Pläne für den Umbau Der neue Gasteig: Von brav bis radikal

, aktualisiert am 18.05.2018 - 20:52 Uhr
Der Entwurf des Büros Henn ergänzt den Bau mit gläsernen Foyers und lässt den Bau sonst unverändert. Foto: Gasteig/entwerfende Büros

Die Entscheidung zum Umbau für den Gasteig wird aufgeschoben: Beim Architekturwettbewerb gibt es drei erste Preise. Mit Nachbesserung.

München - So richtig scheint keiner der Bewerber überzeugt zu haben. Beim Realisierungswettbewerb für die Generalsanierung vergab die Jury drei gleichberechtigte erste Preise an die Büros Auer Weber und Henn (beide München) und Wulf Architekten (Stuttgart). Peter Haimerl erhielt einen der beiden Sonderpreise für seinen radikalen Vorschlag, die Stadtbibliothek in die Raumschale der Philharmonie zu verlegen und einen neuen Konzertsaal zu bauen.

Einer der preisgekrönten Entwürfe verwandelt die Philharmonie in einen Rundbau, ein zweiter steckt sie in eine Kiste, der dritte nimmt nur kosmetische Korrekturen am Äußeren vor. Bei der Vorstellung der Entwürfe trat Josef Schmid als Vorsitzender des Gasteig-Aufsichtsrats dem Eindruck entgegen, die Jury wäre sich massiv uneinig gewesen. Die drei Büros sollen ihre Vorschläge überarbeiten, im Herbst wird das Preisgericht erneut zusammentreten und einen Sieger küren.

Umbau des Münchner Gasteig: Kernstück ist die Philharmonie

Aus urheberrechtlichen Gründen muss auch mit dem Architekten Rollenhagen gesprochen werden, von dem bis 1985 realisierte Planung stammt. Die Substanz aus den 1980er-Jahren soll bei der Sanierung mit attraktiven Neubauelementen verbunden werden. Zum Wettbewerb waren 28 Architekturbüros aus ganz Europa eingeladen worden. Nur 17 von ihnen hatten Entwürfe eingereicht. Dem Preisgericht gehörten OB Dieter Reiter, Kulturreferent Hans-Georg Küppers (beide SPD), Gasteig-Chef Max Wagner sowie etliche Architekten an.

Ab 2020 soll das in die Jahre gekommene Gebäude samt der Technik renoviert werden. Die Kosten werden auf bis zu 450 Millionen Euro geschätzt. Kritik gibt es am Gasteig seit der Eröffnung. Sie wurde vom Rathaus lange Zeit als Luxusgeschwätz abgetan. Mittlerweile ist die Haustechnik des 1985 eröffneten Gebäudes so marode, dass Handlungsbedarf besteht - nicht nur wegen der viel diskutierten Akustik der Philharmonie, sondern auch wegen der Stadtbibliothek, die sich als Lernort einem gewandelten Nutzerverhalten anpassen muss.

Alt und neu

Die Bausubstanz aus den 1980er-Jahren soll dabei mit attraktiven Neubauelementen verbunden werden. Gefordert war ein Gesamtkonzept, das die bestehende Bausubstanz "mit Neubauelementen in hoher Architekturqualität verbindet" und die "festgelegte Baukostenobergrenze von maximal 227 Millionen Euro einhält", wie es in der Ausschreibung heißt. Darüber hinaus soll der Gasteig als städtisches Kultur- und Bildungszentrum auch auf die allgemeine Stadtentwicklung der Landeshauptstadt München reagieren.

Kernstück ist die Neugestaltung der Philharmonie. In dem Konzertsaal der Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev soll insbesondere die Akustik verbessert werden. Der Dirigent favorisiert dafür den Japaner Yasuhisa Toyota, der den umstrittenen Sound der Elbphilharmonie verantwortet hat und bereits den Akustik-Wettbewerb für den Interimsbau an der Brudermühlbrücke gewonnen hat.

Der Gasteig: Deutschlands größtes Kulturzentrum

Während der Renovierung sollen die Philharmoniker in einem Konzertsaal aus Holzmodulen spielen, der in einem Ausweichquartier an der Hans-Preißinger-Straße gegenüber dem Heizkraftwerk Süd errichtet werden soll.

Mit rund 1,8 Millionen Besuchern und mehr als 1.800 Veranstaltungen pro Jahr ist der Gasteig das größte Kulturzentrum Deutschlands. Neben dem Orchester beherbergt der Gasteig die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und Teile der Musikhochschule. Auch sie ziehen zumindest teilweise nach Sendling um.

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