Preis-Leistungs-Verhältnis Was kann der neue Musik-Streaming-Dienst Tidal?

Gute Blödel-Laune dank Tidal? Alicia Keys, Nicki Minaj und Beyoncé (v. li.) bei der Vorstellung des Streamers in New York Foto: instagram.com/nickiminaj

Die Crème de la Crème der Musik-Branche hat sich um Jay Z geschart, um mit ihm den neuen Musik-Streaming-Dienst namens Tidal medienwirksam auf den Markt zu bringen. Hält der Service, was die Superstar-Allianz verspricht?

 

München - Ein gekonnter PR-Coup: Madonna, Kanye West, Nicki Minaj, Rihanna, Daft Punk, Coldplay und viele mehr wurden von Jay Z und seiner Frau Beyoncé am Montagabend in New York alle auf eine Bühne geholt, als wären es die MTV Awards. Gemeinsam wurde dann eine Erklärung für den neuen Musik-Streaming-Dienst Tidal unterschrieben, an dem die Stars Anteile halten: Man verpflichtete sich, die Musik statt den Kommerz in den Vordergrund zu stellen: "Die weltweit erste Musik- und Entertainment-Plattform, die den Künstlern selbst gehört", erklärte Alicia Keys auf der Pressekonferenz das Konzept von Tidal. Aber Jay Zs neuestes Produkt ist nicht nur ein Fair-Trade-Projekt für Künstler, sondern vor allem Konkurrenz für den Platzhirsch Spotify. Das Wichtigste zu Tidal hier in Kürze:

Was ist Tidal?

"Tidal ist die Zukunft der Musik", sagte Managerin Vania Schlogel von der schwedischen Unternehmensmutter Aspiro. Die hat Jay Z im März für 56 Millionen Dollar gekauft und zusammen mit seinen Superstar-Freunden für die Verfügbarkeit in aktuell 31 Ländern aufpoliert: Tidal ist ein Flatrate-Angebot, das angemeldeten Usern für einen monatlichen Pauschalpreis Zugang zu einem Musik-Pool gewährt, in dem Songs und Videos, aber auch ein Musik-Magazin, Interviews, Empfehlungen und Playlisten von Künstlern online zur Verfügung stehen. Der einzige Unterschied zu herkömmlichen Streaming-Diensten, der auch das Konzept der Urheber-Anteile unterstreicht: Es gibt keine kostenlose, werbefinanzierte Variante - im Gegenteil, Tidal ist teurer als alle anderen.

Wieviel kostet Tidal?

Den Zugriff auf derzeit 25 Millionen Songs und 75.000 Videos kann man 30 Tage kostenlos testen. Danach bezahlt man monatlich entweder 9,99 Euro für die "Premium"-Variante oder satte 19,99 Euro für die "HiFi"-Variante. Beide Abos beinhalten Videos in HD-Qualität und redaktionelle Beiträge von Musik-Experten, aber nur die "HiFi"-Variante verspricht einen Sound in CD-Qualität, den man als "lossless", also "verlustfrei" bezeichnet. Das heißt, dass die Musikdateien mit einer Datenrate von 1411 Kbit/s übertragen werden. Bei der Version für 9,99 Euro werden die Audio-Dateien dagegen nur mit 320 Kbit/s gelesen, was in Preis und Leistung dem Bezahlangebot von Spotify entspricht.

Was hat Tidal im Angebot und für welche Geräte?

Was die Auswahl betrifft, gilt das gleiche wie bei den meisten modernen Musik-Streaming-Plattformen, wie Spotify, Napster, Rdio oder der Apple-Tochter Beats: Es gibt ersten Test-Usern zufolge nahezu nichts, was es in Sachen Songs nicht gibt, selbst was deutschsprachige Musik betrifft. Auch bei den Endgeräten gibt es kaum Einschränkungen: Ob iOS oder Android, PC oder Mac. Ebenso der Download auf Mobilgeräte für den internetlosen Hörgenuss unterwegs ist möglich. Die "HiFi"-Version wird derzeit allerdings nur vom "Google Chrome"-Browser unterstützt - und manch ein User fragt sich auf Twitter, ob das ein Zufall ist.

Wie reagiert das Netz auf Tidal?

Überhaupt wurden nach dem Launch der dazugehörigen Social-Media-Kampagne #TIDALforALL auf Twitter unter dem Hashtag #TIDALforNOONE kritische Stimmen laut, die vor allem die Preispolitik von Tidal in Frage stellen: "Ich werde keine 20 Euro pro Monat bezahlen, Jay Z. Vielleicht kannst Du das ja mit Deinen Abermillionen für mich übernehmen. #TIDALforNOONE", schreibt, übersetzt, eine verärgerte Twitter-Userin.

 

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