Promillegrenze Weniger Alkohol für Radler

Die Innenminister wollen die Promillegrenze für Radfahrer herabsetzen. Was bereits gilt, was jetzt kommen soll.

 

München -  Wer mit dem Auto und einem Promillewert von 0,5 erwischt wird, der bekommt eine Geldbuße. Ab einem Wert von 1,1 Promille gelten Autofahrer, auch ohne Fehlverhalten im Straßenverkehr, als absolut fahruntüchtig. Doch wie sieht es denn mit den anderen Verkehrsteilnehmern, den Fahrradfahrern aus?

Seit Dienstag tagen die Innenminister in Hannover: Sie wollen eine niedrigere Promillegrenze für die Radler. Die AZ erklärt, was bisher gilt und was künftig gelten soll.

Wie viel Promille sind aktuell erlaubt? Bisher dürfen Radler im Gegensatz zu Autofahrern bis zu einem Wert von 1,6 Promille Alkohol im Blut straffrei fahren. „Wenn Sie mit dem Fahrrad fahren und 1,5 Promille haben und die Polizei Sie anhält, dürfen Sie ungestraft weiterfahren“, so Bettina Cibulski, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Was sind die Vorschläge für eine Promillegrenze? Der ADFC plädiert dafür, den Richtwert für Radfahrer mit 1,1 Promille dem der absoluten Fahruntüchtigkeit für Autofahrer anzupassen. „Mit dem gültigen Grenzwert von 1,6 Promille kann niemand sicher auf zwei Rädern unterwegs sein“, sagt der Vorsitzender der Innenministerkonferenz, Boris Pistorius (SPD). Doch noch will die Politik keinen Richtwert angeben. Im europäischen Ausland liegen die Grenzwerte übrigens teilweise zwischen 0,0 und 0,8 Promille (siehe auch www.adac.de). In den skandinavischen Ländern gibt es gar keine Grenze.

Wie sehen die Strafen für Alkohol im Straßenverkehr aus? Als Fahrradfahrer ist ein Promillewert ab 1,6 eine Straftat. Es drohen sieben Punkte in Flensburg und eine Geldstrafe von einem Monatsgehalt. Auch die MPU, die Medizinisch-Psychologische Untersuchung, steht dann an, gibt der ADAC Auskunft. Sollte die Untersuchung nicht bestanden werden, kann der Autoführerschein entzogen werden. Baut der Fahrradfahrer alkoholisiert einen Unfall, wird ähnlich wie beim Autofahrer verfahren. Bei einem alkoholbedingten Fahrfehler und einem Promillewert ab 0,3 liegt eine Straftat vor.

Was spricht für die Verschärfung der Promillegrenze für Radler? Zwar ist ein betrunkener Autofahrer für andere Verkehrsteilnehmer weitaus gefährlicher, jedoch ist die Selbstgefährdung bei Radlern höher: „Bei einem Unfall haben meist die Fahrradfahrer die Folgen zu tragen“, so Cibulski.

Wie viele Radunfälle unter Alkoholeinfluss gibt es im Jahr? Nach Angaben des ADFC verunglückten 2011 genau 3725 Radfahrer nach Alkoholkonsum – damit standen rund fünf Prozent aller insgesamt verunglückten Zweiradfahrer unter Alkoholeinfluss. Der Verkehrsbericht der Polizei München zeigt: 2012 gab es 2873 Unfälle mit dem Fahrrad. Bei 138 waren betrunkene Radfahrer beteiligt, bei 120 war die Trunkenheit des Radlers die Unfallursache.

Warum gleicht man die Promillegrenze bei Auto- und Radfahrern nicht an? Trotz Gefährdung für den Straßenverkehr: Das Rad ist einfacher zu fahren als das Auto und der betrunken Radler insgesamt eine geringere Gefahr. Ist die Promillegrenze gleich, „denken sich viele angetrunkene Verkehrsteilnehmer: Dann kann ich ja gleich mit dem Auto fahren“, so Cibulski.

Wie viel kann ich trinken, um 1,6 Promille zu haben? Wie schnell man einen bestimmte Promillepegel erreicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Alkoholgewohnheiten, Gewicht, Größe, Geschlecht. Bei unserem Beispiel hat ein 40-jähriger Mann, 80 Kilo und 1,80 Meter groß, bei fünfeinhalb Halben einen Promillewert von 1,6.

Übrigens: Der Körper braucht eine ganze Stunde, um gerade einmal 0,1 Promille Alkohol abzubauen.

 

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