Phillipp Steinhart im AZ-Interview Löwe erklärt, warum er wegen München so gut ist

Standardkönig der Löwen: Phillipp Steinhart. Foto: imago/foto2press

Sechzig-Profi Phillipp Steinhart spricht im AZ-Interview über seine Stärke bei Freistößen und Eckbällen, den Zusammenhalt im Löwen-Team und seine Heimatverbundenheit.

 

München - Daniel Bierofka bekräftigt gerne, wie wichtig die Identitität für den TSV 1860 sei. Spieler, im besten Fall aus Bayern mit einer Vergangenheit bei den Löwen sollen die Mannschaft. Oder solche, die sich zumindest zutiefst mit Sechzig identifizieren.

Phillipp Steinhart, geboren in Dachau, vereint all diese Attribute auf sich. Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Samstag (14 Uhr, im AZ-Liveticker) spricht der Top-Vorlagengeber der Sechzger über die Sekunden vor einem Standard, seine Spezl im Team - und er erklärt, warum es bei ihm gerade in München so gut läuft.

Phillipp Steinhart: "Ich habe Automatismen"

AZ: Herr Steinhart, Sie sind Top-Vorbereiter der Löwen, der Standardkönig, haben schon sieben Tore aufgelegt. Erzählen Sie uns bitte von den Sekunden vor einem Freistoß, einem Eckball.
PHILLIPP STEINHART: Ich habe meine Automatismen. Bevor ich den Standard schlage, habe ich eine bestimmte Schrittfolge. Wir sprechen immer ab, wie die Jungs einlaufen und ich versuche, den Ball in den Zielkorridor zu spielen.

Und diesen Zielkorridor haben Sie für jede Variante bildlich im Kopf?
Wir wissen, wer wo einläuft und wohin der Ball kommen soll. Das wird alles einstudiert. So viele Varianten sind es gar nicht. Einzelne trainieren wir aber öfters und versuchen, diese bestmöglich umzusetzen.

Halbhoch und mit viel Dampf auf den ersten Pfosten?
Das kommt darauf an, wo der Ball hinkommen soll. Es braucht eine gewisse Schärfe, aber auch Präzision, ein bisschen Drall, damit der Ball genau dorthin kommt.

Wer ist Ihr Lieblingsabnehmer?
Das Gute ist ja, dass wir mehrere Leute haben, die die Bälle reinmachen…

...kein Adriano Grimaldi, der notfalls noch mehrere Gegenspieler mitreißt?
Natürlich achten die Gegner mehr auf Adi, weil er die Körpergröße hat. Aber auch Sascha (Mölders, d. Red.), Simon (Lorenz) oder Felix (Weber) sind wuchtige Spieler.

"Keiner ist eifersüchtig auf Adriano Grimaldi"

Grimaldi steht dennoch sehr im Fokus. Ist man da ein Stück weit neidisch?
Das gehört dazu. Er ist neu, hat gute Leistungen gebracht. In der Mannschaft ist aber keiner eifersüchtig.

Quirin Moll hat explizit den Zusammenhalt gelobt.
Wir haben eine gute Truppe, eine gute Mischung. Spiele wie gegen Saarbrücken haben wir über das Team gewonnen. Dank dieser Eigenschaft haben wir den Aufstieg geschafft. Es gibt eine gute Harmonie.

Wer sind Ihre Spezl?
Natürlich habe ich meine Jungs, mit denen ich öfter was mache: Aaron (Berzel), Sascha, Sandro (Alessandro Abruscia), Helmi (Nicholas Helmbrecht). Entweder machen wir Jungs was zusammen oder gehen mit unseren Frauen gemeinsam essen.

Bei Sechzig geht es immer auch um Identifikation.
Das bringt der Verein mit sich, als Spieler fühlt man in jedem Spiel, dass die Fans zu eintausend Prozent hinter der Mannschaft stehen. Das nimmt man auf, versucht, alles zurückzugeben. Der Verein hat eine extreme Strahlkraft, unglaublich.

Steinhart begrüßt Weg des TSV 1860

Bei früheren Mannschaften war gerne von "Söldnertruppen" die Rede.
Jeder sieht, dass es jetzt eine ganz andere Mannschaft ist als vor drei, vier Jahren. Viele Spieler kommen aus der Region, manche sind lange im Verein. Das ist der richtige Weg.

Den Sie die nächsten Jahre auf jeden Fall mitgehen?
Ich fühle mich bei 1860 sehr wohl und habe ja auch noch einen längerfristigen Vertrag. Deswegen freue ich mich auf die nächsten Jahre bei Sechzig.

Sie stammen aus der Nähe von Fürstenfeldbruck, Ihre Frau spielt bei Würm-Mitte in Gräfelfing Handball. Ist es als Fußballer nicht auch ein Privileg, in der Heimat arbeiten zu dürfen?
Ja. Ich war von der Jugend bis zu den Profis zehn Jahre bei den Löwen. Als ich in Lotte war, hat mir die Nähe zu meiner Familie gefehlt. Ich komme von hier, bin glücklich, kann mit meiner Frau zusammenleben.

Bei Fußballern wird gerne vergessen, dass sie nicht nur Profis, sondern auch Menschen sind.
Ja, es gibt diese Spieler und diese Spieler. Manchen ist das vielleicht nicht wichtig, aber ich gehöre zu den Spielern, die das brauchen: Familie, Frau und Freunde in der Nähe. Das wirkt sich auf die Leistungen aus.

Steinhart warnt vor Eintracht Braunschweig

Etwa am Samstag: Eintracht Braunschweig ist Letzter, hat aber laut jüngsten Marktwerten von "transfermarkt.de" die teuerste Mannschaft.
Die Tabelle spiegelt nicht wider, wie gut diese Mannschaft ist. Von den Spielern her haben sie extreme Qualität, auf jeder Position. Auf die Tabelle zu schauen und zu sagen, die können nichts, ist völliger Quatsch. Wir müssen aufpassen.

Lesen Sie hier: Ende einer Ära! Löwenstüberl-Wirtin hört auf

 

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