Rückkehr vom SV Darmstadt TSV 1860: Daniel Bierofka gibt Romuald Lacazette eine Chance

Einst von Daniel Bierofka als "Tier" geadelt, zuletzt aber völlig außer Form: Romuald Lacazette (r.) gegen Osnabrück. Foto: imago

Seit seiner Rückkehr vom SV Darmstadt 98 ist Romuald Lacazette nicht mehr der Alte. Nach dem Ausfall von Moll ergibt sich nun eine neue Gelegenheit für ihn beim TSV 1860. "Ich versuche, ihn zu unterstützen", sagt Bierofka.

 

München - Daniel Bierofka ist ein Mann, der nicht allzu oft ins Schwärmen gerät. In diesem Fall und bei diesem jungen Kicker verhielt es sich anders. "Er ist ein Tier, ein Krieger auf dem Platz", erklärte der Trainer des TSV 1860 über Romuald Lacazette – vor langer, langer Zeit. Im Jahre 2016 war das, als der Zweitliga-Profi der Sechzger nach überstandenem Mittelfußbruch bei U21-Coach Bierofka ausgeholfen hatte.

Seitdem ist beim TSV 1860 viel passiert. Absturz aus dem Fußball-Unterhaus bis in die Regionalliga, Aufstieg und Wiedergeburt unter Vereins-Ikone Bierofka bis hin zum aktuellen Tabellenrang zehn in der Dritten Liga. Mittelfeld-Mann Lacazette floh bekanntlich nach dem Abstieg zum SV Darmstadt 98, wo er sich nicht durchsetzen konnte – und von wo er im Sommer 2018 letztlich als Leih-Löwe zum Nulltarif auf Giesings Höhen zurückkehrte. Ein Transfer, der für 1860 billig wie sinnig war. Einzig: Der 25-Jährige ist nicht mehr der Alte.

Lacazette muss seine Aggressivität wiederfinden

"Ich rede viel mit Romu und versuche, ihn viel mit Einzelgesprächen zu unterstützen", erklärte Bierofka kürzlich über seinen Schützling, "aber im Endeffekt liegt es an ihm: Er muss diese Aggressivität wiederfinden. Diesen Drive, den er noch vor zwei, drei Jahren hatte." Klar ist: "Krieger" Lacazette steht derzeit ohne seine größten Waffen da.

Die da wären? Bierofka zählt auf: "Die Präsenz, diese extreme Leidenschaft, dieses Sich-Zerreißen auf dem Platz – das würde ich gerne wieder sehen von ihm." Es sind Eigenschaften, die schon Sechzigs Übungsleiter selbst in seiner aktiven Laufbahn auszeichneten. Eigenschaften, die er jetzt von seinen Spielern sehen will. Lacazette ist seine absolute Aufopferungsbereitschaft aber abhandengekommen.

Für Lacazette ergibt sich beim TSV 1860 eine Chance

"Er hatte eine schwere Zeit in Darmstadt", weiß Bierofka, denn es sei "nicht einfach, wenn du in anderthalb Jahren kein Spiel machst". Exakt drei Kurzeinsätze waren es in den ersten sechs Spieltagen der vergangenen Spielzeit, bevor Lacazette bei den Lilien kein einziges Mal mehr auch nur im Kader gestanden hatte. Aber, so Bierofkas Ansage an den Cousin von Weltstar Alexandre Lacazette vom FC Arsenal: "Wir werden den Jungen nicht in die Ecke stellen – im Gegenteil: Jeder Spieler, der da ist, ist für mich wichtig. Ich versuche, jeden Spieler zu unterstützen."

Im Falle von Lacazette, der bisher nur 298 Spielminuten bei sechs Teilzeit-Einsätzen und nur einem Spiel über 90 Minuten anhäufen konnte, ergibt sich nun eine Chance. Nach dem Kreuzbandriss von Taktgeber Quirin Moll wird Bierofka ein Führungs-Löwe und Leistungsträger im Zentrum fehlen, an dem bisher kein Vorbeikommen war. Erster Anwärter ist jener Mann, der zuletzt beim 1:2 gegen Tabellenführer VfL Osnabrück erneut nur spät eingewechselt worden war: Lacazette.

Vielleicht findet der Leidens-Löwe, der nicht zuletzt für einen neuen Vertrag bei 1860 kämpft (läuft im Juni aus), seine Leidenschaft und die alte Form durch Spielpraxis wieder. Bierofka sagt zwar: "Entscheidend ist: Training, Training, Training! Wenn er sein Können dort abrufen kann, wird er es auch im Spiel zeigen." Wäre aber nicht das erste Mal, dass das Phänomen, gebraucht zu werden, einen Fußball-Profi wieder auf den richtigen Weg führt. Gesehen auch schon bei Lacazette: Als Bierofka sein "Tier" das einzige Mal über 90 Minuten ran ließ, gelang ihm beim 2:0 über Eintracht Braunschweig eine starke Leistung – inklusive Assist.

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