Playoff-Viertelfinale gegen Berlin Mentale Schwäche: EHC München sucht Antworten

Der Berliner Austin Ortega trifft gegen EHC-Goalie Danny aus den Birken zum 3:0-Endstand. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Triple-Meister EHC Red Bull München präsentiert sich im Viertelfinale gegen die Eisbären Berlin überraschend unsouverän. "Ich habe darauf keine einfache Antwort", sagt Trainer Don Jackson.

München - Wieso? Weshalb? Warum? Wieso hat der EHC Red Bull München diesen ersten Matchpuck in der Viertelfinalserie gegen die Eisbären so leichtfertig vergeben und sich daheim mit 0:3 abschießen lassen? Weshalb hat der Triplemeister, der in der Serie immer noch 3:2 führt, dabei einen derart anämischen Auftritt hingelegt, dass man im Stadion nie das Gefühl hatte, dass München in diesem fünften Spiel der Serie als Sieger vom Eis gehen könnte?

Warum ist das Powerplay des EHC, das schon in der Hauptrunde wirklich keinem Gegner Angst eingeflößt hat (Platz zwölf mit 13,5 Prozent), in den Playoffs nochmal ins Bodenlose abgestürzt? Bei 29 Überzahlsituationen gelangen den Red Bulls nur zwei Tore, das ist ein Schnitt, den man schon gar nicht mehr Erfolgsquote nennen darf, von 6,9 Prozent. Dabei hatte man vor den Playoffs extra Sonderschichten eingelegt, um die Harmlosigkeit abzulegen.

EHC-Coach Jackson: "Eishockey ist nicht vorhersehbar"

Zum Vergleich: In den Playoffs der meisterlichen Vorsaison war man mit 25,6 Prozent der Liga-Primus. Don Jackson, mit acht Titel immerhin der erfolgreichste Trainer der DEL-Historie, schüttelte nach dem 0:3 den Kopf. "Ich habe darauf keine einfache Antwort. Manchmal ist unser Sport einfach so. Dinge passieren – oder eben nicht. Eishockey ist nicht vorhersehbar", sagte der 62-jährige Amerikaner vor dem sechsten Spiel, das am Freitag (19.30 Uhr) wieder in Berlin stattfindet.

Und weiter: "Wir sind im ganzen Spiel zu langsam gewesen. Mit dem Puck, aber auch ohne die Scheibe. Berlin war schneller. Am Freitag beim 5:2-Sieg in Berlin war es noch genau umgekehrt. Ich glaube, dass es eine mentale Sache ist."

Der EHC, der so lange das Sieger-Gen in sich trug, der nie geschlagen schien, egal, wie hoch der Rückstand auch war, der sich auf seine mentale Stärke immer verlassen konnte, hat also plötzlich eine mentale Schwäche? "Sie waren hungriger als wir, sie haben mit dem Mut der Verzweiflung gespielt, das hat uns gefehlt", sagte Jackson weiter, "das war eine gute Lehrstunde für unsere vielen neuen Spieler. Wir müssen von der ersten Sekunde an bereit sein."

EHC-Profi Mitchell: "Berlin wollte den Sieg mehr als wir"

Waren sie nicht. Die Bereitschaft kam aber auch nicht in den sechzig folgenden Minuten. "Wir sind angefressen, mit uns selbst nicht zufrieden. Ich kann auch nicht erklären, warum wir mental nicht da waren", sagte Münchens Stürmerstar John Mitchell, der es in seiner Karriere auf immerhin 566 Spiele in der besten Liga der Welt, der NHL, gebracht hat.

Der EHC spielte kompliziert, ohne rechten Zug zum Tor, schoss zu wenig zwingend auf den Kasten. "Die Spiele, die eine Serie beenden, sind immer am schwersten zu gewinnen", sagte Mitchell, "sie hatten nichts zu verlieren, so haben die Berliner gespielt. Sie wollten den Sieg mehr als wir."

Triple-Meister München schwächelt im Überzahlspiel

Was aber wirklich Sorgen macht, ist das Überzahlspiel. Der EHC hatte schon Probleme, überhaupt in die Powerplayformation zu kommen. "Wir werden das Powerplay sicher nicht neu erfinden", sagte Mitchell, "wir haben sehr viel versucht, es hat leider nicht funktioniert, wir müssen einfach dran bleiben und es weiter versuchen."

Die Eishockey-Variante des Aussitzens. Und es dann besser machen. Am Freitag, beim zweiten Münchner Matchpuck. "Wir wollen die Serie in Berlin beenden", sagte Jackson, "es liegt an uns, die richtige Antwort zu finden und sie im nächsten Spiel zu präsentieren."

Das Schlusswort bei diesem Plädoyer in eigener Sache gehört Mitchell: "Mit Rückschlägen umzugehen und daraus gestärkt hervorzugehen, das macht Champions aus. Das ist jetzt unsere Aufgabe." Zu siegen – und sich dabei wieder als echter Champion, der Ehrfurcht und Schrecken verbreitet, zu präsentieren, ist angesagt.

 

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