Prozess in München Sex in Kaserne: Soldat infiziert Soldat mit HIV

Der ehemalige Stabsunteroffizier Steven P. (27) vor dem Münchner Landgericht. Er gesteht, dass er zwei Kameraden mit dem HI-Virus infiert hat. Foto: th

Der Angeklagte Steven P. lernt die Männer über ein Portal im Internet kennen. Beim Sex in der Soldatenunterkunft verschweigt der 27-Jährige seine Infektion.

 

München - Den Kopf gesenkt, den Blick auf den Boden: Den Fotografen weicht der ehemalige Stabsunteroffizier Steven P. im Münchner Landgerichtssaal aus. Er schämt sich für seine Tat: Der 27-Jährige infiziert beim Sex in der General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking seinen Kameraden Hans B. (34, Name geändert) mit dem HI-Virus.

Dafür sitzt er jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank – erneut. Denn bereits im Juli verurteilt ihn eine Strafkammer zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis, weil er den Soldaten Frank G. (28, Name geändert) aus Halle, der in Feldafing auf Lehrgang gewesen ist, beim Geschlechtsverkehr mit dem Virus ansteckt.

Durch den öffentlichen Prozess im Sommer erfährt erst das zweite Opfer Hans B. dass der Angeklagte bereits vor der gemeinsamen Nacht weiß, dass er seit 2008 infiziert ist. Hans B. vor Gericht: „Beim Sex fragte ich ihn, ob er gesundheitlich okay ist. Er sagte ja. Man glaubt seinen Kameraden. Erst später schickte er mir eine SMS.“

Die habe sich aber so gelesen, als habe Steven P. erst nach ihrem Treffen von der Krankheit erfahren. „Ich bin dann sofort zum Staatsanwalt und habe Anzeige erstattet“, sagt Hans B. Über ein Internetportal lernen sie sich vor dem Oktoberfest 2009 kennen. Die beiden Zeitsoldaten vereinbaren ein Treffen in der Kaserne.

Es kommt zu Intimitäten. Bei dem einen Treffen bleibt es. Erst zwei Monate später klärt ihn der Angeklagte auf. Hans B.: „Ich bin zum Arzt und habe meiner damaligen Lebenspartnerin alles gebeichtet.“ Mittels Medikamenten habe er die Krankheit im Griff. In der Zeit als Steven P. seinen Kameraden Hans B. infiziert, hat er auch Sex mit Frank G.

Der ging damals sofort zur Polizei. Die Folgen: Steven P. wird aus der Fernmeldeeinheit sofort unehrenhaft entlassen. „Ich bin dann bei einer Zeitarbeitsfirma in der IT-Branche tätig gewesen – bis zu meiner Haft 2013“, sagt der Angeklagte, der zuletzt 1500 Euro netto verdient.

Mit 21 Jahren merkt Steven P., dass er homosexuell ist: „Meine Familie und Freunde gehen damit offen um.“ Steven P. soll sich auch beim Sex infiziert haben. Er nimmt Medikamente, damit Aids nicht ausbrechen kann. Im Gefängnis arbeitet Steven B. in einer Schreinerei, verdient 9 Euro und 41 Cent am Tag. Vermögen habe er keines.

Nur einen alten VW-Passat. Deshalb ist fraglich, ob der Angeklagte jemals den Opfern ein Schmerzensgeld bezahlen kann. Schriftlich habe er sich für seine Taten entschuldigt. Vor Gericht wiederholt er: „Es tut mir wahnsinnig leid.“ Das erste Urteil wird in dem neuen Verfahren mit einbezogen. Sein Verteidiger Alexander Eckstein, meint, dass das Urteil, das am 12. Dezember, fallen soll, dann nicht unter fünf Jahren Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung lauten wird.

 

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