Sanierung läuft aus dem Ruder Deutsches Museum in München: Der Termin platzt

Das Deutsche Museum wird generalsaniert – und das dauert deutlich länger als gedacht. Foto: Andreas Gebert/dpa

Um die Sanierung des Deutschen Museums steht es schlechter als angenommen. In den Fokus gerät nun auch dessen Generaldirektor Wolfgang Heckl.

 

München - In nächster Zeit wird sich wohl kein Politiker mehr mit breitem Grinsen auf der Baustelle des Deutschen Museums fotografieren lassen. Denn Erfolgsmeldungen kommen derzeit jedenfalls nicht von der Museumsinsel – im Gegenteil.

Nach der Insolvenz der Architekturbüros Schmid-Schicketanz und Partner (SSP) zeigt sich: Um die Sanierung des Museums steht es noch ärger als bislang bekannt. Das geht aus einem vertraulichen Bericht des Controlling-Büros Ernst & Young für den Landtag hervor, der der Abendzeitung vorliegt.

In dem Papier, das Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) dem Landtag bereits vor Monaten vorgestellt hat, haben die Experten schon damals stark daran gezweifelt, dass der erste Bauabschnitt rechtzeitig fertiggestellt werden könnte. Dieser war ohnehin bereits von Januar 2019 zunächst auf Mai und dann auf Oktober 2020 verschoben worden.

Tuscheln im Landtag: Wie am Berliner Flughafen

Die Gründe für die Verzögerungen sind vielfältig. Einzelne Aufträge seien zu spät vergeben worden. Außerdem seien Deckenpaneele falsch konstruiert worden, Leitungen, die bereits montiert waren, mussten wieder zurückgebaut werden, weil sie nicht mehr passten. Im Landtag zieht man hinter vorgehaltener Hand schon Parallelen zum Berliner Flughafen.

Laut dem Bericht aus dem Oktober 2018 waren bereits zu diesem Zeitpunkt alle Zeitpuffer für den ersten Bauabschnitt aufgebraucht. Besonders bitter: All diese Verzögerungen wirken sich voraussichtlich auf den zweiten Bauabschnitt und damit die endgültige Fertigstellung der Sanierungsarbeiten aus.

Eigentlich sollte das Museum im Jubiläumsjahr 2025 feierlich und frisch saniert wiedereröffnen. Das wäre aber nur möglich, wenn beim zweiten Bauabschnitt alles glatt läuft: Sowohl bei den Ausschreibungen als auch bei den Ausführungen. Die Chancen, dass das funktioniert, halten die Experten jedoch für äußerst gering.

Deutsches Museum: Inzwischen 600 Millionen Euro veranschlagt

Obwohl diese Einschätzung aus dem Oktober 2018 stammt, hatten Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Finanzminister Albert Füracker (CSU) bei einer Baustellenbegehung im Januar 2019 noch verlauten lassen, dass die Sanierung "aller Voraussicht nach" 2025 abgeschlossen werden kann. Auch, dass die Kosten dramatisch steigen, hatten die Experten bereits 2018 aufgezeigt. So hatte das Deutsche Museum Mehrkosten in Höhe von 153,3 Millionen prognostiziert.

600 Millionen Euro sind damit für das Sanierungsprojekt inzwischen veranschlagt. Bei den Kostensteigerungen gibt das Deutsche Museum, so heißt es im Bericht, auch dem damals noch solventen Architekturbüro SSP eine Mitschuld. Dieses hätte Aufträge zu spät vergeben – außerdem sei der Kostenrahmen nicht eingehalten worden.

Deutsches Museum: Vieles wurde bei der Sanierung teurer

Einige Beispiele: Im Bereich Metallbau wurde ein Angebot akzeptiert, dass doppelt so teuer war wie im Budget vorgesehen. Eine Alternative dazu konnte man aber nicht suchen: Denn es gab keinen Zeitpuffer mehr. Oder das: Ursprünglich war für WC-Trennwände ein Budget von 4.800 Euro veranschlagt worden. Hier wollte der Anbieter des wirtschaftlichsten Angebots das Zehnfache.

Auch Holztüren und Holzfenster kamen dem Museum letztendlich 300 Prozent teurer als veranschlagt. Laut Bericht hat es wegen diesen Planungsschwierigkeiten Streit um Geld zwischen SSP und Deutschem Museum gegeben. Diese sollen, wie berichtet, Grund für die Insolvenz des Architekturbüros sein.

Im Landtag jedenfalls kommt das nicht gut an – auch wenn Wissenschaftsminister Bernd Sibler eine Prüfung angekündigt hat. In den Fokus gerät nun auch ein anderer: der Generaldirektor des Deutschen Museums, Wolfgang Heckl. Aus dem Landtag heißt es bereits, die Vorgänge könnten ihn in die Bredouille bringen. Schließlich wird auch Minister Sibler nicht müde zu betonen, dass das Deutsche Museum "als rechtlich selbstständige Einrichtung Bauherr der Generalsanierung" ist.

Lesen Sie hier: Landtags-Opposition entsetzt über Architekten-Insolvenz

 

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