Saskia Vester und Wolfgang Fierek "Wir Bayern denken in die Zukunft"

"Wir kennen uns wirklich lange, mögen und respektieren uns“: Saskia Vester und Wolfgang Fierek am Rande der ZDF-Dreharbeiten in Münsing am Starnberger See. Foto: Astrid Schmidhuber

Saskia Vester und Wolfgang Fierek über zickige Kollegen, ihre perfekten Rollen und den Niedergang von Schwabing: "Die Mieten machen alles kaputt".

 

AZ: Frau Vester, Herr Fierek, in der ZDF-Serie "Marie fängt Feuer" spielen Sie ein Ehepaar – und auch sonst wirken Sie sehr vertraut.
SASKIA VESTER: "Einfach, weil wir uns so lange kennen. Seit meiner ersten Serie von 1988, 'Der Schwammerlkönig'. Und Wolfgang sagt immer noch Vroni zu mir, weil ich damals in der Rolle so hieß." 
WOLFGANG FIEREK: "Stimmt, das passiert mir manchmal. Bei der Serie hat übrigens meine Frau mit ihrem Freund Komparse gemacht, und als ich mit dem Jeep ans Set kam, dachte sie sich nur: 'Was für ein Blödmann' – den hat sie dann Jahre später geheiratet! Aber zurück zu Saskia: Wir kennen uns wirklich lange, mögen und respektieren uns." 

Sind Sie also befreundet?
FIEREK: "Ja, aber nicht in dem Sinn, dass wir uns privat sehen. Aber wir freuen und, wenn wir mit dem Anderen drehen, das ist bei Schauspielern schon selten. Ich bin seit 40 Jahren im Geschäft, und es gibt wenige Kollegen, die es so wie Saskia ehrlich mit einem meinen. Bei vielen ist Missgunst dabei."
Vester: "Gerade bei älteren Kollegen, die echte Diven werden. Wolfgang ist Gott sei Dank keine Zicke." 

In "Marie fängt Feuer" spielen Sie ein Senioren-Paar. Wären Sie gute Rentner im echten Leben?
Fierek: "Ich bin ja nach der Zahl schon Rentner und beziehe auch Rentengeld – das ist toll. Auf meiner Lederjacke steht seit meinem 65. Geburtstag 'retired', also: 'im Ruhestand'. Aber ich bin immer umtriebig. Das Alter ist Einstellungssache, Party hier, Party dort, Gitarre lernen, reisen – das hält mich jung." 
Vester: "Ich bin ja noch nicht in Rente, aber ich würde wie Wolfgang weiterarbeiten wollen. Ich liebe meinen Job. Du musst dein Hirn beschäftigen, damit es geschmeidig bleibt."

Was wollten Sie als Kind werden?
Vester: "Schauspielerin, schon mit fünf Jahren. Nicht mal Prinzessin wollte ich werden! Eine Freundin meiner Eltern hat das Rotkäppchen im Theater gespielt. Ich saß hinter der Bühne, habe vom Dunklen ins Helle geschaut – und es war die volle Magie!"
Fierek: "Astronaut wollte ich mal werden, dann nahm mein Vater meinen Bruder und mich nach Ottobrunn mit ins Kino. 1,20 Mark hat das gekostet, ganz schön teuer. Nach dem Film 'Aufstand der Legionen' war ich fix und fertig, obwohl der Film Mist war. Aber dieser schwere Vorhang, der Geruch, das hat mich gepackt. Ich habe vom Pausengeld immer zehn Pfennig abgespart, damit ich wieder ins Kino konnte."

Welche Rolle würden Sie dem jeweils anderen auf den Leib schneidern?
Vester:
"Wolfgang würde ich gerne mal als Kommissar sehen, das wäre witzig. So ein Typ, der so aus dem Bauch heraus Fälle löst."
Fierek: "Saskia ist ein sehr präsenter Mensch, der alles hinterfragt. Du könntest für mich die Matriarchin eines Unternehmens sein. Vielleicht musst du ein Weingut führen, weil du deinen Mann rausgeschmissen hast. Eine Frau, die alles zusammenhält und kämpft bis aufs Blut."
Vester: "Das ist eine tolle Rolle!"
Fierek: "Und ich wär dann der Mann, den du zum Teufel geschickt hast."
Vester: "Aber dann hast du ja nix zum Spielen! Dann bist du nur auf den Fotos auf dem Fensterbrett zu sehen. Nee, das wäre zu schade!"

Sie sind beide aus Bayern, haben lange in München gelebt. Wo hat sich die Stadt stark verändert?
Beide: "Schwabing!"
Vester: "Die kleinen Läden sind alle gestorben, es gibt nur noch Ketten. Die Leopoldstraße war so cool, das Schwabinger Nest... In Schwabing hat sich alles bis hin zum Monopteros abgespielt. Jetzt ist das Viertel tot. Die Mieten machen alles kaputt."
Fierek: "Die Menschen, die die hohen Mieten zahlen, gehören vom Klientel her halt leider nicht nach Schwabing. Die Türkenstraße ist noch okay. Der Viktualienmarkt, Au, Lehel, Giesing, da ist München noch meins."

Könnten Sie wieder in München leben?
Vester:
 "Mir tut es gut, etwas zurückgezogener zu leben. Wieder in der Stadt zu wohnen, kann ich mir aktuell nicht vorstellen."
Fierek: "Schneckerl, mit dem Radl durch den Englischen Garten, samstags auf dem Viktualienmarkt einkaufen – was Besseres gibt’s nicht! Ich brauche Menschen um mich, setze mich gerne ins Café und beobachte die Leute. Aber je älter ich werde, desto mehr genieße ich auch das Alpenvorland. Wenn der Tag schön ist, dann fahre ich mit meiner Harley auf jeden Fall in die Berge."

Welches Vorurteil über Bayern stimmt nach Ihrer Auffassung nicht?
Fierek: "Ich mag es nicht, wenn sie so dümmlich dargestellt werden. Der Bayer ist nicht einfach, wir denken in die Zukunft."
Vester: "Der Bayer ist nicht engstirnig. Er hat eher keine Berührungsängste, wie man auf der Wiesn ja sieht."

 

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