Presseplätze ausgelost NSU-Prozess: Diese Medien sind dabei

Nach wochenlangen Querelen und einer Verschiebung des Prozessbeginns sind die festen Presseplätze für das NSU-Verfahren neu vergeben worden. Welche Medien zum Zug kommen und welche nicht.

München - Eine Woche vor dem neuen Starttermin 6. Mai bestimmte das Münchner Oberlandesgericht (OLG) am Montag per Los, welche Medien einen reservierten Sitzplatz im Gerichtssaal bekommen. Das OLG hatte das Akkreditierungsverfahren komplett neu gestartet, nachdem das Bundesverfassungsgericht mindestens drei feste Plätze für türkische Medien verlangt hatte. Zunächst waren die Reservierungen nach der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben worden. Die türkische Zeitung „Sabah“ hatte deswegen Verfassungsbeschwerde erhoben.

 

In den Lostöpfen befanden sich diesmal 324 Medien. OLG-Präsident Karl Huber bezeichnete das Losverfahren als angemessen, gerecht und allgemein anerkannt. Zugleich kritisierte er scharf die „Angriffe“, denen das Gericht in den vergangenen Wochen ausgesetzt gewesen sei.

Unter den 50 Medien, die laut OLG-Liste einen festen Sitzplatz haben, sind etwa die ARD, der Westdeutsche, der Bayerische und der Südwestrundfunk sowie das ZDF. „Focus“ und „Spiegel“ sind ebenfalls dabei, nicht aber die "Abendzeitung" , Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Süddeutsche Zeitung“ – wohl aber das „Süddeutsche Magazin“. Auch die Deutsche Presse-Agentur dpa steht auf der Liste.

Nach dem Losentscheid mit dabei sind außerdem: Bild, Allgäuer Zeitung, Passauer Neue Presse, Pforzheimer Zeitung, Sächsische Zeitung, Stuttgarter Zeitung, Oberhessische Zeitung und die Lübecker Nachrichten. Ebenfalls beim NSU-Prozess vertreten ist das Anzeigenblatt "Hallo München", das als Online-Medium genannt wurde. Zu den ausländischen Medien, die aus dem Oberlandesgericht München über den NSU-Prozess berichten dürfen, gehören unter anderem die Neue Zürcher Zeitung und das Svenska Dagbladet aus Schweden.

Diesmal können feste Presseplätze auch anderen akkreditierten Journalisten überlassen werden. „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter umgehend, man prüfe, ob man gegen die Platzvergabe klage, um eine Videoübertragung für Journalisten zu erwirken. Die „taz“ hatte im ersten Anlauf einen Platz ergattert und ging nun leer aus. Für türkische Medien waren diesmal vier Plätze reserviert. Zum Zug kamen unter anderem die beiden Zeitungen „Sabah“ und „Hürriyet“.

Die 50 festen Presseplätze für den Münchner NSU-Prozess sind im zweiten Anlauf per Losverfahren vergeben worden. Auf der Listen derjenigen, die zum Zug kamen, stehen die folgenden Medien – in der Reihenfolge, in der die jeweiligen Lose innerhalb der verschiedenen Kontingente (Nachrichtenagenturen, ausländische Medien und deutsche Medien) gezogen wurden. Feste Plätze können diesmal allerdings auch an andere Journalisten weitergegeben werden.


1) Radio Dienst
2) Rufa Rundfunk-Agenturdienst

3) IHA (Ihlas Haber Ajansi, Türkei)
4) dpa
5) dpa English Services GmbH

6) ERT (griechischer Rundfunksender – Hörfunk/Fernsehen)

7) Al Jazeera (Büro Istanbul)
8) Sabah
9) Hürriyet
10) Evrensel (Tageszeitung)

11) Radio Lora München (polnischsprachige Redaktion)
12) Svenska Dagbladet
13) France 2 Berlin
14) Niederländischer Rundfunk
15) Neue Züricher Zeitung

16) ARD
17) WDR

18) Ebru TV
19) Kabel 1

20) Deutschlandfunk
21) BR
22) SWR

23) TOP FM
24) Charivari
25) Radio Lotte Weimar

26) BILD
27) Allgäuer Zeitung
28) Passauer Neue Presse
29) Pforzheimer Zeitung
30) Sächsische Zeitung
31) Oberhessische Presse Marburg
32) Stuttgarter Zeitung
33) Lübecker Nachrichten

34) Focus
35) Stuttgarter Nachrichten – Sonntag aktuell
36) Süddeutsches Magazin
37) Der Spiegel

38) Tom Sundermann (freier Journalist)
39) Freie Presse
40) Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung
41) Thüringer Tageszeitung „Freies Wort“
42) Thüringer Landeszeitung
43) Viola Volland (freie Journalistin)
44) RTL2
45) Offenbach Post
46) ZDF
47) Hallo-muenchen.de
48) Hendrik Puls (freier Journalist)
49) Junge Welt
50) Brigitte

   Zum Vergleich: Im ersten – später aufgehobenen -
Akkreditierungsverfahren waren die festen Presseplätze nach der
Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen vergeben worden
(„Windhundverfahren“). Feste Plätze hätten diese Medien gehabt:

1) Die Tageszeitung (taz)
2) Süddeutsche Zeitung (SZ)
3) Bayerischer Rundfunk Hörfunk und Fernsehen (BR)
4) Norddeutscher Rundfunk (NDR)
5) Deutsche Presse-Agentur (dpa)
6) Tagesspiegel
7) Südwestrundfunk (SWR)
8) Bild
9) Bayerische Lokal – Radioprogramme (BLR)
10) Mitteldeutscher Rundfunk (MDR)
11) RTL
12) Nürnberger Zeitung
13) Deutschlandfunk
14) Pressebüro Karlsruhe (Stuberger, Savelia)
15) Westdeutscher Rundfunk (WDR)
16) Thomson Reuters
17) Ramm, Wiebke (freie Journalistin)
18) Spiegel und Spiegel Online
19) Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)
20) Preuss, Oliver (freier Journalist)
21) Nürnberger Nachrichten
22) Niederlande Dagblad und De Telegraaf
23) dapd (Nachrichtenagentur)
24) Mandoga
25) Zeitenspiegel
26) RTL Niederlande
27) Fuchs, Christian (freier Journalist)
28) Völkerling, Jörg (freier Journalist)
29) Stuttgarter Zeitung (Poolführer im Pool mit Berliner Zeitung,
    Rheinpfalz, Kölner Stadtanzeiger und Mitteldeutsche Zeitung)
30) Sat 1
31) Le Jeune, Martin (freier Journalist)
32) Eumann, Jens (Freie Presse / freier Journalist)
33) Independent Berlin
34) Münchner Pressebüro (Dr. Stumberger, Rudolf)
35) Die Zeit und Zeit Online
36) Thüringer Allgemeine
37) Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)
38) Die Welt und Die Welt am Sonntag
39) Neues Deutschland
40) Radio Arabella
41) Mainpost
42) Abendzeitung (Az)
43) Münchner Merkur
44) Focus und Focus Online
45) Augsburger Allgemeine
46) Stern
47) Vorwärts
48) Burschel, Friedrich (freier Journalist)
49) Kontext (Moser, Thomas)
50) Sächsische Zeitung
 

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