Prozess hat begonnen Spektakulärer Diebstahl in München: Wo sind die Millionen?

Die Angeklagten mit ihren Anwälten vor Prozessbeginn im Münchner Landgericht. Foto: Daniel von Loeper

Knapp 4,6 Millionen Euro wurden aus Schließfächern einer Münchner Bank gestohlen. Am Dienstag hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen. 

 

München - Es ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Prozess, der am Dienstag am Landgericht gestartet wurde. Das fängt schon damit an, dass sechs der sieben Angeklagten auf freiem Fuß sind. Und das obwohl ihnen vorgeworfen wird als Bandenmitglieder an dem spektakulären Diebstahl von 4,592 Millionen Euro beteiligt gewesen zu sein.

Der Tatvorwurf lautet auf schweren Bandendiebstahl. Offenbar fürchtet die Justiz aber nicht, dass sich eines der mutmaßlichen Bandenmitglieder mit der bislang nicht aufgefunden Beute absetzen wird. Die Beweislage scheint jedenfalls zu dünn, um damit U-Haft zu rechtfertigen. Immerhin: Keiner der sechs freien Angeklagten fehlt beim Prozessauftakt.

Bankangestellte soll bei der Tat geholfen haben

Lediglich ein 27-jähriger Münchner sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird seitens der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, mit einem unbekannten Komplizen bei drei Gelegenheiten zwischen Dezember 2017 und März 2018 die Schließfächer einer reichen Russin ausgeräumt haben.

Die Täter sollen durch die mitangeklagte Bankangestellte (58) über die Schließfach-Millionen informiert gewesen sein. Mit der Zugangskarte eines Komplizen hätten sich die beiden dann Zugang zur Schließfachanlage verschafft.

Laut Anklage haben die beiden die Schließfächer mit einem unbekannten Werkzeug aufgehebelt. Anschließend wurden die Schließfächer mit Heißkleber und Klebeband am Türmechanismus wieder geschlossen. So tricksten sie den Alarm aus. Die Beute sei dann jeweils in Trolleys abtransportiert und unter den Bandenmitgliedern verteilt worden.

Angeklagte machen keine Angaben

Der 27-Jährige macht keine Angaben zur Sache. Ähnlich sieht es bei seinen sechs mutmaßlichen Komplizen aus. Wenn sie sich über ihre Anwälte äußern, dann nur, um die Vorwürfe zu bestreiten. Ansonsten werden keine weiteren Angaben gemacht.

Lediglich der Mann (50), der die Zugangskarte besorgt haben soll, lässt von seinem Anwalt Roland Autenrieth erklären, dass er zwar ein Girokonto bei der Bank eröffnet habe. "Von einem Schließfach wusste er aber nichts", so Autenrieth.

Die Ankläger sind anderer Meinung: Sein Konto sei genutzt worden, um ein Schließfach bei der Bank anzumieten, um so in den Besitz der Zugangskarte zu kommen.

Schreinerei der Münchner Polizei rekonstruierte Tresorraum

Auch dabei soll die Bankangestellte eine Schlüsselrolle gespielt haben. Sie habe der Bande gezielt ein Schließfach zugewiesen, das sich in unmittelbarer Nähe zu den Schließfächern mit den Millionen befand.

Um den Tathergang leichter nachvollziehen zu können, hat die Schreinerei des Münchner Polizeipräsidiums ein Modell des Tresorraums gebaut. Das steht zwar gestern bereits mitten im Gerichtssaal, kommt aber noch nicht zum Einsatz.

Vielleicht am Mittwoch, wenn der Prozess mit der Aussage eines Ermittlers fortgesetzt wird. Dann sind hoffentlich auch alle Angeklagten wieder mit dabei. "Das ist auch in ihrem Interesse", versucht ihnen der Vorsitzende Richter Gilbert Wolf klar zu machen.

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