Räumung unter den Isarbrücken Obdachlose: "Lieber unter der Brücke als in der Bayernkaserne"

Am 5. April dieses Jahres brannte es schonmal im Obdachlosenlager unter der Reichenbachbrücke. Foto: Lino Mirgeler/dpa

In der Debatte um die Unterbringung von Obdachlosen in München melden sich nun die Betroffenen selbst zu Wort und erklären, warum sie lieber unter der Brücke als in der Bayernkaserne übernachten.

 

München - Die Diskussion um den Verbleib der Münchner Obdachlosen, die unter den Isarbrücken wohnen, geht weiter. Am Donnerstag schon soll das Lager unter der Reichenbachbrücke geräumt werden. Sozialreferentin Dorothee Schiwy hatte die Räumung mit der Sorge um die Gesundheit der Menschen begründet.

Dabei müssten die dort Lebenden nicht nur vor Feuer - vergangene Woche hatte es ein Feuer unter der Reichenbachbrücke gegeben, am Dienstag brannte es wieder - sondern auch vor Kälte und Hochwasser geschützt werden. Die Lösung der Stadt: Die Obdachlosen sollen in der Bayernkaserne untergebracht werden. Eine ganzjährige Ausweitung des Kälteschutz-Programmes wird derzeit im Stadtrat diskutiert. 

Obdachlose wollen lieber unter der Brücke leben als in der Bayernkaserne

Nun melden sich diejenigen zu Wort, die von den städtischen Entscheidungen betroffen sind – und führen gute Gründe gegen die Kälteschutz-Unterbringung an. In einer Pressemitteilung der Kampagne "Wir wollen wohnen" heißt es: "Wir wohnen derzeit lieber unter der Reichenbachbrücke, als dass wir in der Kälteschutzeinrichtung in der Bayernkaserne übernachten."

Gegen die Kaserne sprechen laut "Wir wollen wohnen" einige Gründe: In der Kaserne könne man sich nicht tagsüber aufhalten, morgens müssten sie das Gelände wieder verlassen. Einen festen Ort, wo die Menschen ihr weniges Hab und Gut lassen können - wie eben bisher unter den Brücken - gibt es dort demnach nicht. Außerdem sei es in der Einrichtung nicht erlaubt zu kochen.

Polizeikontrollen vor der Unterbringung schrecken manche ab

Ein weiteres Problem: "Regelmäßig finden in der Früh am Ausgang des Kälteschutzes große Polizeikontrollen statt, denen wir nicht ausweichen können, wenn wir dort geschlafen haben", heißt es in der Mitteilung. Die Konsequenz daraus sei, dass manche Personen den Kälteschutz nicht in Anspruch nehmen würden, aus Angst verhaftet zu werden. Bei den Kontrollen gehe es oft um Delikte, wie mehrfaches Schwarzfahren. Die Betroffenen rufen zu einer Solidaritätskundgebung am Donnerstag, also am Tag der geplanten Räumung, um 8 Uhr morgens auf.

"Wir wollen wohnen" fordert die Stadt München auf, die Räumungen auszusetzen. Ob die sich von den Argumenten überzeugen lassen, bleibt abzuwarten.

 

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