Osama bin Laden: Der Ruhesitz des Terror-Chefs

In diesem Gebäudekomplex in einem Vorort von Islamabad lebte Osama bin Laden zuletzt. Foto: dpa

Im milden Klima einer der schönsten Städte Pakistans lebte bin Laden in einer Villa angeblich unbemerkt vom Geheimdienst

 

Islamabad - Eine Höhle, irgendwo im staubigen Grenzland zwischen Pakistan und Afghanistan – so stellte man sich das Versteck von Osama bin Laden vor. Doch der meistgesuchte Mann der Welt lebte in einem schmucken Villenort nahe Pakistans Hauptstadt, in einem großzügigen Anwesen, drei Stockwerke, Dachterrasse, rund eine Million Dollar wert, umgeben von Offiziersvillen und einer Militär-Akademie.

Fünfeinhalb Meter hoch sind die Mauern um den Komplex, gekrönt von Stacheldraht: Nicht ungewöhnlich in einer Region, wo sich Menschen seit Jahrhunderten gegen Überfälle wehren müssen. Ungewöhnlicher ein Umstand, der den Häschern des 53-Jährigen auffiel: Die Villa in der gehobenen Wohngegend hatte weder Internet- noch Telefon-Anschluss. Die sind ansonsten selbstverständlich in diesen Orten. Aber: Wie alle führenden Terror-Figuren wusste auch Osama bin Laden, dass Mobiltelefone geortet, Online-Verbindungen gehackt werden können.

Auch sonst war die Übervorsicht auffällig. Pakistan ist ein armes Land, in dem Villenvorort gibt es aber eine Müllabfuhr. Die nahm bin Laden nicht in Anspruch. Bin Laden und seine Leute verbrannten ihren Müll. „Wir waren geschockt von dem, was wir sahen”, sagt ein US–Geheimdienstler jetzt , „ein einzigartiges Anwesen”. Der Wert des Gebäudes übersteigt das, was ein Kurier sich leisten kann: Die Geheimdienstler schließen: Ein maßgeschneidertes Versteck für einen bedeutenden Menschen.

„Wir haben keine Ahnung, wo bin Laden lebt”, sagt noch vor zwei Jahren der pakistanische Innenminister Rehman Malik. Daran gab es immer große Zweifel, sie werden jetzt noch lauter. Warum und wie lange der Terror-Fürst unbemerkt inmitten zahlreicher Honoratioren der pakistanischen Armee leben konnte, bleiben drängende Fragen.

Die Stadt liegt 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad. 1840 als britische Garnisonsstadt gegründet, ist sie heute Sitz von Universitäten, Kommando-Zentralen und einer Offiziersakademie. Sie liegt auf 1200 Metern Höhe, hat ein mildes Klima und gilt als eine der schönsten Städte des Landes.

Unvorstellbar, dass Pakistans Militär und der allmächtige Geheimdienst nicht über alles Bescheid weiß, was in der 150.000 Einwohner-Stadt geschieht. Abbottabad ist auch Ausgangspunkt für  Touristen, die in den Karakorum aufbrechen. Dort liegen mit dem Nanga Parbat und dem K2 zwei der höchsten Berge der Welt.

Bin Ladens Anwesen liegt in unmittelbarer Nähe der Ausfall-Straße des Karakorum Highway. Das Haus liegt auf einem Hügel, es gibt viel Grün drumherum. Gebaut wurde es 2005, amerikanische Behörden glauben, dass es eigens als Versteck für den Terror-Chef gebaut wurde. Woher das Geld kommt, wo bin Landen bis dahin gelebt hat, all das ist unklar.

Womöglich hat sich bin Laden sicher gefühlt in der Stadt, andererseits rechnete er schon früh mit dem Ende. Vergangenes Jahr veröffentlichte ein langjähriger Leibwächter bin Ladens seine Memoiren. Nasser al-Bahri, der drei Jahre Bodyguard war, erzählt von einem Gespräch in den neunziger Jahren. Niemals werde ich Gefangener der Amerikaner sein”, sagt bin Laden. Er holt eine Pistole aus der Tasche und sagt: „Bevor mich die Amerikaner gefangen nehmen, musst Du mich erschießen.”

 

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