Politik CSU: Alles wird gut – oder auch nicht

Ministerpräsident Horst Seehofer Foto: dpa

MÜNCHEN - „Alles wird gut", sagt Horst Seehofer. Doch die Realität sieht etwas anders aus. Die CSU ist nämlich frustriert. Die Buhmänner der Partei sind neben dem Ministerpräsidenten Dobrindt, Söder und Guttenberg.

 

Wenn Horst Seehofer gefragt wird, wie es in Berlin so läuft, lächelt er und flötet: „Alles wird gut.“ Dabei ist nicht nur in der schwarz-gelben Koalition, sondern auch in seiner CSU längst nichts mehr gut. Führende Christsoziale beschreiben die Stimmung als „niedergeschlagen, mutlos und deprimiert“. Die Parteibasis traue dem Koalitionstrio Merkel/Seehofer/Westerwelle nicht mehr zu, aus dem Tal der Tränen herauszufinden. Die Buhmänner für den freien Fall in Berlin hat sie in den eigenen Reihen ausgemacht:

Die doppelten Nein-Sager, Parteichef Horst Seehofer und sein Gesundheitsminister Markus Söder . Dem Blockade-Duo in der Gesundheitsreform wird zugeschrieben, Auslöser für den Kampf Wildschweine gegen Gurkentruppe gewesen zu sein. „Den Rösler wie einen Schulbuben zu behandeln, ist nicht die feine Art“, sagt ein CSU-Präside. Im Vorstand herrscht Ratlosigkeit, wie Seehofer und Söder bei der Gesundheitsreform weiter agieren wollen. „Elf Milliarden Euro können nicht nur durch Sparmaßnahmen eingespart werden“, sagt einer aus der Parteispitze. Beitragserhöhungen aber lehnt Seehofer rigoros ab. „Immer nur Nein sagen ist keine Lösung“, ist man im CSU-Vorstand schon genervt.

Die ganze Wut konzentriert sich da auf „Doofbrindt“. Der Spitzname, den Koalitionspartner dem CSU-Generalsekretär gaben, setzt sich jetzt auch bei den Christsozialen durch. Alexander Dobrindt , der Schützenkönig, war in der Partei eh noch nie recht beliebt. Jetzt herrscht nur noch Kopfschütteln über ihn. „Wie kann man so dumm sein“, sagt ein hoher Parteistratege. „Man darf nie eine Beleidigung mit einer anderen kontern. Die ,Gurkentruppe’ war ein ganz grober Schnitzer.“

Auch der Liebling der Deutschen, Karl-Theodor zu Guttenberg , ist gerade dabei, sich’s mit seiner eigenen Partei zu verscherzen. „Egomane“ wir der Verteidigungsminister in der CSU genannt. Einer, der so „sehr eitel“ sei, dass er am Ende nur „an sich selber“ denke. Bei seiner Radikal-Reform der Bundeswehr hatte Guttenberg weder Kanzleramt noch CSU eingebunden.

Dabei war er Mitte Mai mit den CSU-Amtsträgern in der Hanns-Seidel-Stiftung zusammen, hat ihnen die Auswirkung des Afghanistan-Einsatzes auf die Bundeswehr erklärt. Aber kein Wort darüber verloren, dass er die Wehrpflicht abschaffen will. Damit bricht Guttenberg mit einer 50-jährigen CSU-Tradition. Ein Minister giftete in kleinem Kreis über den fränkischen Baron: „Die lernen schon im Laufstall mit dem Florett zuzustechen und andere zu unterwerfen.“Angela Böhm

 

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