Pokal-Derby am Freitag Haching-Trainer Schromm im AZ-Interview: "Wir sind alle heiß auf Sechzig!"

Hachings Trainer Claus Schromm in Aktion. Foto: R’steiner/AK

Unterhachings Trainer spricht hier über das Derby gegen den TSV 1860, die Erfolgsformel seines Klubs und die ganz besondere Rivalität zu den Löwen. "Sechzig soll nur ein Schritt zum Pokalsieg sein."

 

München - AZ-Interview mit Claus Schromm. Der 50-Jährige coachte Unterhaching bereits von 2012 bis 2014, als er dann den Posten des Sportdirektors übernahm. Seit März 2015 ist er nun wieder Cheftrainer der SpVgg.

AZ: Herr Schromm, wie fühlt sich der Trainer der SpVgg Unterhaching beim Anblick der Drittliga-Tabelle – als Spitzenreiter?
So wie letztes Jahr (lacht). Schöner Anblick, aber – wie alle wissen – nur eine Momentaufnahme.

Hachings Plan dürfte daher sein: Länger an der Spitze thronen – und den Abwärtsstrudel der vergangenen Saison bis in den Tabellenkeller bleiben lassen.
Zum Glück haben wir schon den elften Spieltag, nicht wie in der letzten Saison den sechsten. Länger haben wir es also schon geschafft, am Rest arbeiten wir. Jeder weiß, dass es auch in Haching eine Rückrunde gibt. Wenn wir unsere Punkteausbeute von zwei Punkten im Schnitt halten können, wäre das sensationell.

Pokalderby: "Jeder will unbedingt spielen"

Am Freitag (19.30 Uhr) ist Nervenkitzel garantiert: Der Pokalkracher beim TSV 1860 steht an. Kommt das Duell zur rechten Zeit?
Sowas kommt immer zur rechten Zeit – egal, wann. Isoliert von der Liga, von der Tabelle ist das ein absolutes Highlight. Man merkt schon in der Mannschaft: Jeder will unbedingt spielen. Die Personalsituation ist immer besser, Mo Heinrich ist wieder fit und wäre prädestiniert dafür, gegen seinen Ex-Klub zu spielen.

In den Reihen der Hachinger wimmelt es ja an Ex-Löwen. Ein Vorteil?
Stephan Hain oder Domi Stahl brennen sowieso, auch Christoph Greger hat seine Jugend bei 1860 verbracht, Markus Schwabl dort gespielt. Das Trainerteam, unser Präsident Manni Schwabl – viele haben eine Löwen-Vergangenheit. Man muss niemanden motivieren: Wir sind alle heiß auf Sechzig!

Am Freitag gelten die Gesetze des (Toto-)Pokals, Anfang Dezember steigt das Liga-Duell im Sportpark. Da müssen wir jeweils die Favoritenfrage klären.
Sie haben zuhause einen brutalen Support von den Fans, eine starke und erfahrene Mannschaft, aber auch einige Talente wie Leon Klassen, Dennis Dressel, Fabian Greilinger. Sechzig im Sechzger – ich denke, da ist die Favoritenfrage klar.

"Die Löwen fühlen sich zuhause unglaublich wohl"

Wirklich? Kollege Daniel Bierofka sagt sicher etwas anderes.
Kann er ja auch. Aber man weiß, dass sich der Löwe zuhause unglaublich wohlfühlt. Die beiden letzten Derbys waren sehr emotional. Im Heimspiel (1:1, d. Red.) war es schwer, sich aufs Fußballspielen zu konzentrieren. In Giesing haben wir es dann vor ausverkaufter Hütte zu spüren bekommen, gingen leider als Verlierer vom Platz (0:1, d. Red.). Wie es jetzt und am ersten Advent ausschaut, werden wir sehen.

Welchen Stellenwert hat das Duell für Sie, abgesehen vom Derby-Charakter? Der Toto-Pokal an sich ist ja alles andere als lukrativ – im Gegensatz zum DFB-Pokal, für den man sich qualifizieren könnte.
Der Pokal hängt bei uns in Haching hoch, schon immer. Wir sind überglücklich, wenn wir weiterkommen und waren todtraurig, als wir letztes Jahr sang- und klanglos gegen Würzburg ausgeschieden sind (0:3, d. Red.). Von daher soll Sechzig nur ein Schritt zum Pokalsieg sein – andersrum sehen das die Löwen sicher auch so. Das ist ein vorweggenommenes Finale. Und die Konsequenz aus dem Pokalsieg, wobei wir selbst als Finalist schon mal qualifiziert waren, wäre eine tolle Sache für uns.

Stichwort Finanzen: Wie oft schaut man nach Hachings Börsengang als Coach auf den Aktienkurs?
Ich denke, ähnlich wie der Biero auf Sechzigs Vereinspolitik: Wenn man sich zu hundert Prozent mit einem Verein identifiziert, schaut man auch über den Tellerrand. Ich bin im zwölften Jahr hier, war auch Sportdirektor. Der Manni schaut ganz sicher öfter darauf als ich. Aber jetzt sind wir grade wieder zweistellig, stehen bei gut zehn Euro. Es stimmt uns optimistisch, dass die Aktie stabil ist und nie unter den Ausgangswert gefallen ist. Ich denke, der Börsengang ist sehr gut geglückt.

Schromm über Bierofka: "Kritik gehört zum Geschäft"

Es wird oft vom Chaosverein 1860 und der Wohlfühloase Haching gesprochen. Wie schwer ist es für die Identifikationsfiguren Schromm und Bierofka, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren?
Was ist schon leicht? Etwas gemeinsam aus dem Nichts zu entwickeln, oder wie bei Sechzig die Strukturen und das große Fanpotenzial in den Griff zu bekommen? Jeder hat seinen Job, jeder hat andere Anforderungen. Beides ist in meinen Augen sehr spannend. Kritik gehört da zum Geschäft. Mich haben schon mal Zuschauer angeredet, ob ich nicht endlich hinwerfen könne – während des Spiels. Man darf sich nicht von Einzelnen irritieren lassen. Wir hatten letzte Saison 13 Trainerentlassungen in der Dritten Liga. Wie soll es der Nachfolger immer besser machen? Das ist, wie wenn ich sage: Ich suche mir eine neue Frau. Vielleicht mal mit einer anderen Haarfarbe. Und dann? Es heißt immer, im deutschen Fußball gibt es immer weniger Typen. Wie entsteht so ein Typ? Über Kontinuität. Darüber, dass ein Trainer einem Verein über Jahre seinen Stempel aufdrücken kann. Und nicht schon bei der ersten Krise die Koffer packen muss.

Eine Veränderung, die bei 1860 ansteht: Das Grünwalder soll ausgebaut werden und Sechzig könnte nach Haching umziehen.
Das ist Zukunftsmusik. Was ich dazu sagen kann: Es wird sehr spannend, wenn Sechzig, Bayern II und vielleicht auch Türkgücü alle ein Drittliga-Stadion suchen.

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