Panorama Einsturz in Köln: Der Schock sitzt immer noch tief

Einsturz des Kölner Stadtarchivs Foto: dpa

KÖLN - Am 3. März ist es ein Jahr her: Damals stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Zwei Menschen starben, bis heute ist die genaue Ursache des Unglücks noch nicht geklärt. Der Schock sitzt immer noch tief.

 

Nadine Thiel hat nur wenige Sekunden, um ihr Leben zu retten. „Wir sind alle gerannt, in Angst und Panik. Wir haben instinktiv die Gefahr gespürt.“ Die Restaurateurin des Kölner Stadt-Archivs flüchtet mit ihren Kollegen ins Freie, bevor das siebenstöckige Haus zusammenstürzt. „Ich habe mich umgedreht – und gesehen, wie das Archiv einstürzte. Das war absolut surreal.“

Am dritten März ist die Kölner Katastrophe ein Jahr her – doch bis heute ist die genaue Ursache des Unglücks nicht geklärt.

Es ist genau 13.58 Uhr, als das Gebäude im Erdboden versinkt. Dabei reißt es auch die beiden umliegenden Nachbarhäuser mit in die Tiefe. Die Bewohner der Nachbarhäuser verlieren Wohnung und Besitz. Die meisten Personen können gerettet werden. Zwei Todesopfer hat das Unglück dennoch gefordert: den 17-jährigen Bäcker-Lehrling Kevin K. und den 24-jährigen Student Khalil G. Sie waren unter den Trümmern eines Nachbarhauses begraben. Erst nach Wochen werden die Leichen gefunden.

„Ein Teil unserer Familie hätte bei besseren Kontrollen nicht sterben müssen“, sagt die 17-jährige Tamara Faßbender, deren Freund mit Kevin verwandt ist.

Der Schock steckt immer noch tief in der Kölner Bevölkerung – und die aktuellen Enthüllungen vergrößern die Empörung. Hätte der Einsturz verhindert werden können? Fest steht: Es gibt einen Zusammmenhang mit dem Bau der neuen U-Bahn-Strecke. Die Schadensstelle ist noch heute ein riesigen Krater und kann nicht untersucht werden - sie steht unter Wasser und wird erst nach dem Bau einer speziellen Konstruktion begehbar sein können. Das Klären der Ursachen kann Jahre dauern.

Wer übernimmt die Verantwortung für das Unglück? Folgen für die Kölner Verkehrsbetriebe oder die ausführenden Baufirmen gibt es noch nicht, trotz polizeilicher Durchsuchungen. Personelle Konsequenzen hat bisher nur einer gezogen: Zu den Kommunalwahlen im Sommer 2009 trat Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) nicht mehr an. Doch viele halten ihn nur für das Bauernopfer.

Nadine Thiel wird das Geschehen nie vergessen. Die Erinnerung begleitet sie ihr Leben lang. „Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich noch am Leben bin.“ sch

 

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