Olympia-Aus Eisprinzessin in einem Meer von Tränen

"Im Moment fehlen mir die Worte", sagt eine fassungslose Kati Witt nach der Entscheidung Foto: dapd/dpa

Riesenenttäuschung bei der deutschen Delegation nach der klaren Niederlage in Durban. Weder der Jodler noch Udes Oktoberfest-Hammer haben was genützt

 

Der Kaiser! Der Jodler! Der Hammer vom Oktoberfest! – Sie haben sich mächtig ins Zeug gelegt, die Münchner für ihre Bewerbung. Doch es hat alles nichts genützt. „Wir haben alle bitter geweint”, sagt Susi Erdmann: Die Rekord-Rodlerin, aber auch Kati Witt, die Botschafterin und Verena Bentele, die Biathletin, alle hat’s erwischt. Um 17.18 Uhr standen sie alle mit leeren Händen da. München hat verloren. „Das muss man erstmal sacken lassen” sagte eine völlig aufgelöste Kati. Die Eisprinzessin in einem Meer von Tränen.

„Ich freu mich, dass Ihr alle noch so optimistisch seid auf dem Marienplatz”, sagte Witt angesprochen auf Münchner Stimmen, die eine Neuauflage der Kampagne wollten. Witt war ein Häufchen Elend: „Wir haben es einfach nicht mehr herumreißen können. Im Moment fehlen mir einfach die Worte”. Verlieren ist sie nicht gewohnt, die zweifache Eiskunstlauf-Olympiasiegerin.

Dabei gab’s den ganzen Tag über tüchtig Lob für das, was die deutsche Delegation am frühen Morgen in Durban abgezogen hatte. Witt im schwarzen eng anliegenden Kleid, Maria Riesch, schön herausgeputzt, der Bundespräsident, brav aber seriös, Franz Beckenbauer, charmant wie eh und je: „People call me the Kaiser!”, und – zu allem Überfluss – der Jodler!

Es war der akustische Höhepunkt der Münchner Bewerbung, als Willy Rehm sich von seinem Platz erhob und zwei Mal einen zünftigen Traditions-Juchzer rausließ. In der Arena der Funktionäre gab’s Lacher und freundlichen Applaus für die Einlage.

Oder war’s das, was die Delegierten verschreckt hat? Schuldzuweisungen wurden noch keine verteilt, zumindest nicht in den eigenen Reihen. Zu tapfer hatten sie gekämpft, so das einhellige Urteil, um jetzt irgendwen hinzuhängen. Auch der Umstand, dass Bundespräsident Christian Wulff fast nur Deutsch reden und damit womöglich die eilten Olympier brüskiert haben mochte. Das war nur eine Lappalie. Zu klar war die 63-zu- 25-Watschn, die’s am Ende gab.

Daran konnte auch OB Christian Ude mit seinem Schlegel nichts ändern. Mit dem Anzapf-Utensil führte der OB den Delegierten seine typische Oktoberfest-Handbewegung vor, bei der ihm wohl die halbe Welt schon mal zugesehen hat – „Ich würde gern heute Abend ein Fass mit Ihnen aufmachen”, warb er. Vergebens.

„Traurig” sei es, dass München verloren habe, sagte das Stadtoberhaupt am Ende. Aber er versuchte gleich, wieder das Beste daraus zu machen: Keineswegs sei die 30 Millionen teure Bewerbung in den Sand gesetzt oder das Geld gar verschwendet: „Auch wenn wir den Zuschlag nicht bekommen haben, so konnten wir doch eine Menge Sympathiepunkte sammeln”, sagte Ude. Von einer „gigantischen Werbekampagne” für die Landeshauptstadt, für Garmisch und das Berchtesgadener Land sprach Ude.

Das sicher. Aber damit wollte sich kaum jemand trösten.

„So klar zu verlieren, das ist so bitter” sagte Rodlerin Susi Erdmann, die wenigstens gleich ein Rezept zur Krisenbewältigung mitlieferte: „Ich mach’s wie früher nach einem verlorenen Rennen: Ich geh ordentlich einen trinken, und am nächsten Tag ist wieder gut – wenn auch mit Kopfweh.”

Den drohenden Kater danach versuchten manche mit Aktionismus zu überspielen: Die schnellen Aktiven, die gleich den Hut für die Spiele von 2022 in den Ring werfen wollten, versuchte Ude ebenso zu bremsen wie DOSB-Chef Thomas Bach. Erst mal „analysieren” riet Bach. Und „in aller Ruhe überlegen, ob man noch mal antritt”.

„Da sollte man keine vorlaute Töne von sich geben und die Willensbildung abwarten,” wenn man drüber geschlafen hat, riet Ude. Denn bei aller Enttäuschung sei eines klar: „Eine Welt bricht auch nicht zusammen deswegen.” 

 

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