Scholl gründet Pop-Label "Effe beißt mir in den Kopf"

„Wir müssen damit kein Geld verdienen“: Gerd Baumann, Mehmet Scholl und Till Hofmann haben „Millaphone Records“ gegründet. Foto: Millaphone

Was kommt heraus, wenn sich ein Filmmusikproduzent, ein Kleinkunst-Großmeister und ein früherer Fußballstar zusammentun? Gerd Baumann, Till Hofmann und Mehmet Scholl haben Millaphon Records gegründet.

 

Ein neues Platten-Label aus dem Gärtnerplatzviertel, das drei Bands herausbringt: die rappende Marching-Band „Moop Mama”, die bayerische Blues-Folk-Formation „Keller Steff” und die Singer-Songwriter von „Balloon Pilote”.

AZ: Herr Scholl, Sie waren Ihr halbes Leben beim FC Bayern, machen den Trainerschein, sind ARD-Kommentator. Wie wird man mit so einer Fußballer-Biographie Plattenboss?

MEHMET SCHOLL: Durch einen Zufall. Wenn man einen umtriebigen Freund hat wie den Till, der mit dem Gerd eine Band produziert, aber kein Label gefunden hat – und auf die Idee kommt: Dann machen wir’s halt selber. Die Idee wurde an einem Dienstag geboren – und freitags war schon Notartermin. Motto: Einfach mal was gründen.

Herr Baumann, Sie haben die Musik zu Rosenmüller-Filmen geschrieben, spielen bei Konstantin Wecker Gitarre – wozu braucht einer wie Sie Mehmet Scholl im Label?

GERD BAUMANN: Ich hab’ auch gedacht, Till macht einen Witz. Ich kannte Mehmet nur aus dem Fernsehen. Dann haben wir einen Testabend gemacht, den ganzen Abend Musik gehört, da war klar: Das passt. Ich finde es spannend, wie Mehmet Musik hört – als kompletter Nichtmusiker.

SCHOLL: Wenn eine Band auf der Bühne steht, kann ich sagen: Da packt mich die Energie – oder nicht. Ich habe Arcade Fire vor 200 Leuten in München gesehen und die Sportfreunde Stiller vor nicht einmal 100 Leuten – und immer das Gefühl gehabt, das wird was Großes. Nach diesen Kriterien wählen wir auch unsere Bands raus: Was kommt live rüber? Wenn wir überzeugt sind von ihren Live-Auftritten, sind wir überzeugt, dass sie sich so viele Menschen erspielen, dass wir sagen: Jetzt kann sich das Ding zur Not auch mal verkaufen.

Klingt nicht nach einem großen Business-Plan.

Für uns ist es Hobby, Spaß, Leidenschaft. Es ist ja nicht so, dass wir davon leben müssen. Wir müssen damit kein Geld verdienen. Wir wollen guten Live-Künstlern eine Plattform geben. Und wenn wir zwei, drei Arbeitsplätze schaffen, ist das prima. Mir reicht am Ende eine schwarze Null.

BAUMANN: Was wir rausbringen, wird immer jenseits des Mainstreams sein. Ich saß mal mit jemandem von einem Major-Label zusammen, der Typ sagte: „Hammergeil, hammergeil – aber es ist kein Hit.” Da hab ich gedacht: Was bist Du denn für ein Schwachkopf!

Herr Scholl, beschreiben Sie mal Ihren Musikgeschmack.

Folklastiger Indie-Gitarren-Sound...

Nicht gerade Fußballer-Musik. Sie kommen gerade von einem zehntägigen Trainerlehrgang aus Dänemark, u.a. mit Stefan Effenberg. Dem werden Sie das kaum nähergebracht haben.

Klar, für die meisten Fußballer hört sich das, was mir gefällt, sehr fremd an. Der Effe beißt mir in den Kopf, wenn ich ihm was vorspiele. Aber ich bin ja nicht für die Musikerziehung zuständig. Die Jungs sollen hören, was sie wollen.

Ihr früherer Kollege Oliver Kahn hört Schlager und sagte mal, von Mehmet Scholls Musik bekäme er Depressionen.

Ich hab’ im Mannschaftsbus früher die ein oder andere CD eingelegt. Je bekannter und härter es war, desto besser. Wenn aber etwas dazwischengerutscht ist, das schräg war, eher Indie war – dann musste die CD wieder raus.

Stadionmusik zu produzieren wäre nichts für Sie?

Ich bin froh, dass Sie nicht nach der Musik in der Allianz Arena fragen.

Doch. Leslie Mandoki soll jetzt das Musikprogramm beim FC Bayern neu arrangieren. Das dürfte nicht ganz nach Ihrem Geschmack sein.

Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich das kommentiere. Nur dies: Man muss auch mal Mut haben. Und das, was ich mag, gibt’s ja in manchen Stadien: Auf St. Pauli zum Beispiel laufen Blur und Oasis. Und deswegen sind sie bestimmt nicht abgestiegen.

 

0 Kommentare