkrautgift sammeln und ein EU-weites Verbot durchsetzen. Damit eine solche Initiative die EU-Kommission veranlassen kann, in ihrem Sinne zu entscheiden, sind mehr als eine Million Unterschriften aus mindestens sieben EU-Staaten notwendig. Die Kommission kann das Gesuch aber auch ablehnen.

Die Einstufung durch die Chemikalienagentur sei "unverständlich für alle, die besseren Schutz vor unverantwortlichen und unnötigen Risiken fordern", sagte Harald Ebner, Glyphosat-Experte der Grünen Bundestagsfraktion, am Mittwoch. "Die Entscheidung der ECHA schafft für die EU-Kommission ein Schlupfloch, um nach der 18-monatigen Übergangsfrist Glyphosat erneut in der EU für die nächsten Jahre zuzulassen", erklärte Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament, in einer Mitteilung.

Der Industrieverband Agrar begrüßte die Entscheidung dagegen. "Die Echa bestätigt, was Zulassungsbehörden in aller Welt immer wieder festgestellt haben: Glyphosat ist nicht krebserregend", erklärte der kommissarische Agrar-Hauptgeschäftsführer Dietrich Pradt. Er forderte die Bundesregierung auf, sich für einen zügigen Genehmigungsprozess in Brüssel einzusetzen.

 

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