Pläne zur Zweiten Stammstrecke Erweiterung des Münchner S-Bahnnetzes: Stern oder Ring?

Bei der Münchner S-Bahn wird sich in den nächsten Jahren einiges tun. (Archivbild) Foto: Lino Mirgeler/dpa

Über 500 Münchner haben am Montagabend an der Bürgerversammlung zur Zweiten Stammstrecke teilgenommen. Ein Kritiker spricht vom teuren Tunnel als "irreparablem Irrweg".

 

Berg am Laim - "Ich hoffe, dass der Abend friedlich bleibt, an mir soll es nicht liegen", leitete CSU-Stadtrat Hans Theiss am Montagabend die Bürgerversammlung ein. Über 500 Münchner aus Au-Haidhausen, Berg am Laim und von woanders hörten ihm zu: in der Tonhalle am Ostbahnhof.

2017 musste man Versammlung zur 2. Stammstrecke abbrechen

Das Reizthema "Zweite Stammstrecke", von Kritikern "Millionenwurm" geschimpft, erhitzt im Münchner Osten schon seit Jahren die Gemüter. 2017 etwa musste wegen Überfüllung und unter Protest eine Bürgerversammlung zum Thema abgebrochen werden.

Letztlich aber war der Protest der Haidhauser teils erfolgreich: Projektleiter Markus Kretschmer von der Deutschen Bahn AG hat die Tunnel-Pläne an die Wünsche im Viertel angepasst. Die Trasse ist geändert. Die große Baustelle wandert vom Orleansplatz an die Friedensstraße. An der Ecke Pütrich-/Milchstraße fällt der große Rettungsschacht jetzt weg. Viele Haidhauser sind erleichtert, dass ihnen vor der Haustür die schlimmsten Baustellen erspart bleiben.

Doch: 400.000 Pendler fahren täglich mit der S-Bahn. Kretschmer begründet den Nutzen des zweiten S-Bahn-Tunnels mit neuen Prognosen: 2020 werden rund 61.000 Menschen täglich den Hauptbahnhof passieren, im Jahr 2030 sollen es über 110 000 sein. "Ein Zuwachs um 81 Prozent. Wir versuchen die Stationen so groß wie möglich auszuweiten", sagt Kretschmer. Geplante Inbetriebnahme: 2028.

"Unter welchen Straßen in Haidhausen verläuft die Trasse?" oder: "Wie laut wird die Baustelle am Haidenauplatz?", fragen ihn Bürger. Im Osten wird der Tunnel unter der Praterinsel, unter der Inneren Wiener Straße, Kellerstraße, Weißenburger Platz und unter der Rosenheimer Straße bis zum Haidenauplatz führen. Die Bauarbeiten würden nicht lauter als am Marienhof, verspricht Kretschmer. Zur Entlastung der Maximiliansanlagen werde in dem Monaten Mai bis Juli 2020 und 2021 dort nicht gebaut.

Münchner wünschen sich einen S-Bahn-Ring

15 Bürger bringen Anträge vor: Besonders viel Applaus bekommt die Forderung nach einem 10-Minuten-Takt für die S-Bahn. Auch die Forderung, parallel zur zweiten Stammstrecke, einen S-Bahn-Ring zu bauen, wie in Berlin oder in Wien, der die Münchner Innenstadt entlastet. Dazu sollten auch die Außenäste der S-Bahn ertüchtigt werden, möchten viele.

Die Mehrheit der Haidhauser und Berg am Laimer steht dem "Tunnelwahn" skeptisch gegenüber. Ihre größte Angst: Dass nach den Milliarden-Ausgaben für die Zweite Stammstrecke kein Geld mehr bleibt für zeitnahe Verbesserungen im gesamten S-Bahn-Netz, die laut Kretschmer ab 2028 beginnen sollen. Walter Heldmann, von der Bürgerinitiative Haidhausen S-Bahn Ausbau, argumentiert: "Die Zweite Stammstecke ist ein irreparabler Irrweg. Schon in den 90er Jahren hat die Stadt gewusst, dass die Sternstruktur eins der Hauptprobleme ihres S-Bahn-Netzes ist". Heldmann weiter: "Ich will, dass das Projekt zweiter Tunnel beendet wird. So werden Kräfte frei für den Ausbau der S-Bahn Außenstrecken und den S-Bahn-Ring." So einen radikalen Stopp wollte die Mehrheit aber nicht.

 

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