Schöne Plätze, alle Corona-Regeln Sommer am Wasser: Seen in München und dem Umland

Die Kulisse mit Herzogstand und Heimgarten ist prächtig, das Wasser ist sauber, wenn auch meist ein wenig frisch: Der Weg zum Kochelsee lohnt sich. Foto: Marc Müller/dpa

Erholung am Wasser: Das geht sehr gut – auch und gerade in Corona-Zeiten. Die AZ gibt Ausflugtipps.

 

München - Heimaturlaub ist heuer angesagt. Aber das macht gar nichts. Um- und Oberland haben derart schöne Fleckerl, da kann man die Seele perfekt baumeln lassen. Und das – wetterbedingt – sehr spontan bei kurzer "Anreise": Gerade an den Seen ist das Erholung pur! Freilich, mutterseelenallein wird man eher selten sein an den weiß-blauen Stränden.

Aber das ist man am Mittelmeer ja bekanntlich auch nicht. Welche Seen jetzt locken, wie sich die Behörden vor Ort gewappnet haben und welche speziellen Regeln es gibt, haben wir hier zusammengetragen. Erholen Sie sich gut! 

Starnberger See: Kreidekreise auf der Wiese

Der Starnberger See ist ein Energieplatz. Ob auf dem Standup-Board, beim Schwimmen im klaren Wasser oder am Ufer. "In Starnberg hat seit 8. Juni das Strandbad wieder geöffnet – und das Seebad mit Hallenbad und Sauna seit 29. Juni", erklärt Pressesprecherin Lena Choi. Alle Gäste werden an der Kasse mit Namen registriert. 1000 Personen können so Strandbad, Hallenbad und Sauna wieder nutzen (Strandbadstraße 17, 82319 Starnberg). Die aktuelle Wassertemperatur des Sees: 21 Grad. Die öffentlichen Badestellen am Starnberger See sind alle frei zugänglich.

"Wir wurden gar nicht so überrannt, wie wir gedacht haben", sagt Choi. An der Badestelle "Steininger Grundstück"sorgen jetzt Schilder und mit Sportkreide aufgemalte weiße Kreise auf der Wiese dafür, dass Mindestabstände zwischen den Handtüchern eingehalten werden. Im Landratsamt Starnberg, das für die Erholungsflächen "Percha-Beach" und Oberndorf zuständig ist, bittet man, die Abstandsregeln nicht zu vergessen. Und ein dringender Appell richtet sich an die Autofahrer: "Lassen Sie das Auto stehen.

Wenn es irgendwie geht, kommen Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln – es wird knapp mit Parkplätzen." Übrigens: Wer in Percha baden möchte, kann mit der S-Bahn nach Starnberg fahren und noch ein Stückchen laufen. Und gute Busverbindungen gibt es auch.

Pilsensee: Keine Verbote, sondern Informationen

"Am Pilsensee ist bislang nicht mehr los als üblich", so Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel. Er vermutet aber, dass das Tourismusaufkommen aus ganz Deutschland bald größer werden wird. In Seefeld gibt es Campingplätze mit Bademöglichkeiten. Vorab sollte man online ein Ticket für 4 Euro kaufen (www.camping-pilsensee.de). Dadurch soll auch die Zahl der Badegäste kontrolliert werden.

Der Bürgermeister lobt den Ausflugticker der Region. Unter www.starnbergammersee.de/service/ausflugs-ticker/ können Ausflugslustige sich über aktuelle Platzkapazitäten in der Region informieren. Auch Wanderwege, die nicht direkt an den Seen vorbeiführen, finden sich dort. "Im Hinterland gibt es wunderschöne Wanderwege", sagt Kögel. Der Live-Ticker ermöglicht es Erholungssuchenden, selbst Verantwortung zu übernehmen. "Wir wollen nicht mit Verboten reagieren, sondern mit Informationen."

Begrüßen würde es Bürgermeister Klaus Kögel, wenn mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden. Die Wassertemperatur des Pilsensees lag am Freitag bei 20 Grad.

Ammersee: Traumhafte Sonnenuntergänge 

Der Ammersee lockt mit einer zwölf Kilometer langen begehbaren Uferpromenade. Außerdem ist der See umweltfreundlich mit der S-Bahn zu erreichen. Badelustige können kommen: Momentan hat das Wasser eine Temperatur von 19 Grad – es waren schon mal mehr. In Herrsching ist der zweite Steg fertig saniert worden. Der Sprungturm ist weg, der 40 Meter lange Badesteg wurde um eine Holz-Plattform erweitert: "Ich hoffe, dass die Sonnencreme nicht ausgeht – und die Sonne", sagt Bürgermeister Christian Schiller.

Seine Gemeinde habe keine größeren Corona-Vorkehrungen treffen müssen: "Was sollen wir denn machen, bei uns ist das Ufer durchweg öffentlich zugänglich", sagt Schiller. "Die Gemeinde ist auch nicht die Polizei, um das zu kontrollieren." Für alle öffentlichen Toiletten am See gibt es aber ein klares Hygienekonzept. Sie würden wegen des Coronavirus mehrmals täglich desinfiziert. Es sei schon "enorm viel" losgewesen in Herrsching, meint Schiller, "aber bei uns geht's immer zu."

Was auch an den den traumhaften Sonnenuntergängen an der östlichen Uferpromenade liegt. Und Touristen sind auch wieder da. Die Gastronomen freuen sich. "Sie haben jetzt etwas aufzuholen", so Schiller. Reservierungen in den Restaurants sind durchaus sinnvoll, da wegen der Abstandsregelung die Zahl der Sitzplätze reduziert ist. Die Dampfer fahren übrigens regulär. "Ich glaube jeder ist froh, wenn eine gewisse Normalität in diesen Jahreszyklus reinkommt - dazu gehören Touristen, dazu gehört der Badespaß am See", findet Schiller.

Feringasee: Nur das Grillen ist leider noch nicht erlaubt

Der Feringasee in Unterföhring hat ein drei Kilometer langes Ufer. Der See ist sieben Meter tief, es geht aber flach hinein. Die aktuelle Wassertemperatur: 23 Grad. Auch am Feringasee in Unterföhring ist der Andrang von Sonnenhungrigen immens. "Ich denke, dass das noch ein Bombensommer wird", sagt ein Sprecher des Landratsamtes. Am See sind alle Bereiche geöffnet. Parkplätze gibt es viele, und die Toiletten sind alle mit Seifenspendern ausgestattet. Auf dem Beachvolleyballplatz sollen die Spieler "kontaktlos" spielen.

Als weitere Regel gilt: "Aktuell ist das Grillen verboten und das ist unser größtes Problem", so das Landratsamt. Viele Badegäste verstünden nicht, dass das Grillverbot durch das Landratsamt mit dem Infektionsschutz zusammenhänge. Am Feringasee gibt es deshalb Wachpersonal, das notfalls die Polizei alarmiert. Mit seinen großen Liegeflächen, vielen Laubbäumen, die Schatten spenden und einer guten Wasserqualität hat der Feringasee an schönen Tagen "ordentlich Zulauf". Wenn die Handtücher zu anderen Haushalten mit 1,50 Metern Abstand liegen, steht einem ungetrübten Badevergnügen aber nichts entgegen.

Wörthsee: Alles, außer Parkplätze

Rund 25 Kilometer südwestlich von München liegt der Wörthsee. Er ist für Ausflügler, Badefreudige (Wassertemperatur: 20 Grad) und Wanderer attraktiv, weshalb an der Uferpromenade in Steinebach häufig großes Gedränge herrscht. "Der Weg ist nicht breit, wer Abstand einhalten will, weicht auf die Straße aus", sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Während sonst viele Badetouristen aus München und Fürstenfeldbruck seien, kämen nun auffallend viele aus anderen Landkreisen, sogar aus dem Allgäu."Wenn man die letzten Wochen immer dieselbe Strecke gegangen ist, will man halt auch mal woanders hin", erklärt sich das Bürgermeisterin Muggenthal.

Wo es eng wird, sollten Besucher deshalb Maske tragen. Auf Abstands- und Hygieneregeln weisen Schilder an den Seezugängen hin. Um die Abstände einzuhalten, kann auf Fahrrad- und Wanderwege ausgewichen werden, die nicht direkt am See entlangführen. Die Bürgermeisterin rät Badetouristen zudem dringend, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen (etwa S8 nach Steinebach). "Ohne Auto zu kommen, ist wesentlich entspannter, weil es einfach zu wenige Parkplätze gibt."

Lerchenauer See und Fasaneriesee

Auf der Luftmatratze dümpeln, schwimmen oder einfach die Füße ein bisserl abkühlen: Kleine Stadt-Seen sind ein großes Glück für gestresste Großstädter. Im Norden bieten etwa der Lerchenauer See und der Fasaneriesee grüne Liegewiesen und beste Planschmöglichkeiten. Der Fasaneriesee ist eine Oase für Badegäste, Radfahrer und Spaziergänger und liegt genau zwischen dem Lerchenauer- und Feldmochinger See.

Die Wasserqualität des Fasaneriesees und der weiteren sieben offiziellen Münchner Badeseen wird bis Mitte September monatlich untersucht. Die Badegewässerqualität im Fasanerisee in der Badesaison 2019 wurde übrigens zum sechsten Mal in Folge als "ausgezeichnet" gewertet. Der kleine und zentrale Lerchenauer See, in dem man mit urbaner Kulisse badet, ist auch sehr sauber. Seine augenblickliche Wassertemperatur: angenehme 22 Grad.

Riemer See: Erholung im Osten 

Ein flacher Kiesstrand, eine große Wiese und jede Menge Sonne und Ruhe: Der Riemer See ist ein perfekter Ort für ein Picknick. Wegen fehlender Schattenplätze empfiehlt es sich aber, einen eigenen Sonnenschirm mitzubringen. Die Wasserqualität ist "sehr gut" und die Wassertemperatur beträgt aktuell 19 Grad. Der Kontakt im Freien ist coronabedingt auf maximal zehn Personen beschränkt, der Spielplatz am See ist geöffnet, die drei Volleyballfelder am Südufer dürfen benutzt werden, unter Einhaltung des Mindestabstands. Am besten ist der Riemer See, auch Buga-See genannt, mit der U-Bahn oder dem Fahrrad zu erreichen. Die wenigen Parkplätze in der Nähe sind heiß begehrt.

Chiemsee: Viele kleine Badestellen

Bayerns größter See, der Chiemsee, lockt mit einem Wasser bis zu 22 Grad, grandiosem Alpenblick und vielen Freizeit- und Kulturmöglichkeiten. Inzwischen verkehren auch die Schiffe wieder für Rundfahrten und Stopps auf Herrenchiemsee oder der Fraueninsel. Es gibt sehr viele Bademöglichkeiten: Von München aus ist das Strandbad Prienavera in Prien gut zu erreichen. Seit Juni hat es wieder geöffnet. Kinder und Erwachsene zahlen 2,50 Euro Eintritt. Die Sauna bleibt coronabedingt noch geschlossen – und auch die Zahl der Besucher ist eingeschränkt. Statt zuvor 1.000 dürfen nur noch 500 Besucher gleichzeitig hinein. Reservieren ist nicht möglich (Seestraße 120).

Alternativ gibt es viele kleinere Badestellen am Ufer, die keinen Eintritt kosten. Die nächstgelegene Badestelle vom Bahnhof ist der Schöllkopf in Prien. Vom Bahnhof (Züge fahren stündlich nach München) ist es ein schöner Spaziergang – oder man nimmt einfach die Bockerlbahn. Einen Ausflug zum Chiemsee kann man mit einer Berg- oder Radtour verknüpfen. Oder Sie leihen sich ein Surfbrett oder Boot? Auch Segeljollen werden vermietet. Der Bootsverleih auf den Schären hat geöffnet. "Wir sind positiv gestimmt, dass wir einen schönen Sommer haben werden", sagt Andrea Hübner von Prien Marketing.

Steinsee: Verstecktes Natur-Kleinod

Nur Wald und Felder umgeben den kleinen Steinsee im Osten von München: Versteckt liegt das Kleinod, das von jod- und radiumhaltigem Quellwasser gespeist wird. Der Steinsee, immerhin der größte Badesee im Landkreis Ebersberg, gehört zu den wärmsten Seen und erreicht im Sommer 30 Grad. Am hinteren Ende ist eine 50 Meter breite Badestelle. Die Vögel zwitschern, die Bienen summen – Natur pur.

770 Meter lang und 11 Meter tief ist der See und ein Rundweg führt zum schicken Strandbad des Moränensees. Wegen der Corona-Auflagen ist hier die Besucherzahl auf 850 begrenzt, die Umkleiden sind geschlossen und die Ballspielplätze auch. Parken kostet nichts, dafür hat die parkartige Anlage mit Sonnenterrasse auch ihren Preis. Eintritt: 7,50 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder (Niederseeon 17, Moosach). Der größte Teil des Ufers des Steinsees ist übrigens eingezäunter Naturschutzbereich.

Seemadames: Der hübsche Kiosk "die Seemadames" bleibt, laut Homepage, vorerst weiterhin geschlossen. (Stand Montag). "Wir haben jetzt zwei Jahre versucht, den Verpackungsmüll zu vermeiden, deshalb gibt es bis auf weiteres auch keinen Mitnahmeverkauf", erklärt die Inhaberin dort. Und weiter: "Derweil nutze ich die Zeit und lasse meine kreativen Gedanken treiben, probiere köstliche Kuchenrezepte (sorry, diesmal esse ich den alleine) und tüftle in der Küche." Ihre Gäste dürften sich also umso mehr auf ihre Wiedereröffnung freuen.

Landgasthof Osterseen: Fünf Barfuß-Minuten von den Osterseen entfernt liegt der Landgasthof – mit Blick aufs Wasser. Rund 45 Plätze sind nun auf der Terrasse frei, "reservieren müssen Sie nicht, ist aber von Vorteil", sagt Inhaber Moritz Link. Die Karte ist etwas reduziert, "Wir haben viel mit Spargel zurzeit", zählt Link auf, "Zwiebelrostbraten, ein Fischgericht und vegetarisch". Zudem Suppen, Vorspeisen und Desserts. Danach kann man noch eine Runde um die Seen drehen.

Hofmark 9, Iffeldorf, Tel.: 08856 / 92 86

Lesen Sie hier: Reißende Isar - Bade- und Bootfahrverbot in München

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