Panorama „Sag nix, nur denk“ – Alisar ist Heidis Topmodel

Illustration Foto: dpa

KÖLN - Heidi Klum hat wieder ein Topmodel gekürt. Diesmal ist es Alisar aus Österreich: schüchtern, groß und „rassig“. Die Quote geht allerdings in Richtung Magermodel.

 

Alisar Ailabouni (21) aus Austria ist „Germany's nextTopmodel“. Die gebürtige Syrerin gewann am Donnerstagabend vor15 000 Zuschauern in der Kölner Lanxess-Arena das Finale der fünftenStaffel von Heidi Klums ProSieben-Show. Im Durchschnitt verfolgtendie Sendung 3,57 Millionen Zuschauer. Bei den 14- bis 49-Jährigen lagder Marktanteil bei 23,4 Prozent. Letztes Jahr waren es noch 29,4Prozent – das ist doch etwas abgemagert.

Heidi (37), selbst mit Leopardenkostüm angetan, stellte Alisar als„rassig“, doch „schüchtern“ vor. Ihre Befangenheit habe sie durch dieSendung aber verloren: „Das schüchterne Mädchen geht heute aufrechtdurch die Welt.“ „GNTM“ als Therapie-Ersatz.

Alisars Konkurrentinnen im Schlussdurchgang waren Laura die Power-Frau (23) und Hanna die Heulsuse (18). Die erste, die mit gewohntemVollstreckerwillen aussortiert wurde, war Laura aus Düsseldorf.

Heidi lässt es sich bekanntermaßen nicht nehmen, diese Momente biszum Letzten auszukosten: „Für eine von euch sind das jetzt leider dieletzten Sekunden. Für eine von euch ist Germany's next Topmodel jetztleider zu Ende. Die nächste, die sich freuen darf, ist – Hanna.“

Für Model-Muggel: Hanna war das Efeu-Seelchen vom Niederrhein, dasmindestens zwei Mal pro Folge in Tränen ausbrach. Das ließ am Endezwar nach, aber letztlich machte dann doch die graziöse Alisar mitcharmantem „Salzkammergut-Akzent“ (ProSieben) das Rennen.

„Du bist in meinen Augen ein tolles Vorbild“, lobte Heidi. Alisarwar immer besonders lieb und bescheiden. Vermutlich werde sie nunkeine Zeit mehr für ihre Yoga-Übungen haben, bedauerte die Siegerinnach der Sendung. Mit dem Finale hat sie Verträge für Kampagnen imGesamtwert von 400 000 Euro gewonnen: „Ich brauche auf jeden Falleinen neuen Laptop.“ Und zu ihren privaten Verhältnissen: „Ich habkeinen Freund.“

Der heimliche Star der fünften Staffel waren allerdings weder „dieMädchen“ noch Heidi oder ihre diesmal blassen Juroren, sondern JorgeGonzalez (42), der fleischgewordene Stöckelschuh. Der gebürtigeKubaner und studierte Nuklear-Ökologe erwarb dank seinereigenwilligen Grammatik und Aussprache den Ruf eines neuen BruceDarnell („Der Glück steht vor der Tür“).

Als der abgedrehte Catwalk-Trainer auf High Heels in die Lanxess-Arena einzog und unversehens strauchelte, wurde er von der Halle mit„Chchchorge!“-Rufen gefeiert. Seine Fans schätzen ihn als Meister derSchwachpunktanalyse. Er sagt den Frauen Dinge, die sich der GemeineHetero nie rausnehmen könnte: „Dein Hauptproblem istHolzkreuz!“

Auch in der fünften Staffel war Heidi wieder bestrebt, denZuschauern einen Einblick in die Welt der gestreckten Leiber undhochsitzenden Wangenknochen zu verschaffen. Wobei die Annahme, dasses in diesem Geschäft nur auf stumpfe Schönheit ankommt, seit jeherihrem lebhaftesten Widerspruch begegnet: „Man muss heutzutage alsModel auch sprechen können.“

Laufen und sprechen! Mit-Juror Kristian Schuller (40) ging nocheinen Schritt weiter: „Wichtig ist vor allem Intelligenz.“ Aber eswar wieder Jorge, der es auf den Punkt brachte: „Sag nix, nur denk!“Ein Rat, der auch auf Lebenslagen außerhalb des Laufstegs anwendbarist.

Die fünfte „GNTM“-Staffel galt in Internetforen als die bishereinschläferndste, weil ein gepflegter Zickenkrieg ausblieb.Stattdessen allenthalben Umarmungsneigungen unter HeidisSchutzbefohlenen, endloses Frauen-Geschwafel und eher sparsamhergezeigte Biomasse. Dazwischen Herumwälzen im Schlamm und ähnlichabwegige Shootings, deretwegen führende Couturiers wie Karl Lagerfeldund Wolfgang Joop längst den Bannfluch über Heidi ausgesprochenhaben.

Der – wenn auch abgeschwächte – Quotenerfolg muss einfach auchdamit zu tun haben, dass ein Großteil der heutigen Zuschauer beiStaffel 1 noch nicht schulpflichtig war. Zurzeit sieht es übrigens soaus, als könnten sie mit „GNTM“ volljährig werden: ProSieben willnoch auf Jahre hinaus mit Heidi weitermachen. Jorge würde sagen: „Ichdrucken euch die Daumen!“ (AP)

 

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