Pfiffe gegen Robben Holländer: Arjen, verlass' Bayern!

Robben daheim von den eigenen Fans ausgepfiffen: Bayern wendet sich in einer offiziellen Erklärung gegen das Verhalten der Fans. Die Nationalspieler der Niederlande wollen ihn zum Wechsel überreden

 

München - Der Stachel sitzt tief – bei den Fans, noch mehr aber bei Arjen Robben und den Bayern-Bossen. Nachdem Robben am Dienstagabend beim Spiel der Bayern gegen die Elftal den Rasen betreten hatte, wurde jede seiner Aktionen von lauten Pfiffen von Teilen des Publikums quittiert. Die Pfiffe, die vor allem von der Gegen- und Haupttribüne kamen, gingen mitten ins Herz – nicht nur in das von Robben. Am Mittwoch entschuldigte sich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge per Pressemitteilung bei Robben für die Reaktionen der Fans.

„Der FC Bayern München hat mit Erstaunen, Irritation und Enttäuschung die Pfiffe von Fans zur Kenntnis genommen”, hieß es in der Mitteilung. „Einige Fans waren offensichtlich enttäuscht, dass Arjen drei Tage nach dem verlorenen Champions-League-Finale nicht auch im Trikot des FC Bayern, sondern nur für die holländische Nationalelf gespielt hat,” ließ Rummenigge erklären, dies gäbe jedoch niemandem „das Recht, unseren Spieler auszupfeifen. Arjen Robben ist wie alle anderen Spieler, Fans und Freunde des FC Bayern über die unglückliche und unverdiente Niederlage im Elfmeterschießen des Champions-League-Finales gegen Chelsea enttäuscht und tief getroffen. Aber Stil des FC Bayern und seiner Fans ist es demjenigen, der am Boden liegt, die Hand zu reichen und zu helfen. Genau so, wie es der Großteil der 33000 Zuschauer mit aufmunternden Sprechchören für Robben getan hat.”
Es ist mindestens ein ungewöhnlicher Vorfall, wenn ein Klub sich bei seinem Spieler entschuldigen muss für friedliche Unmutsbekundungen seiner Anhänger. Doch in diesem Fall nach Meinung Rummenigges unumgänglich – auch um weitere diplomatische Verwicklungen auszuschließen.

Direkt nach dem Spiel hatten vor allem die niederländischen Nationalspieler ihren Unmut über die Pfiffe beim Spiel geäußert, das ja ursprünglich mal als Arjen-Robben-Wiedergutmachungsspiel organisiert worden war. Ex-Bayer Mark van Bommel hatte von einem „Skandal” gesprochen. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas bei Bayern passiert. Es ist eine Schande. Ich würde darüber nachdenken, ob ich hier nächstes Jahr noch spielen würde – auch wenn ich gerade meinen Vertrag verlängert habe."
Der Ex-Hamburger Rafael van der Vaart fand’s „beschämend”, Stuttgarts Khalid Boulahrouz meinte, „eine absolute Sauerei” ausgemacht zu haben, „ich könnte kotzen.” Wesley Sneijder sagte der Fachzeitschrift „Voetbal International”: „Das ist ein Skandal! Und nicht nur das - auch dass ihn während des Spiels niemand von Seiten des Vereins geschützt hat."
Wenn man den Holländern am Dienstag zuhörte, klang es beinahe so, als ob sie Robben während der EM kollektiv überreden wollten, Bayern zu verlassen.

Doch ein Abschied des Rechtsaußens, der bei Teilen des Anhangs schon länger unten durch ist und seit dem verlorenen Finale als Sündenbock und Symbolfigur der Pleite gilt, scheint für Bayerns Bosse nicht in Frage zu kommen. Gerade erst hat Robben schließlich nach langem Hin und Her seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Ein Verkauf käme dem Klub wegen des dann sicher fälligen Handgelds teuer zu stehen. „Der FC Bayern München wünscht Arjen Robben eine gute, erfolgreiche Europameisterschaft und freut sich, ihn im Juli wieder im Kreise der Bayern-Familie zu haben”, erklärte Rummenigge weiter.

 

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