Renault drängt in die Mittelklasse Der Talisman soll Glück bringen

Der Talisman trägt das aktuelle Renault-Gesicht - und wirkt schon auf den ersten Blick durchaus eindrucksvoll. Foto: Rudolf Huber

Die Mittelklasse ist in Deutschland fest in deutscher Hand. Doch Renault drängt mit dem feschen Talisman ins Revier von Passat, Modeo und Insignia.

 

München - Renault und Mittelklasse? Ja, stimmt, da war mal was. Laguna hieß das Modell, in Deutschland landete es eher einen Achtungserfolg. Das soll jetzt besser werden. Der Talisman ist angetreten, um die Vorherrschaft von Passat, Insignia und Mondeo zumindest ein bisschen zu untergraben. Die Voraussetzungen dazu bringt der Franzose auf jeden Fall mit: Er ist ein großes, schickes und eindrucksvolles Auto das reichlich Fahrspaß vermittelt und technisch voll auf der Höhe der Zeit ist.

Das Design des Talisman (Glücksbringer) orientiert sich an der aktuellen Renault-Couture, er ähnelt also Espace oder Kadjar – und das ist definitiv kein Schaden. In eine Limousine mit 4,85 Meter Länge übersetzt machen diese Formen einen elegant-zurückhaltenden Eindruck und bereiten recht gut auf das vor, was die Nutzer im Inneren erwartet: nämlich reichlich Platz und angenehme, gut verarbeitete Materialien. Die vorderen Fauteuils sind groß dimensioniert und bequem, hinten reicht der Raum entspannt für drei Erwachsene. Und der Kofferraum erübrigt mit seinem Volumen von 608 Litern (mit umgeklappten Rücksitzlehnen 1022 Litern) die Diskussionen über das Reisegepäck: Da darf auch gern mal ein Koffer mehr mit auf die große Reise!

Alles drin! Der Talisman überzeugt

Das Fahrwerk haben die Franzosen ganz besonders fein hingekriegt. Dank recht guter Geräuschdämmung sitzen die Passagiere wie in einer ruhigen Kapsel, werden auf Wunsch mit einem sehr komfortablen oder mit einem etwas sportlicheren Fahrverhalten verwöhnt. Eingestellt wird das per Dreh-/Drückschalter auf dem Mitteltunnel oder per Fingertipp auf dem großen Display, das schon aus dem Espace bekannt ist. Bequeme oder knackige Federung, sanfte oder straffe Lenkung, dazu die Farbe der Ambientebeleuchtung und die Massageintensität der Vordersitze – all das lässt sich nach kurzer Eingewöhnung recht flink ganz individuell ganz nach persönlichem Geschmack einstellen.

Der Fahrerarbeitsplatz ist gelungen, über den großen Touchscreen lassen sich fast alle Funktionen steuern.

Im AZ-Test überzeugte der Talisman mit seinen Tourer-Talenten: Er gleitet souverän über die Autobahn, schwingt dynamisch auch durch enge Kurven, ist komfortabel und vertrauenerweckend stabil. Wichtigen Anteil an diesem Eindruck hatte beim Testwagen auch die Motor-/Getriebe-Kombination. Der nur 1,6 Liter große Diesel bringt seine Leistung von 160 PS derart unaufgeregt und überzeugend auf die Straße, dass man ihm (auch akustisch) locker ein bis zwei Liter Hubraum mehr zutrauen würde. Die leichte Anfahrschwäche kompensiert das fein abgestimmte Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe auf sehr angenehme Art und Weise. Der Talisman ist natürlich kein Sportwagen, aber auf Wunsch immerhin 215 km/h schnell. Und den 100er-Sprint schafft er in 9,4 Sekunden – angesichts eines Leergewichts von knapp 1.6 Tonnen ein guter Wert. Beim Verbrauch hielt sich der große Franzose dezent zurück, im Schnitt schluckte er 6,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer, lange, schnelle Autobahnetappen inklusive.

Alles drin! Diesen Eindruck vermittelt das üppige Ausstattungspaket der Version Intens. Von der Zwei-Zonen-Klimaautomatik über die schon erwähnte Einstellmöglichkeit für die Fahrzeugcharakteristik, Voll-LED-Scheinwerfer mit Fernlichtautomatik oder die Verkehrszeichenerkennung mit Tempowarner ist alles drin. Dieses Paket kostet vergleichsweise günstige 35 200 Euro, der AZ-Testwagen war unter anderem noch mit beheizbarem Lenkrad, adaptivem Tempopiloten bis 140 km/h, Head-up-Display, sehr nervösen Seiten-Parksensoren, Leder, Alus und Bose-Soundsystem ausgestattet und repräsentierte damit einen Kaufpreis von ganz exakt 43 550 Euro.

 

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