Weihnachtsbotschaft Papst: Verschiedenheit der Menschen ist Reichtum

Papst Franziskus (M) winkt vom Hauptbalkon der Peterskirche im Vatikan. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Die Liste an Konflikten und Kriegen in der Welt ist lang. Papst Franziskus hegt an Weihnachten den Wunsch, dass sich die Menschen auf ihre Verbundenheit besinnen. Und Vielfalt schätzen, nicht fürchten.

Rom - Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsbotschaft angesichts von Konflikten und Kriegen zu Toleranz und Zusammenhalt zwischen den Menschen aufgerufen.

"Unsere Verschiedenheit schadet uns (...) nicht, sie bedeutet keine Gefahr; sie ist vielmehr ein Reichtum", sagte das Katholikenoberhaupt am ersten Weihnachtsfeiertag von der Loggia des Petersdoms vor rund 50 000 Menschen auf dem Petersplatz in Rom. "Es ist wie bei einem Künstler, der ein Mosaik gestalten will: Es ist besser, Steine mit vielen Farben zur Verfügung zu haben, als nur mit wenigen Farben zu arbeiten!"

Die universale Botschaft von Weihnachten sei, dass "wir alle Geschwister sind", sagte der Argentinier am Dienstagmittag. "Ohne die Geschwisterlichkeit, die Jesus uns geschenkt hat, behalten all unsere Bemühungen um eine gerechtere Welt einen kurzen Atem, und selbst die besten Vorhaben drohen seelenlose Strukturen zu werden." Trotz Verschiedenheiten und Uneinigkeiten halte ein "unauflösliches Band" die Menschen in ihrer Vielfalt der Ethnien, Sprachen und Kulturen zusammen.

Bevor der Argentinier den traditionellen "Urbi et Orbi"-Segen spendete, ging er auf Konflikte und Kriege in aller Welt ein. Der Pontifex äußerte die Hoffnung, dass Israelis und Palästinenser mit Dialog den jahrzehntelangen Konflikt beenden. Mit Blick auf den Syrien-Krieg forderte er einen entschiedenen Einsatz der internationalen Gemeinschaft für eine politische Lösung, "die die Spaltungen und Einzelinteressen beiseitelässt". "Für den Jemen hege ich die Hoffnung, dass die von der internationalen Gemeinschaft vermittelte Waffenruhe den vielen Kindern und der von Krieg und Hunger erschöpften Bevölkerung endlich Erleichterung bringen kann."

Franziskus sprach auch die Krisen in Venezuela, Nicaragua und in der Ukraine sowie das vielerorts herrschende Elend in Afrika an. Nord- und Südkorea mögen "auf dem eingeschlagenen Weg der Annäherung" voranschreiten, sagte der Papst. Er gedachte auch der Christen, die Weihnachten an einigen Orten der Welt als Minderheit "in einem schwierigen - um nicht zu sagen: feindseligen - Umfeld feiern".

Die Weihnachtsbotschaft und der päpstliche Segen sind neben der Christmette an Heiligabend die Höhepunkte der Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan. In dem Gottesdienst am Montagabend hatte Papst Franziskus Gier und Maßlosigkeit beklagt.

Im Heiligen Land rief das dortige Oberhaupt der katholischen Kirche die Christen dazu auf, in den Städten zu bleiben, in denen Jesus geboren wurde, lebte und starb. "Jesus wurde in Bethlehem geboren", sagte der lateinische Patriarch Pierbattista Pizzaballa in der St. Katharinenkirche neben der Geburtskirche in Bethlehem bei der Mitternachtsmesse. Die Zahl der Christen in der Region ist angesichts der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter geschrumpft.

Das israelische Statistikbüro teilte zu Weihnachten mit, in Israel lebten gegenwärtig rund 175 000 Christen. Demnach machen sie etwa zwei Prozent der Bevölkerung aus. Die Zahl der Christen in den Palästinensergebieten wird auf 50 000 geschätzt.

 

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