Renaissance der alten Rivalen Borussia Mönchengladbach gegen FC Bayern: Der ewig junge Klassiker

Legenden der 70er-Jahre: Am Gladbacher Bökelberg lieferten sich die Fohlen um Günter Netzer, Jupp Heynckes, Berti Vogts rassige Duelle mit den damaligen Bayern-Stars Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß oder Gerd Müller. Foto: AZ-Montage, imago/Kicker/Eissner/WEREK/Werner Otto/Thomas Zimmermann/

Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern elektrisierte in den 70er-Jahren ganz Deutschland. Am Samstag steht nun das 103. Duell beider Vereine an – und diesmal sind die Vorzeichen ähnlich wie damals.

 

München/Mönchengladbach - Es war das Bundesliga-Duell der 70er-Jahre. Die Dauer-Rivalität zwischen der Borussia aus Mönchengladbach und dem FC Bayern elektrisierte das ganze Land. Selbst wer kein Fohlen- oder Bayern-Fan war, konnte sich diesen teils epischen Schlachten um die Vorherrschaft im deutschen Fußball kaum entziehen. Verdammt lang her!

Am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker) treffen die Mannschaften beider Vereine nun schon zum 103. Mal aufeinander. Und diesmal erinnern die Vorzeichen tatsächlich wieder ein wenig an die Zeit zwischen 1969 und 1977. Als die Bayern und die Fohlen den Titel ausschließlich unter sich ausmachten – und auch international kaum zu schlagen waren. Kommt es also zur Renaissance der alten Rivalen?

Trotz Tabellenführung und neun Siegen in 13 Spielen – über den Titel machen sich die Borussen-Bosse aktuell noch keine Gedanken. Aber mit Trainer Marco Rose und dank seines offensiven Spielstils ist am Niederrhein die Hoffnung zurückgekehrt, den Bayern diesmal etwas mehr Paroli bieten zu können als beim 1:5-Debakel Ende März diesen Jahres.

Matthäus warnt Bayern vor Gladbach

Auch Lothar Matthäus ist davon fest überzeugt. Wie viele andere prominente Bundesliga-Kicker (Giovane Elber, Dante usw.) war er während seiner aktiven Karriere für beide Vereine am Ball. Matthäus spielte fünf Jahre (1979 - 1984) für Borussia Mönchengladbach und lief insgesamt 302 Mal für die Bayern auf. Sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Stefan Effenberg wechselte in seiner Bundesliga-Karriere sogar gleich zwei Mal von Mönchengladbach nach München.

In seiner "Sky"-Kolumne warnte Matthäus jetzt explizit vor dem Gladbacher Überfall-Fußball: "Wie immer müssen sie bei Ballverlusten extrem aufpassen, damit sie gegen die schnellen Gladbacher nicht ähnliche Tore kassieren wie von Leverkusen." Gegen die Werkself hatten die Bayern am Samstag 1:2 verloren. "Balleroberung, Gegenpressing, Umschaltspiel" – all das beherrschten auch die Gladbacher nahezu perfekt. Matthäus geht sogar noch weiter in seiner Analyse. Die aktuelle Fohlen-Elf erinnere ihn an das erfolgreiche Gladbacher Team der 70er Jahre, so der Rekordnationalspieler.

Mit so prominenten Namen wie Günter Netzer, Berti Vogts, Rainer Bonhof, Allan Simonsen oder Wolfgang Kleff holten die von Hennes Weisweiler, der am Donnerstag seinen 100. Geburtstag feiern würde, trainierten Gladbacher zwischen 1970 und 1977 fünfmal die Schale (1970, ‘71, ‘75, ‘76, ‘77).

Gladbach konnte an die Fohlen-Ära nie anknüpfen

Die Bayern nur einmal weniger (1969, ‘72, ‘73, ‘74). Dafür gewannen Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier und Co. in dieser Zeit zusätzlich noch drei Mal den Europapokal der Landesmeister (1974, ‘75, ‘76), die heutige Champions League, während Gladbach "nur" eine Etage tiefer, im Uefa Cup (1975, ‘79) reüssierte. Die Mischung aus beiden Mannschaften war sogar fast unschlagbar. So bestand die Nationalelf beim EM-Sieg 1972 und zwei Jahre später bei der Weltmeisterschaft natürlich zu einem großen Teil aus Bayern- und Gladbacher Spielern.

Auch wenn die Fohlen seitdem nie wieder an diese Ära anknüpfen konnten, geschweige denn in der Bundesliga in Titelnähe kamen, sind sie seit dieser Zeit eine Art Angstgegner für die Münchner. Das belegen auch die Zahlen. Mönchengladbach gewann mehr Heimspiele in der Bundesliga gegen die Bayern als jeder andere Klub (20). Und: Bei keinem anderen aktuellen Bundesligisten hat Bayern eine so schlechte Auswärtsbilanz wie bei der Borussia. Außerdem: Gegen keinen anderen Verein kassierten die Bayern so viele Gegentore wie gegen den VfL (128).

Jupp Heynckes entwickelte sich zum Bayern-Schreck

Verantwortlich dafür war unter anderem ein gewisser Jupp Heynckes. Der spätere Triple-Trainer des FC Bayern hatte schon während seiner Zeit als Fohlen-Stürmer ein spezielles Faible für den großen Rivalen. Neun Tore in 19 Spielen – gegen kein anderes Team traf Heynckes öfter. Übrigens auch am 21. Mai 1977 beim legendären 2:2 im Olympia-Stadion, mit dem sich die Fohlen am 34. Spieltag bislang zum letzten Mal die deutsche Meisterschaft sicherten.

Und diese Saison? Die Ziele sind am Niederrhein offiziell bescheiden. Matthäus ist sich dagegen sicher: "Gladbach wird bis zum Ende oben in der Tabelle mitmischen und mindestens einen Champions-League-Platz erreichen."

Abwarten. Am Samstag könnte zumindest in Sachen Herbstmeisterschaft schon mal eine kleine Vorentscheidung fallen.

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