Prozess in München Passanten geschlagen: Jagdszenen aus Oberbayern

Der Angeklagte mit seinem Anwalt Stefan Korn. Foto: Daniel von Loeper

Ein junger Mann soll Passanten geschlagen und mit dem Messer attackiert haben. So lief der Prozess in München.

 

München - Es kam wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel. Pavel T. (34, Namen geändert) war mit Freunden unterwegs, man wollte am 21. September des vergangenen Jahres nach einem Grillfest den Abend in einer Tölzer Gaststätte ausklingen lassen.

"Eine Person kam mir entgegen, die mich beleidigte und mich dann angriff." So erinnert sich das Opfer am Freitag als Zeuge im Prozess gegen Ben R. (25), dem unter anderem versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird.
Wie es sich die stark blutende Platzwunde an der Stirn zugezogen hat, weiß das 34-jährige Opfer aber nicht mehr. Pavel T. spricht lediglich von einem "Körperkontakt".

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er mit einem Freund an dem Angeklagten vorbeigehen wollten, als dieser den 34-Jährigen beleidigte. Pavel T. habe sich umgedreht und sei von einem Faustschlag im Gesicht getroffen worden. Opfer und Täter stürzten zu Boden. Der 34-Jährige schlug dabei mit dem Kopf auf.

Mit dem Messer ging er auf sein Opfer los

Doch die Sache war damit noch nicht ausgestanden. Die Freunde diskutierten mit dem Angreifer, es kam zu wechselseitigen Beleidigungen. Schließlich zückte Ben R. ein Messer und lief seinen Opfern hinterher. So lange, bis er einen Mann aus der Gruppe, Boris G., auf dem Parkplatz der Gaststätte stellen konnte. Er schrie laut Anklage "Ich töte dich, du Wichser". Boris G. ergriff verängstigt die Flucht, blieb aber kurz am Fahrradträger eines Autos hängen und verlor hierdurch das Gleichgewicht. Er verdrehte sich das linke Knie und fiel hin. Dadurch konnte ihn der Angeklagte einholen. Ben R. stach zu, traf sein Opfer aber nur leicht am Rücken. Boris G. sprang auf und konnte entkommen.

Pavel T. zieht es vor, beim Prozessauftakt zu schweigen. Weder zur Sache noch zu seiner Biografie will sich der 25-jährige Iraker – der die eigene Abschiebung und die Rückkehr in seine Heimat anstrebt – äußern, erläutert sein Verteidiger Stefan Korn.

Halbe Flasche Wodka und fünf Halbe Bier

So muss am Freitag der psychiatrische Gutachter Matthais Hollweg berichten, was ihm der Angeklagte in ihren Gesprächen erzählt hatte. Demnach habe der 25-Jährige psychische Probleme, er fühlte sich beobachtet und verfolgt. Auch Selbstmordversuche habe er hinter sich.

Am Tattag habe er eine halbe Flasche Wodka und fünf Halbe getrunken. An den Rest des Tages könne er sich nicht erinnern. Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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