Politik Das Leid der Heimkinder: Trippelschritt der Bischöfe

BERLIN - Am Donnerstag tagte der „Runde Tisch Heimkinder“. In den Missbrauchs-Leitlinien soll jetzt ein kleines Wörtchen gestrichen werden. Die Bischöfe wollen jetzt die Leitlinien der Bischofskonferenz überarbeiten.

 

„Nie wieder“, steht auf der Brust der Nonne. In der linken Hand hält sie ein Kruzifix, in der rechten einen Schlagstock. Ein Mann trägt ein Kruzifix, daran baumeln nackte, zerfetzte und mit roter Farbe beschmierte Puppen. Die Bilder sind drastisch – aber das sind auch die Erlebnisse, die Missbrauchsopfer verarbeiten müssen. Am Donnerstag haben frühere Heimkinder in Berlin gegen Missbrauch demonstriert.

Der Zeitpunkt war passend gewählt: Denn am Donnerstag tagte nicht nur der „Runde Tisch Heimkinder“. Gestern traf sich auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mit Robert Zollitsch, dem Chef der Deutschen Bischofskonferenz.

Vor wenigen Wochen hatten sich beide noch heftig gestritten. Leutheusser-Schnarrenberger hatte den katholischen Bischöfen vorgeworfen, Missbrauchsfälle zu zögerlich aufzuklären. Daraufhin hatte Zollitsch Leutheusser-Schnarrenberger ein 24-Stunden-Ultimatum für eine Entschuldigung gestellt und sich bei der Bundeskanzlerin beschwert (AZ berichtete).

Am Freitag erklärten beide den Zoff offiziell als beigelegt. „Es war ein gutes Gespräch“, sagte Zollitsch danach. Er habe der Ministerin die Maßnahmen erläutert, die die Kirche in letzter Zeit ergriffen hätten, wie zum Beispiel die Opfer-Hotline und den Einsatz unabhängiger Berater.

Differenzen gibt es aber immer noch über die Frage, ob künftig alle Verdachtsfälle bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden sollten. Die Justizministerin beharrt darauf, dass alle Fälle der Staatsanwaltschaft gemeldet werden müssen. Der staatliche Strafanspruch müsse in jedem Fall geltend gemacht werden.

Die Kirche will aber weiter schweigen, wenn die Opfer das explizit wünschen. Immerhin: Die Bischöfe wollen jetzt die Leitlinien der Bischofskonferenz überarbeiten. Darin hieß es bisher, „in erwiesenen Fällen soll gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft informiert werden.“ Das Wörtchen „gegebenenfalls“ soll jetzt gestrichen werden.

Derweil hat der Kirchenkritiker Hans Küng einen offenen Brief an alle Bischöfe geschrieben und sie zum Ungehorsam gegen den Papst aufgerufen: Sie sollten keine „Ergebenheitsadressen nach Rom schicken, sondern Reformforderungen“. Immer stärker unter Druck gerät auch Augsburgs umstrittener Bischof Walter Mixa: Seite 10

zo

 

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