Panne könnte Millionen kosten Städtische Klinik München-Harlaching: Nachbar klagt gegen Neubau

Die Kinderklinik in Harlaching soll noch heuer abgerissen werden. Ein Neubau mit Terrasse ist stattdessen geplant. Foto: Bernd Wackerbauer

Der mächtige neue Krankenhauskomplex wird den Zufahrtsweg zur Nachbarklinik verbauen. Eine Alternativtrasse wurde wohl nicht mitgedacht. Jetzt gefährdet der Streit den Baubeginn.

 

München - Beim Neubau des städtischen Klinikums Harlaching bahnt sich eine millionenteure Panne an: Nach jahrelanger Endlosplanung zu dem mächtigen Krankenhauskomplex wird im Januar die Baugenehmigung erwartet, danach soll es zügig losgehen mit dem Baubeginn.

Doch nun liegt gegen den Vorbescheid eine Klage vom Nachbarn vor, der "Klinik für Naturheilweisen" (KfN). Die könnte den Baustart empfindlich verzögern.

Neubau blockiert Zufahrt zu anderer Klinik

Die Fachklinik für Naturheilverfahren und Homöopathie steht auf einem städtischen Grundstück nebenan – und sieht sich vor einem Problem: Der rund 260 Millionen Euro teure Klinikneubau wird seinen Zufahrtsweg für Krankenwagen, Patienten und Besucher überbauen, der aktuell mitten durchs Gelände der Harlachinger Klinik führt. Eine Alternativ-Trasse für den Nachbarn ist laut der Nachbarn nicht mitgedacht worden.

Auch um Abstandsflächen geht es wohl. Das neue Klinikhauptgebäude wird deutlich näher heranrücken. Man fürchtet Baulärm, Dreck und die Beeinträchtigung der eigenen Patienten.

Die Stadt ist alarmiert - und warnt vor Mehrkosten

Bei der Stadt ist man höchst alarmiert. Denn klar ist: Wenn es in den nächsten Wochen keine Einigung gibt, kann der Nachbar gegen die Baugenehmigung klagen. "Damit wäre der Neubau vielleicht auf Jahre blockiert", sagt Stadträtin und Gesundheitsexpertin Eva Caim (Bayernpartei).

Auch Stadtkämmerer Christoph Frey, der sich mit der Klage beschäftigt hat, warnt vor ihrer "aufschiebenden Wirkung, womit der geplante Baubeginn nicht realisierbar wäre". So steht es in einer Vorlage, die morgen im Finanzausschuss auf den Tisch kommt. Frey rechnet darin vor, was es an "Mehrkosten" verursachen würde, der Nachbarklinik ihre Forderungen zu erfüllen – und kommt auf einen Posten von mindestens einer Million Euro.

Allein 750.000 Euro verschlingt die "aufwendigere Wegeführung", dazu kalkuliert der Kämmerer 250.000 Euro für "Lärm und Schallschutzmaßnahmen im Zuge der Abbrucharbeiten an der Kinderklinik". "Gegebenenfalls", heißt es weiter, fallen noch Kosten für einen "flächendeckenden Einbau von Schallschutzfenstern" beim Nachbarn an, dazu Extrakosten für die "Querung einer Tramtrasse" für einen Zufahrtsweg und einiges mehr. Da sind mögliche Millionenkosten für eine Bauverzögerung (mit höheren Baukosten und möglichen Ausfallforderungen der Baufirmen) noch nicht mitgerechnet.

Ein CSUler ist die Klage involviert

Eine besondere Note bekommt der Fall durch eine Personalie: Die Klinik für Naturheilweisen ist eine Stiftung, die kürzlich ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert hat. Stiftungsvorsitzender ist Helmut Pfundstein, eine graue Eminenz der Rathaus-CSU. 14 Jahre, bis 2008, saß er im Stadtrat, war Vize-Fraktionschef und auch Aufsichtsrat im Städtischen Klinikum, das sich inzwischen München Klinik nennt.

Im Stadtrat kann man schwer nachvollziehen, dass gerade einer der ihren den Klinikneubau torpediert. Eva Caim: "Ich erwarte, dass Herr Pfundstein diese Klage zurücknimmt und es rechtzeitig eine Einigung gibt."

"So geht man nicht mit Nachbarn um"

Auf AZ-Anfrage sagt Pfundstein: "Wir haben kein Interesse daran, den Klinikneubau zu verzögern. Aber so geht es auch nicht, man kann nicht munter planen, ohne den Nachbarn einzubeziehen." Er habe dafür zu sorgen, dass der Betrieb in der Klinik für Naturheilweisen mit rund 2500 Patienten im Jahr störungsfrei weiterlaufen kann, auch wenn nebenan gebaut wird. "Das ist aber nicht gewährleistet, solange nicht geklärt ist, wie man eine neue Zufahrt für uns ans öffentliche Straßennetz anbinden will."

Aufgefallen sei die Planungsmisere übrigens schon vor einem Jahr, "als wir um die Nachbarunterschrift zur Planung gebeten worden sind", sagt Pfundstein. Bisher sei die Bereitschaft der München Klinik, eine Lösung zu finden, allerdings überschaubar gewesen. "Darum klagen wir jetzt."

Die Vorarbeiten sind schon angelaufen

Seit einer Weile schon laufen die Vorarbeiten zum Neubau, der viereinhalb Jahre dauern soll. Die Kinderklinik, die ab November abgerissen wird, ist schon geleert und ins aktuelle Hauptgebäude umgezogen. Etliche Bäume auf dem Gelände sind schon abgeholzt.

Auch Stiftungschef Helmut Pfundstein hofft auf eine schnelle Einigung. Er habe nun Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingeschaltet. "Damit er eingreift mit seiner Autorität", sagt Pfundstein. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr. Bis Januar sind es ja nur noch drei Monate.

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