Politik JuLi-Chef Johannes Vogel: „Weg mit der Internet-Zensur!“

Das junge Gesicht der Liberalen: Johannes Vogel. Foto: abendzeitung

Der Chef der FDP-Nachwuchsorganisation spricht im AZ-Interview über Schaum vor dem Mund der Partei-Altvorderen, das grün-gelbe Milieu in den Großstädten, Bedingungen für eine schwarz-gelbe Koalition in Berlin und liberale Politiker, die irgendwann einmal den ewigen Vorsitzenden Guido Westerwelle gefährlich werden könnten.

AZ: Herr Vogel, sie haben als Teenager mal mit den Grünen geliebäugelt. Warum ist das nichts geworden?

JOHANNES VOGEL: Naja, da war ich 15. Den Nato-Austritt, den die Grünen in ihrem Programm forderten, fand ich damals schon Quatsch. Gestört hat mich auch, dass sie über New-Economy-Yuppies gelästert haben. Ich fand die auch nicht cool, eher obskur. Trotzdem stieß mir das emotional auf: Ich finde es beißt sich, Toleranz zu predigen und im Alltag über andere Lebensentwürfe zu lästern.

Während die Altvorderen bei FDP und Grünen gerne mit Schaum vor dem Mund behaupten, der jeweils andere sei der Gottseibeiuns, geht die jüngere Politiker-Generation offenbar entspannter miteinander um. Woran liegt’s?

Vielleicht ist es der Stil: Dass wir besser trennen können zwischen politischem Dissens und persönlicher Antipathie. Gerade mit der Grünen Jugend verstehen wir Junge Liberale uns sehr gut, halten engen Kontakt. In vielen gesellschaftspolitischen Themen – etwa beim Schutz von Bürgerrechten – ticken wir ähnlich.

Gibt’s ein grün-gelbes Milieu?

Ja. Es gibt sehr viele Bürger, die liberal denken, denen gesunde Umwelt und Ernährung, Verbraucherschutz und der Schutz ihrer Freiheitsrechte wichtig sind. Die aber auch gerne ein einfaches Steuersystem hätten und deshalb für uns eigentlich erreichbar sein müssten. Ich muss aber konstatieren, dass die Grünen dieses Milieu gerade in den Großstädten derzeit sehr stark abgreifen. Da müssen wir noch zulegen.

"Zentrale Freiheitseinschränkungen zurücknehmen"

Und gerade jetzt scheint alles auf Schwarz-Gelb in Berlin zuzulaufen. Wird einem JuLi da nicht ganz blümerant?

Gar nicht. Ich bejubele Schwarz-Gelb ja nicht deshalb nicht, weil ich etwas gegen die Union hätte. Sondern weil ich finde, wir sollten mit unseren Inhalten werben. Je stärker die FDP wird, desto mehr können wir der Union abtrotzen. Die Abschaffung der Internet-Zensur etwa ist für mich Koalitionsbedingung.

Sie glauben nicht im Ernst, dass die Union da mitmacht?

Doch. Wenn die Union mit uns eine Koalition bilden will, werden wir als Bedingung stellen, zentrale Freiheitseinschränkungen der letzten Jahre zurückzunehmen.

Die FDP versucht seit Jahren, sich programmatisch breiter aufzustellen. Und jetzt hört man nur wieder die Leier von der radikalen Steuerreform.

Erstmal halte ich es für völlig richtig, bei dieser Wahl Steuersenkungen zu vertreten. Im Übrigen ist unser Programm in allen Politikfeldern sehr stark. Nehmen Sie nur die Umweltpolitik: Wir wollen zuerst den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen schaffen und den Anteil erneuerbarer Energien auf 100 Prozent steigern, dann erst aus der Kernenergie aussteigen. Das ist die entschiedenste Reaktion aller Parteien auf den Klimawandel.

Oh. Die Floskel „entschieden“ benutzt Ihr Vorsitzender übrigens auch sehr gerne...

Echt? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen.

Manche Bürger schreckt der ewige Guido von der Wahl der FDP ab, der seit gefühlten 30 Jahren Parteichef ist. Haben Sie mittelfristig niemanden anderen mit Potenzial?

Guido Westerwelle ist ein sehr guter Partei- und Fraktionsvorsitzender. Aber wir haben natürlich auch in der jüngeren Generation sehr gute Leute, zum Beispiel Philipp Rösler aus Niedersachsen, der Politik auf eine ganz menschliche Weise vermittelt...

...also nicht so eine kalte Maschine ist wie Westerwelle.

Das habe ich nicht gesagt!

Interview: Markus Jox

 

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