Revolverheld-Sänger Strate im AZ-Interview Vor dem Duell mit dem FC Bayern: "Der Titel 2004 war mein schönster Werder-Moment"

Großer Werder-Fan: Johannes Strate (2.v.l.). Foto: privat

Revolverheld-Sänger Johannes Strate spricht in der AZ über seinen Lieblingsklub Werder Bremen, das Duell mit dem FC Bayern und Fußball-Lieder: "Nicht gerade Jazz, aber ich finde die Tradition gut"

 

Neben der Musik hat Johannes Strate eine weitere glühende Leidenschaft: Der 39-jährige Frontmann von "Revolverheld" wurde in Bremen geboren und ist großer Werder-Fan. Am 5. Juli 2020 spielt die Band auf dem Tollwood-Festival.

AZ: Herr Strate, spielen Sie eigentlich gern in München?
JOHANNES STRATE: Meinen Sie jetzt die Band oder Werder?

Sie dürfen beides verraten.
Mit Revolverheld bin ich sehr gerne in München, wir haben dort ja eine echte Fan-Hochburg. Angefangen haben wir mal mit 200 Fans im Backstage, das ging dann bis hin zu Konzerten in der Olympiahalle. Quasi ein Aufstieg von der Kreisliga in die Bundesliga. Für Werder hingegen ist München oft ein hartes Pflaster.

Auch am Samstag? Bayern dürfte nach zwei Niederlagen sehr motiviert sein.
Bayern steht mit dem Rücken zur Wand. Wenn es jetzt auch noch eine Niederlage gegen Werder gibt, explodiert da eine Bombe. Den Trainer hat Bayern schon gewechselt, die Mannschaft hat Wut im Bauch. Ich erwarte einen Gegner, der mit einem 5:0 oder 6:0 ein richtiges Zeichen setzen will. Frohen Mutes bin ich nicht unbedingt.

Johannes Strate von Revolverheld ist Werder-Bremen-Fan

Haben Sie Angst vor einem Werder-Abstieg?
Die Angst ist absolut da. Wir sind in einen Strudel hineingeraten, deshalb halte ich alles für möglich. Es ist eine zerfahrene, katastrophale Saison. Wir hatten schon zehn, elf Verletzte, das ist aus meiner Sicht kein Zufall. Da stimmt etwas nicht mit der Belastungssteuerung. Und es gibt eine Parallele zu Bayern: Werder verliert oft Spiele trotz Überlegenheit. Das gesteckte Ziel Europa ist in weiter Ferne.

War dieses Ziel, die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb, vielleicht zu optimistisch formuliert?
Ich denke nicht, wir haben einen guten Kader. Und hohe Ziele sind generell gut. Ohne all die Verletzten wäre es vielleicht anders gelaufen.

Wer ist Ihr Werder-Held?
Aufgewachsen bin ich mit Rune Bratseth. Ein ruhiger, besonnener Kerl, ein Baum von einem Mann, ein echter Libero. So einen Spieler, einen Bratseth, würde ich mir in der Mannschaft von 2019 wünschen.

Claudio Pizarro ist 2019 im Alter von 41 Jahren immer noch aktiv.
Pizarro ist natürlich eine Legende. Ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler, der ja auch in München sehr beliebt ist. Ihn muss man natürlich auch nennen, ebenso Johan Micoud. Ein Genie, einer der besten Werder-Spieler der Historie.

Woher kommt Ihre große Leidenschaft für Werder?
Mein Vater war schon Werder-Fan, ich wurde da reingeboren. Eine Zeit lang, während meines Studiums, habe ich ganz in der Nähe des Weserstadions gewohnt. 2004 habe ich die Mannschaft sogar am Flughafen abgeholt.

Nach dem Meistertitel, der in München perfekt gemacht wurde?
Genau. Uli Hoeneß hatte vor dem Spiel ja noch getönt, dass Werder auf keinen Fall in München Meister werden würde. Und dann haben wir 3:1 gewonnen. In der Stadt herrschte Ausnahmezustand, es war wohl ähnlich wie bei Leicester City 2016. Der Titelgewinn 2004 war eindeutig mein schönster Werder-Moment.

Verbindet Sie auch etwas mit dem FC Bayern?
Durchaus. Ich habe einige große Bayern-Spiele live im Stadion gesehen, zum Beispiel das Champions-League-Finale in Wembley 2013.

Haben Sie zu Bayern oder Dortmund gehalten?
(lacht) Das ist jetzt ein bisschen blöd. Da ich mit Sebastian Kehl befreundet bin, gehörten meine Sympathien dem BVB. Hat aber leider nix gebracht.

Und dann mussten Sie sich auch noch den Bayern-Song "Stern des Südens" anhören. Gefallen Ihnen solche Fußball-Lieder generell?
Diese Lieder sind ja textlich nicht allzu komplex gehalten, damit jeder Fan mitsingen kann. Das ist jetzt nicht gerade Jazz (lacht). Aber ich finde es gut, dass es solche Lied-Traditionen gibt. Da sind sich Bayern und Werder ähnlich.

Was halten Sie von Trainer Florian Kohfeldt?
Ich habe ihn schon kennenlernen dürfen. Er ist ein ruhiger, angenehmer Typ. Und natürlich ein Trainer mit viel Potenzial. Die ganze Familie Kohfeldt ist sehr sympathisch, seine Frau kommt regelmäßig zu unseren Konzerten.

Sie sind Werder auch abseits des fußballerischen Geschehens verbunden, engagieren sich bei dem Projekt "Lebenslang umweltbewusst". Worum geht es da genau?
Werder ist gemeinsam mit dem SC Freiburg der nachhaltigste Verein der Bundesliga. Wir haben eine Photovoltaik-Anlage auf dem Stadion-Dach, ich setze mich dafür ein, dass es weniger Plastikbecker gibt und nachhaltiges Essen verkauft wird. Da können die Bundesliga-Klubs insgesamt noch mehr machen.

Und was tun Sie privat für eine bessere Umwelt?
Ich lebe ja in Hamburg, gehe oft zu Fuß in die Stadt oder fahre mit dem Rad. Das ist in einer Großstadt möglich und viel praktischer als mit dem Auto. Außerdem kaufe ich auf Märkten ein, spare mir so die Verpackung. Da gibt es ja auch in München viele Möglichkeiten. Ich versuche auch, meinen Sohn in diese Richtung zu erziehen. Er will auf der einen Seite Dinosaurier-Forscher werden, sich aber auf der anderen Seite einfach um die Welt kümmern.

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