Prozess in Nürnberg Brutaler Fall aus Franken: Toter Ex im Koffer

Spurensicherer arbeiten an der Böschung, an der eine Frau die Leiche in einem Rollkoffer gefunden hatte. Foto: Goppelt/dpa

Eine Dreiecksbeziehung, viel Alkohol und eine nackte Leiche im Wald: Dieser Fall aus Franken ist bizarr, gruselig und brutal. Am Montag beginnt der Prozess in Nürnberg.

 

Nürnberg - Für die Suche nach der Wahrheit in diesem besonderen Fall aus Franken hat das Nürnberger Landgericht schon einmal mindestens 13 Tage eingeplant. Was bei dem Prozess, der am Montag beginnt, auch noch im Voraus feststeht, ist der Gruselfaktor. Der ist hoch.

Einschlägige Erfahrungen hat in dieser Hinsicht eine Spaziergängerin aus dem mittelfränkischen Roth vor ziemlich genau einem Jahr gemacht. Sie hatte einen Koffer geöffnet, der herrenlos am Fuß einer Böschung neben einer vielbefahrenen Straße lag. Das Bild von der nackten Leiche, die im Koffer steckte, wird sie wahrscheinlich ihr Leben lang nicht mehr los.

Toter mit schweren Verletzungen

Zu den Sachverständigen, die in dem Prozess zu Wort kommen, gehört auch der Gerichtsmediziner, der den Toten obduziert hat. Rippenserienbrüche, ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, ein schweres Rumpftrauma, Hirngewebseinblutungen, Hämatome am Oberkörper und am linken Oberarm: Die bei der Obduktion festgestellten Verletzungen, die den Ermittlungen zufolge letztendlich zum Tod führten, gehören da noch nicht dazu.

Gestorben ist der aus Bamberg stammende Michael Müller (56, Name geändert) laut Gerichtsmedizin an massiven inneren Verletzungen, an den daraus resultierenden Blutungen. Ein Regenschirm hatte sie ausgelöst. Mit dem war der Mann vergewaltigt worden. Doch von wem?

Beziehungs-Wirrwarr mit tödlichem Ausgang

Auf der Anklagebank sitzen Aleksandar J. (35), ein vierfacher Familienvater, und Anja E., die im Verlauf des Prozesses ihren 34. Geburtstag begeht. Beide waren ein Paar und beide bestreiten, den Mann getötet zu haben. Davon hat sich die Staatsanwaltschaft nicht beeindrucken lassen. In der Anklageschrift ist die Rollenverteilung bei der Tat und im vorausgegangenen Beziehungs-Wirrwarr klar definiert. Auch wenn die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass Aleksandar J. derjenige war, der sein Opfer in einer exzessiven Gewaltorgie zu Tode brachte, spielte den Ermittlungen zufolge seine damalige Freundin Anja E. eine zentrale Rolle.

Ihr Mittel, um ihren damals gerade aktuellen Freund Aleksandar zum Werkzeug zu machen, war laut Anklage sehr einfach. Die perfide Lüge, ihre Tochter sei von Michael vergewaltigt worden, die sie ihm ins Ohr setzte, reichte anscheinend aus. Hochgradig problematisch war die Beziehung von Anja E. zu den beiden Männern schon vorher. Aleksandar war ihr aktueller Freund, Michael, das spätere Opfer, sein Vorgänger. Weil der in Bamberg aus seiner Wohnung geflogen war, nahm ihn seine Ex bei sich auf. Das Chaos war in dem Milieu, in dem Alkohol den Takt bestimmte, damit vorprogrammiert.

Angriffe bereits vor der tödlichen Tat

Zu Gewaltexzessen kam es schon vor der tödlichen Tat. Mehrmals war Anja E. demnach mit einem Messer auf ihren Ex-Freund losgegangen, einmal rammte sie es ihm sogar in die Seite, so stark, dass die Spitze abbrach und steckenblieb. Der entscheidende Hinweis, der zur Festnahme von Anja E. und ihrem Freund führte, kam von einer Bekannten. Ihr gegenüber hatte Anja E. am Telefon mit der Tat geprahlt. In den Vernehmungen wollte sie davon aber nichts mehr wissen.

Die Staatsanwaltschaft hat Aleksandar J. neben einigen kleineren Delikten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Totschlag mit Freiheitsberaubung angeklagt. Anja E. muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchten Totschlag und gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

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