Rückzug als Präsident Mehr Urlaub wagen: Was Hoeneß nach seinem Abschied plant

Uli Hoeneß am Tegernsee mit seiner Frau Susi, mit der er seit 1973 verheiratet ist, und Hund Ben. In Zukunft will der scheidende Bayern-Präsident gerne mehr Urlaub machen – Australien würde ihn reizen. Foto: Maximilian Koch

Uli Hoeneß zieht sich als Präsident des FC Bayern zurück, er will mehr Zeit mit der Familie und dem Hund Ben verbringen, will reisen, Golf spielen – und natürlich "wie eine Glucke" über den Verein wachen.

 

München - Uli Hoeneß ist sehr nah am Wasser gebaut. Er wird am Freitag bei seiner Verabschiedung auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern weinen, richtig schluchzen. Jede Wette.

Weil es ein einziger Triumphmarsch wird. Bis zu 10.000 Mitglieder, glühende "Ulianer", werden die Olympiahalle in einen Wallfahrtsort aus Dankbarkeit und Wehmut verwandeln.

Vor Jahresfrist, auf der Jahreshauptversammlung 2018, gab es derbe Kritik und lauten Unmut. Er betreibe "Vetternwirtschaft", liefere "eine One-Man-Show", lauteten die Vorwürfe. Dass diese von einem Fan kamen, hat Hoeneß "überrascht und sehr betroffen gemacht." Es dauerte lange, bis er die Anklagerede eines Mitglieds verarbeitet hatte, ursächlich für seinen Rückzug als Präsident war sie jedoch nicht.

Hoeneß Rücktritt: Der radikalste selbstbestimmte Einschnitt

"Großteils unsachlich", sei die Kritik gewesen, "das war ja die Krux". Dass solch schwere Geschütze aus den eigenen Reihen erfolgten, war eine neue Dimension vor dem Hintergrund seiner ausgeprägten Streitkultur über die vier Jahrzehnte als Manager und Präsident. Der Präsident Hoeneß geht. "Als selbstbestimmter Einschnitt ist es sicher der radikalste", wie er findet.

Im Aufsichtsrat wechselt der 67-Jährige nur das Amt, gibt den Vorsitz ab, behält Sitz und Stimme. Über seine Zukunft wolle er "am Samstag nachdenken, wenn ich zu Hause am Tegernsee aufwache". Als Ex-Präsident, der sein Büro für seinen Nachfolger Herbert Hainer geräumt hat. Doch kann er, der sich weiter als Anwalt und erster Fan des Vereins sieht, wirklich loslassen? Seine Nachfolge ist geregelt. "Viele Betriebe gehen kaputt, weil der Alte nicht loslassen kann und alles besser weiß", sagte er dem vereinseigenen Mitgliedermagazin "51", "so bin ich nicht. Ich greife nur ein, wenn ich sehe, dass etwas falsch läuft."

Uli Hoeneß: "Mein Leben ist total in Balance"

Und dann greift er auch zum Telefonhörer. Wie am vergangenen Sonntag, als er in der Sendung "Doppelpass" bei Sport1 anrief, um eine Verteidigungsrede für Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu halten. Aus dem Bauch, aus der Emotion – aber immer berechnend. Anrufe in Redaktionen und bei Reportern, deren Storys ihm widerstreben, werden sich wieder häufen. Die frühere Abteilung Attacke, einst Standard-Werkzeug und Kalkül, erlebt eine Renaissance, wie er bereits ankündigte.

Und sonst? Er versichert: "Mein Leben ist total in Balance." Man mag es kaum glauben, da ihn der Abschied so aufwühlt. Verständlicherweise. Sein Rückzugsort wartet, speziell seine Frau Susi, ewiger Rückhalt, die er 1973 – beide waren 21 Jahre jung – heiratete. "Ich hatte immer das Glück, dass ich mich in der Familie fallen lassen konnte und entdecke gerade das Familienleben neu. Meine beiden Enkel sind eine wahre Freude."

Er will mehr Zeit mit der Familie verbringen. Mit Hund Ben, einem Labrador-Mischling, Spaziergänge machen, das Golf-Handicap (aktuell 25) wieder verbessern und – man höre und staune – mehr Urlaub wagen. Neuseeland und Australien würden Susi und ihn reizen, "da waren wir noch nie".

Lange Reisen sind wegen Hund Ben schwierig

Der Haken: Die Liebe zu Ben. "Daher sind lange Reisen leider schwierig. Bei uns zuhause ist ein Hund ein Familienmitglied, das sehr stark im Mittelpunkt steht." Nebenbei will er sich als Vorsitzender des Kuratoriums der Dominik-Brunner-Stiftung weiter engagieren, das ist ihm wichtig.

"Ich habe meinen Job bei Bayern wahnsinnig gerne gemacht, habe mich immer unheimlich reingehängt, alles gegeben", sagte er und bilanzierte voller Stolz: "Ich glaube, das Ergebnis ist nicht so schlecht." Hoeneß geht, verlässt Bayerns "Inner Circle", um dabei laut auszurufen: "Ich bin nicht aus der Welt." Er wird weiter Spieler zu sich nach Hause zum Essen einladen, ein Kümmerer und Ratgeber im Vertrauen sein. Um den Puls seiner zweiten Familie, des Vereins und der Mannschaft, zu fühlen. Er sieht sich als "Elder Statesman", wie er es nannte. Wird er jedoch in Wahrheit ein Strippenzieher aus dem Hintergrund, die schlaue – und graue – Eminenz vom Tegernsee?

Ein Uli Hoeneß geht niemals so ganz. Das war’s noch nicht. Bestimmt nicht.

Lesen Sie hier: Dieter Hoeneß erinnert sich an die Jugend mit Uli

 

6 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading